Vom Zitat zum Ich - Das elektrifizierte Schlagzeug: Hall
Auch wenn der Ursprung solcher Experimente in die 1960er-Jahre zurückreicht ? damals wurde das Tonstudio auch als Versuchslabor entdeckt ? orientieren wir uns zunächst am E-Gitarristen, der seinen Sound durch Verstärker und verschiedene ?Bodentreter? formt. Wir übertragen seinen Aufbau auf den Schlagzeugteppich: Mikrofon ans Herzstück (Snare). Vermutlich benötigen wir noch einen Mikrovorverstärker (kleines Mischpult oder einzelner Pre-Amp), verkabeln diesen mit dem Effektgerät und führen das ?nasse? Signal zu einem Lautsprecher (PA, Monitorbox, Amp). In dieser Folge steht das Hallgerät auf dem Programm, und es gibt unterschiedliche Herangehensweisen, um damit Musik zu machen: (1) Wem der Standard des Tonmanns genügt, kann jetzt die Lektüre beenden, denn die eine, ?perfekte? Einstellung wird ihn ununterbrochen mit einem Dauerhall auf der Snare beglücken. (2) Wir können uns aber auch pro Song bestimmte Raumklänge zurechtlegen, einen langen Hall für die Ballade, »gated reverbs« (HB 1b), um die Achtziger zu zitieren, das Federhall-Gewand fürs authentische Dub-Feeling oder einen kurzen »slapback«-Nachhall (HB 1c) à la Bonham oder Kravitz. (3) Noch spannender finde ich, unterschiedliche Formteile eines Songs klanglich voneinander abzugrenzen. Der Effekt wird also nur im Refrain oder Solo zugemischt, um den Groove zu intensivieren. Letztlich wird dabei der Hallklang zweitrangig. Dafür tritt die Umsetzung in den Vordergrund: Wie lässt sich beim Trommeln der Effektzusatz bequem oder gar rhythmisch bedienen, ohne dass der Spielfluss leidet? (4) Ähnlich zu einem Fill-in streuen wir den Halleffekt gezielt, um Aufmerksamkeit zu generieren ? mal rhythmisch (HB 2b/c), mal im Stil eines scratchenden DJ oder als Dub-Zitat durch einen massiven »room shot« (HB 2a).
Den gesammten Workshop gibts in drums&percussion Juli/August 2012 ab Seite 120.

