Die Bassdrum ist kein Nebendarsteller. Sie ist Fundament, Puls, Druckwelle. Sie entscheidet, ob ein Groove schiebt oder schleppt, ob ein Song atmet oder drückt. Und doch wird ihr oft zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt – zumindest, wenn es um Felle geht. Wir haben fünf 22″ Bassdrum Fell Topseller auf einem identischen Akustik-Setup getestet, unter gleichen Bedingungen gespielt, auf einer 22″x18″ Fame Crystallica Bassdrum Red Acryl. Im angehängten YouTube-Video hört ihr den direkten Vergleich. Hier kommt die Einordnung, nüchtern, praxisnah und mit einem klaren Blick auf das, was im Proberaum, auf der Bühne und im Studio wirklich zählt.
Remo Pinstripe Clear 22 – Der kontrollierte Klassiker
Es gibt Produkte, die einfach nicht verschwinden. Das Pinstripe von Remo ist so eines. Seit Jahrzehnten im Einsatz, besonders im Studio geschätzt – und das aus gutem Grund. Zwei Lagen à 7 mil, am Rand miteinander verklebt. Technisch bedeutet das weniger Obertöne, mehr Fokus auf den Grundton. Die höhere Masse verlangsamt die Schwingung, der Ton wirkt tiefer, kompakter. Im Test zeigt sich genau das. Der Sound ist kontrolliert, satt, angenehm mikrofonfreundlich. Kaum störende Obertöne, ein definierter, leicht heller Attack (typisch für die Clear-Version). Wer schon einmal mit übermäßigem Bassdrum-Sustain im Studio gekämpft hat, weiß: So ein Fell kann Nerven sparen.
Kurz gesagt: Viel Kontrolle, wenig Nacharbeit. Ideal für Studio und Live-Einsätze.

Evans Calftone ’56 22 – Die Zeitmaschine
Vintage ist kein Filter, sondern ein Gefühl. Mit der ’56 Calftone-Serie greift Evans genau dieses Gefühl auf. Optisch erinnert das Calftone an klassische Kalbsfelle. Technisch basiert es auf einem 12 mil starken Mylar-Materialmix – deutlich stimmstabiler als Naturfell, aber klanglich erstaunlich nah dran. Im direkten Vergleich fällt sofort die Wärme auf. Der Attack ist weicher, runder, das Sustain musikalisch und offen. Kein aggressiver Punch, kein übertriebener Druck – sondern Charakter. Der Sound atmet. Gerade in Jazz-, Blues- oder Soul-Kontexten wirkt das Calftone fast wie ein Gegenentwurf zur modernen „Click-and-Punch“-Ästhetik. Es zwingt sich nicht auf. Es trägt.
Kurz gesagt: wer den Sound der Fünfziger und Sechziger sucht, bekommt hier die moderne Version davon – ohne Stimmstress.

Remo Powerstroke 3 Clear 22 – Der pragmatische Favorit
Wenn es ein Fell gibt, das man bedenkenlos empfehlen kann, dann dieses. Das Powerstroke 3 von Remo überzeugt durch seine Zuverlässigkeit, seinen klaren, druckvollen Sound und seine Vielseitigkeit. Es wird bei vielen Herstellern als Werksfell für hochklassige Drumsets verwendet – ein klarer Hinweis auf seine Qualität und universelle Einsetzbarkeit. Einlagig (10 mil), mit integriertem Dämpfungsring auf der Unterseite. Genau dieser Ring macht den Unterschied: er reduziert gezielt die Rand-Obertöne, ohne den Ton komplett abzuwürgen. Im Test liefert das Powerstroke 3 einen druckvollen, klaren Kick. Straffer Attack, wenig Nachklang, sofort „fertiger“ Sound. Es braucht kaum zusätzliche Dämpfung – aufziehen, spielen. Live funktioniert das hervorragend. Auch im Studio ist es eine sichere Bank. Kein Vintage-Charakter, kein extremes Low-End-Gewitter – sondern ein ehrlicher, moderner Allround-Sound.
Kurz gesagt: schnell zum Ziel. Ohne Experimente.

Evans EMAD Clear 22 – Die variable Wucht
EMAD steht für „Externally Mounted Adjustable Damping“. Klingt technisch – ist aber vor allem praktisch. Das einlagige 10 mil Fell kommt mit zwei unterschiedlich breiten, wechselbaren Schaumstoffringen. Sie werden außen eingesetzt und verändern den Klang deutlich. Kein Kissen im Kessel, keine Decke, kein Improvisieren.
- Mit schmalem Ring: kontrolliert, aber noch mit etwas „Boom“.
- Mit breitem Ring: trocken, fokussiert, maximaler Punch.
- Ohne Ring: offen und resonant.
Im Test zeigt sich die enorme Bandbreite. Von modernem Rock-Punch bis zu fast schon überraschend offenem Sustain ist alles möglich. Besonders auffällig: das kräftige Low-End und die klare Projektion. Selbst bei Low-Budget-Drumsets verwandeln die EMAD-Felle den Sound spürbar – sie verleihen dem Kessel mehr Druck, Resonanz und Definition, als man von günstigen Sets erwarten würde. Wer häufig zwischen Genres oder Songs wechselt, bekommt hier echte Flexibilität – auch während eines Gigs.
Kurz gesagt: drei Grundsounds, ein Fell. Maximale Anpassungsfähigkeit – und ein Upgrade für jedes Set, egal wie preiswert.

Remo SMT Emperor Clear 22 – Der kurze, fette Punch
Das SMT Emperor von Remo richtet sich klar an Drummer, die einen kurzen, druckvollen Bassdrum-Sound suchen – ein Fell, das ein bisschen an die EMAD-Technologie von Evans erinnert, nur eben mit Remo-Charakter. Zweilagig (7 mil + 5 mil), ergänzt durch die sogenannte Sub Muff’l Technology: ein aufgeklebtes Kunststoffprofil mit herausnehmbarem Dämpfungsring. Bereits das Profil sorgt für leichte Dämpfung – mit Ring wird der Sound noch fokussierter. Im Test wirkt das SMT Emperor kompakt, modern und durchsetzungsstark. Viel Low-End, sehr kontrollierter Sustain, klarer Attack. Mit eingesetztem Ring entsteht ein fast schon „mixfertiger“ Sound. Interessant ist die Flexibilität: Ring raus – mehr Offenheit. Ring rein – maximale Kontrolle. Das funktioniert im Proberaum genauso wie im Studio.
Kurz gesagt: Druck auf Knopfdruck. Und sofort mikrofontauglich.

Und was ist nun das richtige Fell?
Die ehrliche Antwort: es gibt kein „bestes“. Nur das passende.
- Wer maximale Kontrolle und Studio-Sicherheit sucht, wird beim Pinstripe glücklich.
- Wer Vintage-Charakter liebt, greift zur ’56 Calftone-Serie.
- Wer einfach schnell einen guten, modernen Sound braucht, nimmt das Powerstroke 3.
- Wer flexibel bleiben möchte, landet beim EMAD.
- Und wer es kurz, fett und durchsetzungsstark mag, findet im SMT Emperor seinen Partner.
Im angehängten YouTube-Video hört ihr jedes Fell im direkten Vergleich – gespielt auf demselben Set, unter identischen Bedingungen. Am Ende entscheidet nicht die Spezifikation, sondern das Gefühl unter dem Fuß.
