Der Groove von ZZ Top: Frank Beard

Frank Beard ZZ Top

Foto von oetting – https://www.flickr.com/photos/oettingde/14697155262/, CC BY-SA 2.0, Link

Wenn von ZZ Top die Rede ist, denken viele zuerst an lange Bärte, Sonnenbrillen und staubige Texas-Riffs. Doch hinter dem charakteristischen Groove der Band steht ein Schlagzeuger, der ausgerechnet keinen Vollbart trägt: Frank Beard. Seit mehr als fünf Jahrzehnten bildet er das rhythmische Fundament eines der langlebigsten Powertrios der Rockgeschichte.

Beard wurde am 11. Juni 1949 in Frankston, Texas, geboren und wuchs in der lebendigen Blues- und Rockszene des Bundesstaates auf. Schon als Teenager spielte er in lokalen Bands wie The Cellar Dwellers, The Hustlers und The Warlocks. Der erste ernsthafte Karriereschritt folgte Mitte der 1960er-Jahre mit American Blues, einer Formation um die Brüder Dusty Hill und Rocky Hill.

American Blues verbanden PsychedelicRock mit traditionellem Blues und sammelten wichtige Erfahrungen als Begleitband für Größen wie Freddie King oder Lightnin’ Hopkins. Für Beard war diese Zeit eine prägende Schule: Blues bedeutete nicht Virtuosität um ihrer selbst willen, sondern Timing, Gefühl und einen stabilen Backbeat.

Der Beginn einer texanischen Legende

1969 kam es zum entscheidenden Zusammentreffen mit Gitarrist Billy Gibbons, der nach dem Ende seiner Band eine neue Formation aufbauen wollte. Beard schlug seinen Kollegen Dusty Hill als Bassisten vor – und damit war das Line-up komplett, das Rockgeschichte schreiben sollte.

ZZ Top wurde 1969 in Houston gegründet und entwickelte rasch einen unverwechselbaren Stil aus Texas Blues, Bluesrock, Boogie, Southern Rock und Hard Rock. Schon früh übernahm Manager Bill Ham die Geschicke der Band. Nach ersten Singles erschien 1971 das Debütalbum ZZ Top’s First Album.

Live-Tipp:

Cheap Sunglasses“ – das letzte Mal, dass Billy Gibbons ohne Sonnenbrille zu sehen war 😉 – wurde als zweite Single aus dem 1979 erschienenen Studioalbum Degüello veröffentlicht.

Mit Rio Grande Mud (1972) und vor allem Tres Hombres (1973) gelang der Durchbruch in den USA. Der Song „La Grange“ wurde zum Klassiker, während die Band gleichzeitig den Ruf einer kompromisslosen Liveband aufbaute. In dieser Phase tourte das Trio nahezu ununterbrochen durch Nordamerika und etablierte sich als feste Größe im amerikanischen Rock.

Vom Texas-Boogie zum MTV-Phänomen

Der internationale Durchbruch folgte Anfang der 1980er-Jahre. ZZ Top begannen, ihren bluesgetränkten Rocksound mit modernen Produktionstechniken und Synthesizern zu verbinden. Das Ergebnis war das 1983 erschienene Album Eliminator, das weltweit Millionenverkäufe erzielte. Songs wie „Gimme All Your Lovin’“, „Sharp Dressed Man“ und „Legs“ liefen in Dauerschleife bei MTV und machten die Band endgültig zu globalen Stars.

Parallel dazu entwickelte sich auch das visuelle Markenzeichen der Gruppe: Billy Gibbons und Dusty Hill trugen seit Ende der 1970er-Jahre ihre legendären langen Vollbärte, kombiniert mit Sonnenbrillen, Trenchcoats und Stetsons. Ironischerweise blieb ausgerechnet Frank Beard – dessen Nachname „Bart“ bedeutet – der einzige ohne Vollbart und beschränkte sich auf einen Schnurrbart.

Musikalisch blieb er dennoch der Motor der Band. Sein Spiel ist ein Paradebeispiel für ökonomisches Rock-Drumming: trockene Shuffle-Grooves, präzise Backbeats und eine unerschütterliche „Pocket“. Beard spielt selten spektakulär – aber immer genau das, was der Song verlangt.

Langlebigkeit eines Powertrios

Über Jahrzehnte hinweg blieb die Besetzung von ZZ Top unverändert: Billy Gibbons, Frank Beard und Dusty Hill. Diese außergewöhnliche Stabilität machte das Trio zu einer der konstantesten Bands der Rockgeschichte. Erst der Tod Dusty Hills im Jahr 2021 beendete diese über fünfzig Jahre währende Konstellation.

2004 wurde die Band schließlich in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen – eine späte, aber verdiente Anerkennung für ihren Einfluss auf Bluesrock und amerikanische Rockmusik.

Equipment – Maßgeschneiderter Texas-Groove

Frank Beard vertraut seit vielen Jahren auf hochwertige Marken: Tama für Schlagzeug, Paiste für Becken, ProMark für Sticks und Remo für Felle. Viele seiner Sets werden individuell angefertigt und von seinem langjährigen Drumtechniker John Douglas gestaltet.

Kern seines aktuellen Setups ist ein exklusiv lackiertes Tama Starclassic Maple Drumset. Typisch sind zwei Bassdrums, die bei manchen Tourproduktionen mehrere Meter auseinander stehen und über Fernpedale gespielt werden – ein visuell ebenso auffälliger wie funktionaler Aufbau.

Bei den Becken greift Beard vor allem auf Modelle der Paiste-2002-Serie zurück, deren heller, durchsetzungsstarker Klang perfekt zum druckvollen Bluesrock der Band passt.

Technisch interessant ist die Integration moderner Trigger-Systeme. Piezosensoren an den Trommeln senden beim Schlag ein Signal an ein Soundmodul, das parallel zum akustischen Klang einen Sample-Sound auslöst. Somit können auch Live Originalsamples von diversen Songs getriggert werden.

Schon während der Entstehung von Eliminator experimentierte die Band mit elektronischen Sounds. Im Studio kam damals unter anderem die Drum Machine Oberheim DMX zum Einsatz, die den charakteristischen Mix aus Bluesgroove und elektronischem Puls der 1980er-Jahre mitprägte.

Live-Tipp

„Sharp Dressed Man“. Hier spielt Frank Beard sein getriggertes Tama-Set. Als Soundmodul nutzt er dabei häufig ein ddrum-3 von Clavia.

 

Der unterschätzte Puls

Während Gitarrenriffs, Hot Rods und ikonische Bärte zum Mythos von ZZ Top wurden, blieb Frank Beard meist der ruhige Mann im Hintergrund. Doch genau dort liegt seine Stärke: Sein Schlagzeugspiel hält den Sound der Band seit Jahrzehnten zusammen.

Oder, um es drummergerecht zu sagen: Ohne Frank Beards stoischen Texas-Groove würde der Boogie von ZZ Top nicht rollen.

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