©️ Foto: Meinl Cymbals
Quintolen sind für viele Drummer ein kleiner Knoten im Kopf. Man hört sie, man findet sie „cool“, aber sobald man sie zählen oder sauber auf den Click setzen soll, wird es wacklig. Genau hier liegt der Punkt: Quintolen sind nicht schwer, weil sie mystisch sind, sondern weil sie gegen unser gewohntes Raster arbeiten. Wer sauber Achtel, Sechzehntel und Triolen fühlt, muss für Quintolen nur ein neues Raster stabilisieren.
Anika Nilles steht dabei sinnbildlich für einen modernen Umgang mit solchen Teilungen. Nicht, weil sie ständig „komplex“ spielt, sondern weil sie ungerade Unterteilungen musikalisch einsetzt, ohne dass es verkopft wirkt. Quintolen können genau das leisten: Sie geben deinem Groove eine neue Farbe, ohne dass du gleich in Mathe versinken musst.

Was ist eine Quintole überhaupt?
Eine Quintole bedeutet: Du spielst fünf gleich lange Noten in der Zeit, in der sonst normalerweise vier liegen würden. In der Praxis trifft man am Drumset meist auf Quintolen-Sechzehntel: fünf Noten gleichmäßig über einen Viertelschlag verteilt. Das fühlt sich zunächst ungewohnt an, weil unser Körper bei „schnellen Noten“ automatisch Richtung Sechzehntel denkt.
Wichtig ist: Quintolen sind ein Timing-Raster. Nicht nur eine Fill-Figur. Wenn du sie als Raster verstehst, kannst du sie überall einsetzen, auch im Groove, in Ghost Notes oder in einem Hi-Hat-Pattern.
Warum Quintolen so oft „eiern“
Die häufigsten Probleme sind immer dieselben:
- Du spielst zu schnell an und die letzten Noten werden gequetscht.
- Du driftest unbewusst Richtung Triolen, weil das die nächste „ungewöhnliche“ Teilung ist, die sich vertraut anfühlt.
- Du setzt die Quintole als einzelne Figur ein, ohne den Puls darunter stabil zu fühlen.
- Der wichtigste Schritt: Puls stabil halten
Bevor du Quintolen übst, stell sicher, dass dein Körper einen stabilen Viertelpuls hat. Quintolen funktionieren nur dann sauber, wenn der Viertel „unter dir“ steht wie ein Betonblock. Gerade wenn du nervös wirst, neigt man dazu, den Puls mit den Quintolen zu verschieben. Das klingt dann sofort nach „ich stolpere über meine eigene Idee“.
Übe also immer mit einem klaren Click. Du musst nicht schnell sein. Du musst gleichmäßig sein.
Übung 1: Quintolen sprechen und klatschen
Das klingt banal, ist aber der schnellste Einstieg. Stell den Click auf 60 bis 70 bpm. Dann klatsch pro Viertel fünf Schläge, gleichmäßig verteilt. Wenn du dabei merkst, dass du am Ende stolperst, geh noch langsamer. Als Sprachhilfe funktioniert bei vielen Drummern ein neutrales Muster wie „ta ta ta ta ta“ pro Viertel. Es geht nicht darum, ein perfektes Wort zu finden, sondern darum, fünf gleich große Abstände zu fühlen. Wenn das klappt, wechsel zwischen normalem Viertelklatschen und Quintolen. Also erst vier Viertel normal, dann vier Viertel Quintolen. Damit trainierst du Umschalten, ohne dass du dich verhedderst.
Übung 2: Eine Hand spielt Quintolen, die andere nur Viertel
Jetzt wird es musikalisch. Eine Hand spielt konstant Viertel, zum Beispiel auf der Hi-Hat oder auf dem Pad. Die andere Hand spielt Quintolen auf der Snare. Dadurch lernst du, das Raster zu halten und trotzdem die Quintole sauber zu verteilen. Das Ziel ist, dass die Viertel-Hand völlig entspannt bleibt. Wenn die Viertel anfangen zu schwimmen, spielt dein Körper gegen sich selbst. Dann war das Tempo zu hoch oder die Quintole noch nicht stabil genug.
Übung 3: Quintolen als Akzent-Pattern
Hier wird es interessant für den „Anika Nilles“-Vibe. Du spielst die Quintolen gleichmäßig, setzt aber nur bestimmte Noten als Akzent. Zum Beispiel den ersten Schlag jeder Quintole. Das klingt sofort musikalischer und weniger nach Übung. Wenn das sitzt, verschiebe den Akzent. Akzent auf den zweiten, dritten oder vierten Schlag. Du wirst merken: Dein Körper will immer wieder „zur Eins“ zurück. Genau dieses Training macht dich stabil.
Der Effekt ist groß: Du lernst, ungerade Raster zu spielen, ohne dass es nach „Mathe“ klingt, weil deine Akzente Groove erzeugen.
Übung 4: Quintolen-Fills, die immer landen
Die häufigste Live-Anwendung sind Quintolen-Fills. Damit sie nicht nach Stolpern klingen, brauchst du eine saubere Landung. Fang mit einfachen Fills an: fünf Schläge gleichmäßig, dann zurück in den Groove.
Ich empfehle, die Quintole zuerst nur auf einer Trommel zu spielen. Wenn das sitzt, verteile sie über Snare und Toms. Aber erst dann. Viele springen zu früh in die Verteilung und wundern sich, warum die Abstände nicht mehr stimmen.
Wichtig ist die Frage: Wo landest du danach? Übe, dass der Backbeat wieder genau auf 2 und 4 sitzt und nicht „fast“.
Übung 5: Quintolen im Groove
Der spannendste Schritt ist der, der nach Musik klingt. Du spielst einen simplen Groove und baust Quintolen als leises Ghost-Note-Material ein, zum Beispiel als kleine Fünfergruppe zwischen zwei Backbeats. Das kann extrem modern klingen, weil es deinen Groove kurzfristig „zieht“, ohne dass der Puls verloren geht. Das ist auch der Punkt, an dem man merkt, warum Drummer wie Anika Nilles so überzeugend wirken: Die Komplexität wird nicht zum Selbstzweck. Sie ist eine Farbe.
Typische Fehler und wie du sie sofort stoppst
- Wenn du merkst, dass die Quintolen nach Triolen klingen, geh langsamer und zähle bewusst fünf.
- Wenn du nach jeder Quintole kurz „suchst“, war die Landung nicht klar. Übe kürzer, dafür öfter.
- Wenn du verkrampfst, spielst du zu laut. Quintolen müssen am Anfang leise sein, sonst kämpfst du gegen deine eigene Spannung.
Fazit: Quintolen sind ein Raster, kein Trick
Wenn du Quintolen als „Trick“ behandelst, wirst du sie nur in Fills nutzen und sie werden unsicher bleiben. Wenn du sie als Raster stabilisierst, werden sie ein Teil deines Vokabulars. Genau dann kannst du sie so einsetzen, wie moderne Drummer es tun: als musikalisches Stilmittel, nicht als Rechenaufgabe.

