Die Pinstripe-Serie gehört seit Jahrzehnten zu den Klassikern unter den Tomfellen. Der Grund ist einfach: Wer einen kontrollierten, druckvollen Tom-Sound mit überschaubarem Sustain sucht, landet früher oder später bei Pinstripes. Gerade in Rock, Pop, Alternative und vielen Live-Setups sind sie beliebt, weil sie schnell „fertig“ klingen und sich oft leichter in Form bringen lassen als sehr offene Einlagensounds. Das Remo Pinstripe Clear aus US-Produktion ist offiziell als Fell mit zwei Lagen 7-mil Clear-Film und einem overtone reducing agent zwischen den Lagen beschrieben, der Obertöne reduziert und den Attack verstärkt.
Spannend wird es, seit es mit Remo Encore eine deutlich günstigere Pinstripe-Variante gibt, die im Handel als Made in Taiwan by Remo geführt wird. Händler beschreiben das Encore Pinstripe Clear ebenfalls als zweilagiges Mylar-Fell und ordnen es preislich klar unter der US-Version ein.
Genau diesen Vergleich wollte ich hören und nicht nur lesen. Deshalb habe ich mir die beiden 12″-Clear-Varianten vorgenommen und direkt gegeneinander gespielt.
Warum Pinstripes überhaupt so oft eingesetzt werden
Pinstripes sind für viele Drummer die schnelle Lösung, wenn Toms kontrolliert, fett und live-tauglich klingen sollen. Sie liefern meist einen kurzen bis mittleren Sustain, einen deutlichen Attack und genug Tiefmitten, um im Bandmix nicht unterzugehen. Genau deshalb sieht man sie so häufig auf Touring-Kits, in Proberäumen und auf Sets, die ohne viel Zusatzdämpfung funktionieren sollen. Das offizielle Remo Pinstripe wird von Remo selbst mit Midrange-Tones, Low-End und erhöhter Haltbarkeit beschrieben.
Konstruktion: Was steckt in den beiden Fellen?
Beim Remo USA Pinstripe Clear ist die Konstruktion sauber dokumentiert: zwei klare 7-mil-Lagen mit integriertem Obertone-Management zwischen den Schichten. Genau diese Bauweise erklärt auch, warum das Fell so kontrolliert und dennoch nicht komplett leblos klingt.
Beim Remo Encore Pinstripe Clear ist die Datenlage nicht ganz so komfortabel, weil Remo selbst die Encore-Serie online deutlich weniger detailliert dokumentiert. Händler und Produktbeschreibungen nennen das Fell aber ebenfalls als zweilagige Pinstripe-Variante von Remo, gefertigt in Taiwan.
Wichtig ist für mich an dieser Stelle: Der Grundgedanke ist bei beiden Fellen klar derselbe. Beide zielen auf kontrollierten, attackreichen Tom-Sound. Der Unterschied liegt weniger im Konzept als in der klanglichen Umsetzung.
Mein Test: Zwei gute Felle, aber klar hörbare Unterschiede
Ich habe beide Felle direkt verglichen, jeweils in 12″ Clear, und der Unterschied war für meine Ohren deutlich. Nicht riesig im Sinne von „komplett andere Welt“, aber klar genug, dass ich ihn im direkten A/B-Test sofort höre.
Das USA-Pinstripe klingt für mich offener, resonanter und lebendiger. Es hat mehr von diesen schimmernden, breiteren Frequenzen, die dem Ton Luft und Bewegung geben. Der Sound wirkt heller, klarer und insgesamt musikalischer aufgelöst. Das Sustain war in meinem Test nicht nennenswert länger als beim Encore, aber der Ton hatte mehr Leben im Obertonspektrum. Genau das macht das Fell für mich so attraktiv: kontrolliert, aber nicht stumpf.
Das Encore Pinstripe geht in eine andere Richtung. Es klingt deutlich dunkler, tiefer und erdiger. Ich würde es auch als dumpfer und kompakter beschreiben, wobei „dumpf“ hier nicht automatisch negativ gemeint ist. Es hat weniger von diesem offenen Schimmer und mehr direkten Attack. Dadurch wirkt es kontrollierter und ein Stück „trockener“, ohne dass das Sustain komplett weg wäre. In meinen Ohren ist es das Fell für Drummer, die schnell einen fokussierten Tom-Sound wollen, ohne lange am Set zu feilen.
Der Eindruck deckt sich übrigens ziemlich gut mit dem, was man auch aus Nutzerstimmen im Netz herauslesen kann. Dort wird das US-Pinstripe oft als offener und resonanter beschrieben, während die Encore-Variante im Vergleich dunkler und kontrollierter wirkt.
Wie wirkt sich das in der Praxis aus?
Im Bandkontext kann genau dieser Unterschied entscheidend sein. Das USA-Fell gibt dir mehr Ton, mehr Schimmer, mehr „sprechenden“ Kessel. Das ist klasse, wenn du moderne, lebendige Toms willst, die trotz Kontrolle noch etwas offen wirken.
Das Encore ist für mich eher das Fell, das sofort funktioniert, wenn es kompakt, tief und direkt sein soll. Gerade in lauteren Rock- oder Proberaum-Situationen kann das sogar ein Vorteil sein. Weniger Obertonspektrum bedeutet oft auch weniger Baustellen im Mix. Wenn du ein Fell suchst, das schnell auf „fertig“ steht, ist das Encore sehr attraktiv.
Preis-Leistung: Hier wird das Encore wirklich interessant
Der vielleicht wichtigste Punkt ist der Preis. Das Encore Pinstripe liegt deutlich unter dem US-Pendant und genau deshalb ist es für mich mehr als nur eine Billigvariante. Klanglich ist es kein 1:1-Klon, aber eben auch kein schlechter Abklatsch. Im Gegenteil: Es hat einen eigenständigen, brauchbaren Charakter und liefert für deutlich weniger Geld einen überzeugenden kontrollierten Tom-Sound. Händler und Nutzer beschreiben die Encore-Linie generell als günstige Alternative, die in der Praxis erstaunlich gut funktioniert.
Fazit
Der Direktvergleich zeigt für mich sehr klar: Beide Felle klingen gut, aber anders. Das Remo USA Pinstripe Clear ist das musikalisch offenere Fell. Es klingt heller, resonanter und hat mehr von diesen schimmernden Frequenzen, die Toms lebendig wirken lassen. Das Remo Encore Pinstripe Clear klingt dunkler, erdiger und kontrollierter, mit etwas weniger Ton, aber spürbar mehr direktem Attack.
Wenn Geld keine große Rolle spielt und du den „klassischen“ Pinstripe-Sound mit etwas mehr Offenheit willst, bleibt das USA-Modell für mich die rundere Wahl. Wenn du jedoch ein günstiges, funktionales und wirklich gut klingendes Pinstripe suchst, ist das Encore eine ernstzunehmende Alternative und definitiv mehr als nur ein Sparmodell.
Foto: https://remo.com/profile/joshua-dun

