Die tragische Geschichte von Drummer Jakob Keusen

Die Toten Hosen

Jakob Keusen war erst 23 Jahre alt, als er am 29. August 1989 in Düsseldorf starb. Für viele ist sein Name heute vor allem eine Fußnote in der Geschichte der Toten Hosen: Keusen sprang Ende 1985 nach dem Ausstieg von Trini Trimpop kurzzeitig als Schlagzeuger ein und wurde Anfang 1986 von Wolfgang „Wölli“ Rohde abgelöst. Später half er 1987 erneut live aus, als Rohde verletzt war.

Doch Jakob Keusen war weit mehr als nur ein Interimsdrummer einer berühmten Düsseldorfer Punkband. Er studierte klassisches Schlagzeug an der Musikhochschule, spielte in der Düsseldorfer Band Die Profis und bewegte sich zwischen klassischer Ausbildung, Rockgeschäft und Live-Alltag. Genau dieses Instrument, das ihm Perspektive gab, wurde in seinem Wohnhaus zum Auslöser einer Eskalation.

Ein Talent am Schlagzeug

Keusen begann laut SPIEGEL schon als Kind mit dem Schlagzeugspiel. Sein Talent fiel früh auf, später studierte er klassisches Schlagzeug und war bereits viel unterwegs: Tourneen, Engagements, Unterricht, Proben. Im deutschen Klassik- und Rockbetrieb hatte er sich einen Namen gemacht; der SPIEGEL erwähnt ausdrücklich sein Engagement als Ersatzdrummer bei den Toten Hosen.

Aus Drummer-Sicht ist daran bemerkenswert, wie breit Keusens musikalisches Profil offenbar war. Klassisches Schlagzeug verlangt Präzision, Notenfestigkeit, Dynamik und Kontrolle. Punkrock verlangt Energie, Timing, Kondition und die Fähigkeit, Songs schnell live-tauglich zu machen. Dass Keusen kurzfristig in einem lauten, schnellen Bandkontext funktionieren konnte, spricht für eine enorme Anpassungsfähigkeit.

Wenn Üben zum Konflikt wird

Keusen wohnte mit seiner Familie in einem ehemaligen Fabrikgebäude an der Düsseldorfer Hansaallee. Dort übte er Schlagzeug, später nur noch gelegentlich, wenn andere Räume nicht verfügbar waren oder wenn er Unterricht gab. Laut SPIEGEL geschah das meist zu Zeiten, in denen sein Nachbar Peter Klaus Fritzsche bei der Arbeit war.

Fritzsche, ein gesundheitlich schwer belasteter und sozial isolierter Mann, fühlte sich jedoch zunehmend durch das Schlagzeug bedroht. Der SPIEGEL beschreibt eine lange Vorgeschichte aus körperlichem Leid, Einsamkeit, zwanghafter Ordnungsliebe und wachsendem Hass auf alles, was im Haus laut, spontan oder unkontrollierbar wirkte. In dieser Welt wurde das Schlagzeug für ihn zum Symbol einer Lebensweise, die er nicht ertragen konnte.

Für Musikerinnen und Musiker ist der Fall bis heute erschütternd, weil er ein alltägliches Problem in extremer Form zeigt: Schlagzeug ist ein akustisch mächtiges Instrument. Es braucht Raum, Zeit und Toleranz. Wo diese Dinge fehlen, kann Üben schnell zur Belastungsprobe werden — normalerweise juristisch, organisatorisch oder nachbarschaftlich. In Keusens Fall endete der Konflikt tödlich.

Der 29. August 1989

Am Tattag kam Fritzsche von der Arbeit nach Hause und hörte laut seiner Darstellung bereits im Hof Schlagzeug. Es kam erneut zum Streit um Radios, die Fritzsche im Treppenhaus aufgestellt hatte, um das Schlagzeugspiel zu übertönen. Jakob Keusen schaltete eines der Geräte aus. Kurz darauf ging Fritzsche mit einem Messer aus seiner Wohnung. Auf der Treppe kam es zur tödlichen Begegnung. Keusen wurde mit einem Stich in die Brust verletzt und starb noch vor dem Haus.

Das Landgericht Düsseldorf verurteilte Fritzsche Ende 1990 zu acht Jahren Freiheitsstrafe. Der SPIEGELArtikel von Gisela Friedrichsen aus dem Archiv zeichnet den Fall nicht als einfache „Lärmstreit“-Geschichte, sondern als düsteres Porträt zweier Lebenswelten, die im selben Haus immer enger aufeinanderprallten.

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Ein Drummer, der mehr Beachtung verdient

Jakob Keusen blieb keine lange Karriere. Er hinterließ keine jahrzehntelange Diskografie, keine große Soloschule, keine Signature-Snare. Trotzdem steht sein Name für einen Musikertyp, den es in jeder Szene gibt: hervorragend ausgebildet, flexibel, zuverlässig, im Hintergrund aktiv und im entscheidenden Moment bereit, einzuspringen.

Gerade deshalb lohnt sich der Blick auf ihn. Nicht nur als tragische Randfigur der TotenHosenGeschichte, sondern als junger Schlagzeuger, dessen Weg zwischen Klassik, Punk und Düsseldorfer Subkultur vielversprechend war. Sein Tod erinnert daran, wie verletzlich musikalische Arbeit sein kann, wenn sie im privaten Raum stattfindet und wie schnell aus einem Proberaum ein Konfliktherd werden kann.

Jakob Keusen wurde nur 23 Jahre alt. Sein Instrument war nicht die Ursache seines Todes, aber es wurde zum Projektionspunkt eines Nachbarn, der die Welt um sich herum nicht mehr aushielt. Für die Drums-&-Percussion-Szene bleibt Keusen ein Name, den man nicht nur als „Ersatzdrummer der Toten Hosen“ lesen sollte, sondern als Musiker, dessen Geschichte erschütternd früh endete.

Foto: ©️https://www.dth.de/fotos/die-80er-jahre

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