Smokemaster im Interview – Neues Album, Release-Konzert und Drum Sound

Smokemaster

Mit ihrem dritten Studioalbum IN THE TEMPLE schlagen die Kölner Psychedelic-Rocker von Smokemaster ein weiteres spannendes Kapitel ihrer Bandgeschichte auf. Nach dem viel beachteten Debütalbum und dem Nachfolger COSMIC CONNECTOR präsentiert sich die Band kreativer und facettenreicher denn je. Zwischen Neo-Psych, Stoner Rock, Blues und ausufernden Jam-Passagen entstehen Klanglandschaften, die gleichermaßen nostalgisch wie zeitgemäß wirken.

Trotz personeller Veränderungen während der Albumproduktion ist es Smokemaster gelungen, ihren charakteristischen, handgemachten Sound konsequent weiterzuentwickeln. Ein wichtiger Faktor dabei: Drummer und Produzent Lukas Bönschen, der maßgeblich an der Entstehung und klanglichen Ausrichtung von IN THE TEMPLE beteiligt war.

Für Drums & Percussion habe ich Lukas Bönschen zum exklusiven Interview getroffen und mit ihm über die Entstehung des Albums, Drum-Sounds, Songwriting, Produktion und die besondere Dynamik innerhalb der Band gesprochen.

Drummer Smokemaster

„Mit In The Temple habt ihr gerade ein neues Album veröffentlicht, das du nicht nur eingespielt, sondern auch selbst produziert hast. Wenn du das Album heute in einem Satz beschreiben müsstest: Was macht diese Platte für dich anders als alles, was Smokemaster zuvor gemacht hat?“

Schwierig, weil so vieles anders ist, aber ich würde sagen: Mit In the Temple haben wir uns neu erfunden, was Genre, Songwriting, Produktionsmethoden, Lyrics und vor allem die Ausarbeitung von mehrstimmigen Gesangslinien angeht.

Du warst bei „In The Temple“ nicht nur Musiker, sondern auch Produzent. Was hat dir an dieser Doppelrolle besonders Spaß gemacht – und was war die größte Herausforderung?

Ich hatte schon immer viel Freude am arrangieren von Songs und als derjenige, der vor der DAW sitzt, stehen mir natürlich alle Wege offen Parts zu kürzen oder zu verlängern, die Reihenfolge zu verändern oder Anregungen an alle zu geben, an welchen Stellen man noch Dinge ergänzen oder verändern könnte. Das ist eine Rolle in der ich mich sehr wohl fühle und dann gerne auch mal beim Arbeiten komplett die Zeit vergesse. Genau das war aber das große Problem bei der Entstehung von In the Temple: Als wir angefangen haben das Album aufzunehmen standen bei ganz vielen Songs grade mal die Grundstrukturen. Zudem hatten wir uns zwei Wochen vor Aufnahmestart von unserem damaligen Sänger und Gitarristen getrennt. Es fehlten also Gitarrenlinien für die zweite Gitarre und Vocals. Deshalb ist ganz vieles auf In the Temple erst im Studio fertig komponiert und arrangiert worden und das hat enorm viel Zeit und Kraft gekostet. Ich und unser Organist der Tack sind Smokemasters internes Technik und Audio Team und wir haben einen ganzen Sommer praktisch kein Sonnenlicht gesehen, weil wir in jeder freien Minute im Studio waren und an dem Album gearbeitet habe. Die Schwierigkeiten mit der Doppelrolle waren da sicherlich, dass ich auf der einen Seite doppelte Arbeit bei der Vorbereitung hatte, also ich musste meine Parts spielen können und mein Schlagzeug Aufnahmefertig machen (Befellen, stimmen, Becken auswählen, etc.) und mich zusätzlich noch um die Mikrofonierung, Aufnahmeplanung, Raumakustik etc. kümmern. Da gab es sehr viel „auf Aufnahme drücken, spielen, Aufnahme stoppen, anhören, bewerten, eine Mikroposition o.Ä. verändern, wieder aufnehmen, spielen, anhören, bewerten“ and so on… Das wäre sicherlich einfacher gewesen mit noch einer zusätzlichen technisch versierten Person. Außerdem kann man nicht einfach nach Hause gehen, wenn man seinen Part eingespielt hat (lacht). Ich war wirklich bei jedem einzelnen Ton auf In the Temple live im Studio dabei, als er eingespielt wurde und das ist einerseits ein sehr schöner Gedanke aber zeigt natürlich auch, wie Aufwändig so eine Doppelrolle werden kann.

Hat die Arbeit als Produzent deine Sicht auf das Schlagzeugspielen verändert? Hörst du heute anders auf Arrangements und Dynamik als früher?

Definitiv. Ich habe den Eindruck man entwickelt viel mehr ein Gespür für das große Ganze. Als Teenie fand ich natürlich die Zauberkünstler an den Drums besonders beeindruckend: Wer spielt am schnellsten Double-Bass? Wer spielt die wahnwitzigsten Drum-soli? Wer schafft es in einer Zählzahl die meisten Schläge unterzubringen? Aber als ich angefangen habe Proben professionell mitzuschneiden, mich selbst und meine Bands aufzunehmen, zu arrangieren und abzumischen wurde ich natürlich immer wieder damit konfrontiert, dass meinen eigenes Spiel sich in der Aufnahme ganz anders anfühlte und ganz anders wirkte, als beim spielen selbst. Oft stimmte das Verhältnis zum Song selbst und dem was meine Mitmusiker spielten einfach nicht. Am Ende müssen Songs ja als Gesamtkunstwerk funktionieren und da interessiert es niemanden, dass ich aber ein ganz tolles superschnelles und kompliziertes Fill-in gespielt habe. Wenn es im Bezug zu Dramaturgie des Songs keinen Sinn ergibt, ist es in meinen Augen wertlos. Deshalb bin ich heutzutage viel mehr ein Fan von Drummern, die Songdienlich spielen und versuchen den Gesamtsound der Band zu unterstützen. Und wenn der Song von dir erfordert, einen Groove 6 Minuten durchzuspielen, dann ist das so. Das ist auch der Grund warum ich mittlerweile reine Schlagzeugsoli bei Konzerten nicht mehr mag. Ich finde es cool, wenn man die Einbettet in eine Songstruktur – die Band spielt beispielsweise alle 4 Takte Akzente auf die 4+e und man füllt das dann mit etwas Gerappel von den Drums auf – find ich cool. Aber da einfach minutenlang vor sich hin zu solieren um mal zu zeigen, was man kann … ganz ehrlich, in der Zeit geh ich mir lieber ein Bier holen oder check meine E-Mails (lacht).

Viele moderne Produktionen arbeiten mit Samples. Wie viel vom Drum-Sound auf dem Album stammt tatsächlich aus dem Raum und deinen Trommeln – und wie viel wurde im Nachhinein bearbeitet oder ergänzt?

Spannende Frage, die ich tatsächlich absolut präzise beantworten kann. Auf dem gesamten Album haben wir genau in einem Song ein einziges Drum-Sample zur Unterstützung verwendet. Alles andere ist zu 100% mein aufgenommenes Schlagzeug. Der Peace of Mind bricht meiner Meinung nach stilistisch mit allen anderen Songs auf dem Album. Statt 60er, 70er Hippie, Kraut, Psychedelic ist man in meiner Wahrnehmung auf einmal bei 80er Jahr Shoegaze. Die Komposition ist unheimlich dicht, mit tiefen Nebelhörnern, dröhnenden Gitarren, Kirchen- UND Hammondorgel, diversen Synthesizern und Samplen. Wir haben das Album aber mit nur einem Drum-Setup aufgenommen. Und beim mischen vom Peace of Mind merkten wir dann, dass sich die bis dato so wunderbar einfügende Snare einfach nicht genug durchsetzt gegen die anderen Sounds. Deshalb haben wir hier mit einem dazugemischten Midi-Snare-Sample etwas nachgeholfen.

Welches einzelne Drum- oder Percussion-Equipment hatte den größten Einfluss auf den Sound von „In The Temple“? Wenn du nur ein Teil nennen dürftest – welches wäre es?

Die Yamaha Recording Custom Snare 14“x6,5“ aus Aluminium. Ich hatte immer Probleme mit einem zu dünnen, oder sich nicht gut einfügendem Snare-Sound. Kurz vor der Aufnahme habe ich dann zugeschlagen und mir den Traum von einer eigenen Alu-Snare erfüllt. Direkt bei der ersten Demo-Aufnahme waren wir einstimmig der Meinung, dass dadurch nicht nur der Drumsound aufgewertet wurde, sondern der gesamte Bandsound. Da sind wir wieder beim oben angesprochenen Gesamteindruck. Alles beeinflusst sich gegenseitig und wenn die Snare an der richtigen Stelle im Mix sitzt, hilft das auch den anderen Instrumenten ihren Platz zu finden.

Euer Album erscheint kurz vor der Release-Show im Odonien. Was bedeutet es euch, gerade dort die Veröffentlichung von „In The Temple“ zu feiern?

Ich glaube wir waren noch nie so froh, dass ein Album endlich erscheint, weil vorher auch noch nie ein Album so gefährdet war evtl. in einer Schublade zu verschwinden. Die Produktion war so kraftraubend und hat so viel Zeit in Anspruch genommen, dass wir den ursprünglichen Release im April 2025 nicht halten konnten. Nach einem Sommer ohne Pause Arbeit an dem Album und der Balkan Tour mit Colour Haze im Oktober 2024 waren wir alle psychisch und körperlich so am Ende, dass erst mal gar nichts mehr ging. Dann mussten wir die Album Release Tour im April 2025 absagen, weil das Album nicht fertig war, Festivalauftritte für die Album Promo wurden abgesagt, weil das Album nicht fertig war, intern gab es natürlich dann auch Streit und Konfrontationen, weil auf einmal alles wie ein Kartenhaus in sich zusammenfiel. Das war glaube ich die dunkelste Stunde in mittlerweile 8 Jahren Smokemaster für uns alle. Ich konnte den Proberaum und das Studio einfach nicht mehr sehen, ich hab es dort keine 5 Minuten mehr ausgehalten, ich wollte mein Instrument nicht mehr spielen, es ging einfach nichts mehr. Ich bin da ganz ehrlich Smokemaster wäre in der Zeit beinahe Geschichte gewesen. Aber nach ein paar Monaten Abstand und der Möglichkeit mal fernab der Musik wieder Kraft zu tanken kamen wir dann doch alle wieder aus unseren Löchern gekrochen. Der letzte Grashalm, der uns doch wieder zusammengebracht hat, war, dass einer wollte, dass die ganze Arbeit umsonst war. Wir waren alle der Meinung, dass dieses Album veröffentlicht werden muss. Und jetzt über ein Jahr später ist es endlich so weit. Die ersten 3 Singles samt Musikvideo sind veröffentlicht, LPs und CDs sind gepresst und die Promo läuft auf hochtouren. Für mich ist es ein kleines Wunder, dass wir jetzt endlich diese Musik mit der Welt teilen können, deren Entstehungsgeschichte uns so mitgenommen hat, dass wir beinahe alles hingeschmissen hätten und die uns jetzt schon seit über zwei Jahren begleitet.

„Das Tourleben wird oft romantisiert. Was sind für dich die größten Herausforderungen unterwegs, über die Fans normalerweise gar nicht nachdenken – und was motiviert dich trotzdem immer wieder, mit Smokemaster auf die Bühne zu gehen?“

Es gibt ein Meme auf dem Steht: „You are in a band? Wow, I bet you see a lot of really cool places! The places I see:“ Darunter sind eine Autobahn, eine Autobahn Raststätte, ein Autobahn Klo und die Rückbank von einem Van zu sehen. Das trifft den Nagel eigentlich auf den Kopf. Ich glaube das ist etwas worüber viele Konzertgänger*innen oft nicht nachdenken. Den Großteil einer Tour verbringst du im Auto und von den Städten, in die du fährst, siehst du meist nur ein bisschen was aus dem Autofenster und die Konzertlocation. Und die zweite Belastung sind meiner Meinung nach oft fehlende Rückzugsorte an der Location selbst. Ich kann viel entspannter auf die Bühne gehen, wenn es irgendwo einen abgetrennten Backstage gibt in dem ich die Tür zumachen kann und meine Ruhe habe, als wenn es nur irgendeine Nische mit nem Vorhang davor gibt. Wenn jeden Abend vor und nach dir noch tierisch laute Bands spielen und du kannst dich dem nirgends auch mal kurz entziehen kostet das einfach sehr viel Kraft und belastet die Ohren und die Konzentration. Warum ich mir das immer wieder antue? Das ist eine gute Frage, ich glaube auf der Bühne zu stehen und Musik zu machen hat mir schon immer so viel Freude gemacht, dass es die negativen Umstände überwiegt. Ich denke der Drang zur Selbstverwirklichung ist da einfach oft größer als das Bedürfnis nach Ruhe und Komfort (lacht).

Wenn du auf die aktuelle Stoner-Rock-Landschaft schaust: Welche Entwicklung macht dir Hoffnung – und welche bereitet dir Sorgen?

Ich liebe an dieser gesamten 60er und 70er Jahre Musik diese Experimentierfreudigkeit die damals herrschte. Künstler*innen und Bands konnten meiner Meinung nach viel mehr ausprobieren, auch völlig abwegige Dinge tun und trotzdem Erfolgreich sein. Diese Standardisierungsmechanismen die heutzutage bei bekannten Künstler*innen oft greifen machen einem finde ich das Leben schwer. Es scheint diese Erwartungshaltung bei Entscheidungsträger*innen und Konsument*innen zu geben, dass eine Band einen Sound zu haben hat, eine Nische zu belegen hat und dann nach Möglichkeit nicht mehr davon abweicht. Der Vorteil für die Konsument*innen ist dann: Ich hab Lust auf … weiß ich nicht … Motörhead. Also mache ich irgendeinen Motörhead Song an und bin sofort in der Möterhead Welt. Das führt meiner Meinung aber dazu, dass Alben und Künstler*innen in sich eindimensionaler werden. Ich hatte diesen Hit, der klingt so und so, als muss möglichst alles ab jetzt ähnlich klingen. Das gleiche Problem sehe ich oft in der Stoner-Szene. Es gibt so diesen einen Kyuss Gitarrensound und Riffing-Ansatz und der wird von so gut wie jeder zweiten Stoner Band lang und breit plattgetreten. Ich habe da die Hoffnung, dass vielleicht durch dieses sehr generische von Ai Bands wieder anfangen etwas outside the Box zu denken um Ding zu tun, die ihnen die KI nicht so einfach nachmachen kann.

„Nach all der Arbeit, die in dieses Album geflossen ist: Gibt es etwas, das du den Hörern mit auf den Weg geben möchtest, bevor sie zum ersten Mal auf Play drücken?“

Achtet auf den Text beim Sounds from the Ether, meiner Meinung nach erschließt sich der Song nur durch den Kontrast zwischen Lyrics und Musik. Wenn euch das Album gefällt, erzählt euren Freunden und der Familie davon. Unterstützt uns vielleicht durch ein Like auf Social Media oder ein Platten- und Merchkauf auf über Bandcamp oder kommt am besten zu unseren Konzerten.

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