Anfang der 1970er-Jahre veränderte sich die Rockmusik grundlegend. Die Bühnen wurden größer, Gitarrenverstärker lauter und der Sound einer ganzen Generation schwerer und druckvoller. Auch für Schlagzeuger bedeutete das neue Herausforderungen: Becken mussten sich plötzlich in einer Lautstärke behaupten, für die viele der bisherigen Instrumente ursprünglich nicht konzipiert worden waren. Genau in dieser Zeit brachte Paiste 1971 die 2002 Serie auf den Markt. Ihre Aufgabe war von Beginn an klar: Sie sollte genügend Brillanz, Projektion und Durchsetzungskraft besitzen, um auch in der neuen, elektrifizierten Rockwelt ihren Platz zu behaupten. Ein Konzept, das aufging. Die 2002 wurde zu einem prägenden Bestandteil des Rock-Schlagzeugs und begleitet seitdem Generationen von Drummern.
55 Jahre später hat sich die Musikwelt mehrfach neu erfunden – die Paiste 2002 ist geblieben. Und vielleicht ist genau das die spannendste Geschichte hinter der 2002 Black Label Edition. Mit ihrer schwarzen Beschriftung erinnert sie optisch an die frühen Tage der Serie. Dazu kommt eine außergewöhnliche Zusammenstellung aus 15″ Medium Hi-Hat, 17″ Thin Crash, 19″ Thin Crash und 22″ Ride. Zeit also, herauszufinden, was nach 55 Jahren vom Mythos 2002 übrig geblieben ist. Ich habe die 2002 Black Label Edition für euch getestet.
Paiste 2002: Ein Sound für eine neue Zeit
Die Geschichte der 2002 lässt sich kaum vom Aufstieg der Rockmusik trennen. Anfang der Siebziger änderten sich nicht nur Lautstärke und Dimension der Konzerte, auch der Sound des Schlagzeugs rückte immer stärker in den Vordergrund. Becken mussten präsent sein, ohne im Gesamtbild zu verschwimmen, und sich auch dann noch behaupten, wenn Gitarren und Bass ordentlich Druck machten. Genau hier fand die 2002 ihren Platz. Paiste verwendet für die Serie die charakteristische CuSn8-Bronze, bestehend aus 92 Prozent Kupfer und acht Prozent Zinn. Die Legierung, die Paiste auch als „2002 Bronze“ bezeichnet, trägt entscheidend zum eigenständigen Klangcharakter der Serie bei: brillant und klar, gleichzeitig warm und kraftvoll, mit einer präzisen Ansprache.
Bemerkenswert ist, wie wenig sich die grundsätzliche Idee hinter der Serie in 55 Jahren abgenutzt hat. Während sich Trends bei Becken immer wieder verändert haben, ist die 2002 ihrer klanglichen DNA treu geblieben.
Black Label: Zurück zu den Anfängen
Optisch fällt bei der 2002 Black Label Edition natürlich zuerst die schwarze Beschriftung auf. Heute verbindet man die Paiste 2002 unweigerlich mit ihrem markanten roten Logo. Das war allerdings nicht immer so. Die frühen 2002 Becken trugen den schwarzen Schriftzug, der heute unter Sammlern und Paiste-Liebhabern als „Black Label“ bekannt ist. 1981 stellte Paiste die Beschriftung der 2002 Serie auf das bis heute charakteristische rote Logo um. Was rückblickend wie ein kleines optisches Detail erscheinen mag, sorgte damals durchaus für Irritationen. Viele Paiste-Fans und auch einige Endorser hatten sich über Jahre an die schwarze Beschriftung gewöhnt und standen dem neuen roten Erscheinungsbild zunächst skeptisch gegenüber.
Heute ist es fast umgekehrt: Das rote Logo ist längst selbst zu einem Markenzeichen der 2002 geworden, während die ursprünglichen Black-Label-Becken einen besonderen Vintage-Charme besitzen und bei Sammlern entsprechend begehrt sind. Genau diesen Look greift die 2002 Black Label Edition wieder auf – und schlägt damit optisch eine direkte Brücke zurück in die erste Dekade der Serie. Gerade im Jahr des 55-jährigen Jubiläums passt dieser Rückgriff auf die Anfangszeit hervorragend. Spannend ist aber nicht nur die Optik, sondern auch die Zusammenstellung: 15″ Medium Hi-Hat, 17″ Thin Crash, 19″ Thin Crash und 22″ Ride. Ein ausgewachsenes Setup mit zwei dünnen Crashes und großen Hauptbecken.
Und genau diese Kombination macht den Test interessant.

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15″ Medium Hi-Hat: Groß, satt und präsent
Los geht es mit der 15″ Medium Hi-Hat. Der zusätzliche Zoll gegenüber der lange Zeit klassischen 14″-Größe ist deutlich zu hören. Die Hi-Hat besitzt mehr Körper und Fundament und wirkt insgesamt größer, ohne dabei ihre Definition einzubüßen. Geschlossen gespielt bleibt der Stockanschlag präzise und klar. Auch der Chick besitzt genügend Substanz und setzt sich gut durch. Öffnet man die Hi-Hat, bekommt der Sound deutlich mehr Breite. Dann kommt dieser kräftige, leicht rauschende und brillante Charakter zum Vorschein, der sich hervorragend für große Rock-Grooves eignet.
Was mir dabei gefällt: Trotz ihrer Größe fühlt sich die 15er nicht träge an. Sie reagiert direkt und lässt sich gut kontrollieren. Gerade halb geöffnet und mit kräftigen Achteln gespielt entwickelt sie ordentlich Schub. Das Fundament ist größer als bei einer 14″-Hi-Hat, ohne dass der Sound schwammig wird.
Ein zusätzliches Highlight: Die 15″ Medium Hi-Hat ist eine Sonderanfertigung und in dieser Ausführung nicht im regulären Paiste 2002 Sortiment erhältlich. Das macht sie nicht nur klanglich zu einem besonderen Bestandteil der 2002 Black Label Edition, sondern verleiht dem gesamten Beckensatz noch einmal einen exklusiveren Charakter. Für mich passt die 15″ Medium Hi-Hat damit hervorragend zum Grundgedanken des Sets: klassischer 2002 Sound in einer besonderen Konfiguration, die man so nicht einfach aus dem regulären Paiste-Katalog zusammenstellen kann.
17″ Thin Crash: Schnell auf Betriebstemperatur
Das 17″ Thin Crash ist innerhalb der Black Label Edition der schnelle Akzentgeber. Die dünne Konstruktion macht sich unmittelbar bemerkbar. Das Becken benötigt keine übermäßige Schlagenergie, sondern öffnet sich bereits bei moderater Spielweise sehr schnell. Der Attack ist direkt, danach entfaltet sich ein brillanter und offener Crash-Sound. Dabei bleibt genügend Körper vorhanden, sodass das 17er trotz seiner schnellen Ansprache nicht klein oder dünn klingt.
Beim Spielen zeigt sich vor allem, wie gut diese dünnere Bauweise mit dem typischen 2002 Charakter harmoniert. Man bekommt die bekannte Brillanz und Präsenz, muss das Becken aber nicht mit Gewalt zum Leben erwecken. Das macht das 17er nicht nur zum klassischen Crash für harte Akzente. Auch schnelle Figuren oder dynamischere Passagen funktionieren hervorragend.
19″ Thin Crash: Mehr Fläche, mehr Fundament
Das 19″ Thin Crash setzt genau dort an und öffnet klanglich noch einmal eine weitere Tür. Durch den größeren Durchmesser wirkt der Sound breiter und tiefer. Das Sustain nimmt zu und der Crash-Sound bekommt insgesamt mehr Fundament. Entscheidend ist aber auch hier die Thin-Konstruktion. Ein großes Crash muss nicht automatisch schwerfällig sein – und das 19er ist dafür ein gutes Beispiel. Es reagiert erstaunlich schnell und lässt sich auch bei moderater Dynamik zum Öffnen bringen. Bei kräftigerer Spielweise entsteht dagegen eine breite Klangwand, ohne dass das Becken seinen klaren Grundcharakter verliert. Im direkten Zusammenspiel zeigen das 17er und 19er, warum diese Kombination so gut funktioniert.
Das 17″ Thin Crash liefert den schnelleren und kompakteren Akzent. Das 19″ Thin Crash klingt größer, breiter und mächtiger. Beide besitzen aber dieselbe klangliche Handschrift und liegen tonal weit genug auseinander, um sich nicht gegenseitig im Weg zu stehen. Für mich sind die beiden Thin Crashes deshalb ein echtes Highlight der 2002 Black Label Edition.
22″ Ride: Willkommen im Classic Rock
Beim 22″ Ride zeigt sich dann eine andere Seite der 2002. Hier stehen Definition und Stabilität stärker im Vordergrund. Der Stockanschlag bleibt deutlich über dem Grundrauschen des Beckens stehen und besitzt die nötige Präsenz, um auch in einem lauten Bandkontext hörbar zu bleiben. Gleichzeitig ist das Ride alles andere als eindimensional. Mit zunehmender Dynamik baut sich unter dem Ping ein kräftiger Wash auf. Dadurch kann man das Becken kontrolliert durchspielen, es bei Bedarf aber auch deutlich weiter öffnen. Auch die Glocke passt in dieses Bild. Sie besitzt ordentlich Präsenz und Klarheit und liefert einen kräftigen Akzent, der sich im Bandkontext problemlos behaupten kann.
Das 22er bildet damit einen guten Gegenpol zu den beiden schnell reagierenden Thin Crashes. Während die Crashes unmittelbar aufgehen und den Raum füllen, sorgt das Ride für Definition und hält den Beckensound zusammen.
Vier Becken, die miteinander funktionieren
Bei einem Beckensatz ist für mich nicht entscheidend, ob jedes einzelne Instrument für sich gut klingt. Viel wichtiger ist die Frage: Funktioniert das Ganze als Set? Bei der 2002 Black Label Edition lautet meine Antwort eindeutig: ja. Die 15″ Medium Hi-Hat bildet das breite und kräftige Fundament. Das 17″ Thin Crash liefert schnelle Akzente, während das 19″ Thin Crash mehr Größe und Tiefe ins Klangbild bringt. Das 22″ Ride setzt sich mit seiner klaren Stockdefinition davon ab und hält den Sound zusammen. Dabei besitzt jedes Becken seinen eigenen Platz.
Gerade die Kombination aus größeren Durchmessern und den beiden Thin Crashes gefällt mir. Das Set klingt groß, ohne dass man permanent laut spielen muss. Das ist ein wichtiger Punkt, denn die 2002 wird gerne auf ihre Durchsetzungskraft reduziert. Natürlich kann sie laut. Das war schließlich ein wesentlicher Bestandteil ihrer ursprünglichen DNA. Die beiden Thin Crashes zeigen aber, dass die Serie deutlich mehr kann als nur Vollgas.
Nur etwas für Rockdrummer?
Die Verbindung zwischen 2002 und Rock lässt sich nicht wegdiskutieren – und warum sollte man auch? Dieser Sound gehört zur Geschichte der Serie. Trotzdem würde ich die 2002 Black Label Edition nicht ausschließlich im Classic Rock sehen. Hard Rock, Alternative, Punk, moderner Pop und viele härtere Spielarten sind ebenso naheliegend. Vor allem die schnell ansprechenden Thin Crashes erweitern den dynamischen Spielraum deutlich. Wer allerdings einen extrem dunklen, trockenen, trashigen oder stark komplexen Beckensound sucht, wird hier vermutlich nicht glücklich.
Die 2002 verfolgt eine andere Philosophie. Sie will klar, brillant und präsent sein. Sie möchte sich im Mix nicht verstecken, sondern ihren Platz behaupten. Das muss man mögen – aber wenn man genau diesen Charakter sucht, bekommt man ihn hier in Reinform.
55 Jahre später
Vielleicht ist das Interessanteste an diesem Test gar nicht ein einzelnes Becken, sondern die Erkenntnis, wie gut das Grundkonzept der 2002 gealtert ist. Seit 1971 haben sich die Vorstellungen davon, wie ein gutes Becken klingen soll, mehrfach verändert. Große und extrem dünne Becken wurden populär, dunkle und trockene Sounds kamen in Mode, traditionelle Oberflächen kehrten zurück und neue Bearbeitungsmethoden erweiterten das Klangspektrum.
Die 2002 hat all diese Entwicklungen überlebt, ohne jedem neuen Trend hinterherzulaufen. Und genau darin liegt für mich ihre Stärke. Sie muss 2026 nicht versuchen, wie eine moderne Beckenserie zu klingen. Die Paiste 2002 klingt nach Paiste 2002. Dass dieser Sound nach 55 Jahren immer noch funktioniert, sagt vermutlich mehr über die Qualität des ursprünglichen Konzepts aus als jede Jubiläumskampagne.
Fazit
Die 2002 Black Label Edition ist für mich mehr als ein nostalgischer Rückblick auf die frühen Jahre einer berühmten Beckenserie. Natürlich spielt die Optik eine Rolle. Die schwarze Beschriftung stellt unmittelbar die Verbindung zu den frühen 2002 Jahren her. Gerade weil die schwarzen Logos 1981 den roten Schriftzügen weichen mussten, besitzt ihre Rückkehr heute einen besonderen Reiz. Was damals bei manchen Paiste-Fans und Endorsern zunächst für Irritation sorgte, gehört inzwischen selbst zur Geschichte einer der langlebigsten Beckenserien überhaupt. Aber ein schwarzes Logo allein macht noch keinen guten Beckensatz.
Entscheidend ist die Zusammenstellung – und die funktioniert.
Die 15″ Medium Hi-Hat liefert ein sattes und druckvolles Fundament und bringt als Sonderanfertigung gleichzeitig einen echten Exklusivitätsfaktor mit. Das 17″ Thin Crash reagiert schnell und direkt, während das 19″ Thin Crash den größeren und breiteren Gegenpart übernimmt. Das 22″ Ride bringt schließlich die nötige Definition und diesen unverkennbaren Classic-Rock-Charakter ins Spiel. Besonders die beiden Thin Crashes haben es mir angetan. Ihre schnelle Ansprache nimmt der 2002 etwas von dem Klischee, ausschließlich ein Becken für sehr laute Rockmusik zu sein. Gleichzeitig bleibt genau die Brillanz und Präsenz erhalten, für die diese Serie seit Jahrzehnten bekannt ist. Und damit schließt sich der Kreis: 1971 entstand die 2002 in einer Zeit, in der Schlagzeuger Becken brauchten, die sich gegen eine immer lauter werdende Musikwelt behaupten konnten. 55 Jahre später muss sie niemandem mehr beweisen, dass sie das kann.
Die 2002 Black Label Edition erinnert an diese Geschichte, ohne wie ein Museumsstück zu wirken. Im Gegenteil: Man stellt sie ans Set, spielt sie – und versteht ziemlich schnell, warum dieser Sound seit mehr als einem halben Jahrhundert Bestand hat.
Happy Birthday, Paiste 2002! Auf die nächsten 55 Jahre.
Den kompletten Sound der 2002 Black Label Edition mit 15″ Medium Hi-Hat, 17″ und 19″ Thin Crash sowie 22″ Ride könnt ihr euch natürlich auch in unserem Testvideo anhören.
