Als Drummer arbeitest du nicht nur am Tempo, sondern an Feel, Dynamik und Kontrolle. Genau deshalb ist die Metronom-App heute oft mehr als ein digitales Pendel: Sie hilft dir beim Üben mit Subdivisions, beim „inneren Click“ (wenn der Klick bewusst aussetzt), beim Vorbereiten von Setlists und im besten Fall sogar beim Live-Einsatz mit In-Ear und Playback-Rigs. Ich habe mir für diesen Vergleich Apps angesehen, die in der Praxis bei Drummern wirklich auftauchen, vom simplen Übe-Click bis zum Rhythmus-Labor.
Worauf es für Drummer wirklich ankommt
Für mich zählen vor allem diese Punkte: Stabilität und Bedienung (auch mit schwitzigen Händen), sinnvolle Akzent- und Subdivision-Optionen, Setlist oder Preset-Logik für schnell wechselnde Tempi, und Übe-Tools wie Gap Click oder Random Mute, weil genau dort Timing wirklich besser wird. Bonuspunkte gibt es für Features, die man als Drummer live oder im Studio nutzen kann, zum Beispiel Mehrkanal–Audio, Sync-Möglichkeiten oder zuverlässiges Hintergrund-Weiterlaufen.
Soundbrenner: Das Metronom für Alltag, Bühne und Sync-Setups
Soundbrenner hat sich in den letzten Jahren zur sehr verbreiteten Standard-Lösung entwickelt, weil die App in vielen Situationen einfach „mitdenkt“. Für Drummer spannend ist vor allem das Thema Sync: Soundbrenner unterstützt Ableton Link und kann damit mit Ableton Live oder anderen Link-fähigen Apps im selben WLAN synchron laufen. Das ist praktisch, wenn du im Proberaum oder auf kleinen Produktionen Klick und Tempo sauber zusammenhalten willst, ohne gleich ein komplettes Playback-System aufzubauen. Dazu kommt die breite Ausrichtung als Pro-Tool für Üben, Recording und Live, die App positioniert sich klar als Metronom für alle Levels.
Unterm Strich: Wenn du eine App suchst, die „einfach immer“ geht und später auch mit komplexeren Setups mitwachsen kann, ist Soundbrenner eine sehr sichere Bank.
Tempo (Frozen Ape): Setlists und Gig-Modus
Tempo ist eine dieser Apps, die man oft bei Leuten sieht, die regelmäßig live spielen oder im Unterricht strukturiert arbeiten. Der Kern ist die Idee, dass die Oberfläche je nach Situation in verschiedene Modi wechselt, darunter Setlist, Practice und Gig. Das ist nicht nur Marketing, sondern sehr nützlich, weil du im Gig nicht rumklicken willst, sondern schnell ans Ziel musst.
Auf iPhone kann Tempo laut App-Beschreibung sogar weiterlaufen, wenn das Gerät gesperrt ist, was live ein echter Vorteil sein kann.
Mein Eindruck: Tempo ist weniger „Spielwiese“ und mehr „Werkzeugkoffer“, besonders wenn du viele Songs, viele Tempi und wenig Zeit zwischen den Nummern hast.
Pro Metronome: Starker Rhythm Trainer
Pro Metronome ist auf den ersten Blick eine klassische Metronom-App, aber der interessante Teil ist der Rhythm Trainer: Dort kannst du Takte gezielt stumm schalten lassen, sodass dein Gehirn die Zeit weiterführen muss. Genau das ist für Drummer Gold, weil du damit lernst, nicht am Click zu kleben, sondern wirklich zu zählen und zu fühlen. Pro Metronome ist eine sehr unkomplizierte Wahl, weil es schnell startklar ist und die Gap-Idee ohne viel Drumherum anbietet.
Gap Click by Benny Greb: Timing Training mit Konzept
Gap Click ist im Kern eine Trainingsmethode in App-Form. Der Fokus liegt darauf, Off-Beat-Klicks sicher zu fühlen und mit Subdivisions wirklich „kugelsicher“ zu werden, während die App dir bewusst Lücken baut, in denen du allein weiterspielen musst.
Wenn du gerade das Gefühl hast, dass dein Groove zwar „passt“, aber noch nicht stabil genug ist, ist Gap Click genau diese Art von konsequentem Trainingspartner. Nicht unbedingt die App für alles, aber eine der besten fürs Timing-Thema.
Time Guru: Random Mute
Time Guru ist berühmt für eine Idee, die im ersten Moment simpel klingt, aber brutal effektiv ist: Das Metronom kann zufällig oder in Mustern stumm werden. Dann merkst du sofort, ob du beim Aussetzen nach vorne ziehst, hinten hängst oder den Puls hältst. Die App positioniert sich explizit als Training für das innere Timing und kombiniert Random Mute mit Optionen für ungerade Takte und Pattern-Ideen. Ich würde Time Guru jedem empfehlen, der zwar sauber Click spielen kann, aber im Bandkontext gern mal „zu excited“ wird.
PolyNome: Rhythmus-Labor
PolyNome ist weniger „Metronom“ und mehr eine Rhythmus-Plattform. Laut Herstellerseite bietet sie unter anderem polyrhythmische Funktionen, Sequencer und Setlists, also genau den Kram, den Nerds lieben und Pros auf komplexen Gigs wirklich nutzen. In der App-Store-Beschreibung wird außerdem klar, dass bestimmte Funktionen wie Playlists oder Practice Log teils als In-App-Kauf freigeschaltet werden. Wenn du viel mit Polyrhythmen arbeitest oder Unterricht gibst, ist PolyNome extrem stark. Für „nur Klick“ ist sie fast zu mächtig, aber als Werkzeugkasten für Rhythmusarbeit ist sie weit vorn.
Metronomics: Reaktionstrainer
Metronomics verfolgt einen spannenden Ansatz: Statt nur Klick liefert die App zufällige Patterns, sequenzierte Grooves oder Mischformen daraus, um nicht immer im gleichen Raster zu üben. Das ist für Drummer hilfreich, wenn du an musikalischem Timing arbeiten willst, also nicht nur „auf 2 und 4“, sondern an Reaktionsfähigkeit, Phrasierung und Stabilität bei wechselnden Impulsen. Für Einsteiger kann es motivierend sein, für Fortgeschrittene ist es eine gute „Anti-Autopilot“-Maschine.
Kurze Orientierung: Welche App passt zu welchem Typ?
- Wenn du nur eine App willst, die überall funktioniert und später auch mit Setup-Wachstum klarkommt, schaue dir Soundbrenner an.
- Wenn du live viel mit festen Tempi arbeitest und Setlists brauchst, ist Tempo extrem praxisnah.
- Wenn du Timing wirklich trainieren willst, sind Gap Click, Pro Metronome und Time Guru die drei „inner clock“ Kandidaten, mit jeweils etwas anderem Ansatz.
- Und wenn du Rhythmus bis ins Detail bauen, üben und performen willst, ist PolyNome das dickste Paket.
