Dave Grohl über das Erbe von Taylor Hawkins und das Aus von Josh Freese

Als die Foo Fighters ihr neues Album „Your Favorite Toy“ ankündigten, war das nicht nur eine weitere Release-News. In den begleitenden Interviews sprach Dave Grohl ungewöhnlich offen darüber, wie kompliziert der Weg der Band nach dem Tod von Taylor Hawkins wirklich war und warum man sich schließlich von Josh Freese als Tourdrummer trennte.

„Continuing after Taylor was really complicated“

Grohl macht in dem Gespräch deutlich, dass Hawkins für die Band weit mehr als „nur“ der Drummer war. Er beschreibt ihn als „amazing drummer“, aber vor allem als „incredible spirit“ und als Bruder und besten Freund. In dieser Konstellation sei die Fortsetzung für die Band schwierig gewesen. Wörtlich sagt Grohl,

„continuing after Taylor was really complicated“.

Das ist eine bemerkenswert klare Aussage, weil sie nicht versucht, den Bruch zu glätten. Der Satz macht auch verständlich, warum die Frage nach einem Nachfolger nie nur technisch war. Es ging nicht allein darum, wer die Parts spielen kann, sondern darum, wie sich eine Band nach einem solchen Verlust überhaupt wieder als Band anfühlt.

Hawkins bleibt präsent

Besonders eindrücklich ist, wie konkret Grohl Hawkins’ Abwesenheit im Alltag beschreibt. Er sagt, an Hawkins’ Geburtstag wache die Band auf und „everybody just texts“ darüber, wie sehr er fehlt. Gleichzeitig betont er, dass man ihn weiterhin spüre. Noch wichtiger ist dabei, was Grohl daraus für die Gegenwart ableitet. Er erklärt, dass die Band bei allem, was sie tut, diese Energie behalten wolle. Der zentrale Satz lautet:

„In everything we do we want to have that energy for Taylor.“

Das ist keine pathetische Überhöhung, sondern eher eine Arbeitsbeschreibung: Das, was Hawkins als Person und Musiker in die Band gebracht hat, soll weiter Maßstab bleiben.

Josh Freese: Dankbarkeit, aber ein „neuer Weg“

Im gleichen Zusammenhang äußert sich Grohl erstmals ausführlicher zur Trennung von Josh Freese, der nach Hawkins’ Tod als Tourdrummer einstieg. Freese hatte später öffentlich gesagt, er sei „shocked and disappointed“ gewesen, als die Zusammenarbeit endete.

Grohl würdigt Freese zunächst ausdrücklich als Drummer, der mit sehr unterschiedlichen Acts zurechtkommt und mit dem die Band eine gute Zeit auf Tour hatte. Danach beschreibt er den Entscheidungsprozess als Bandgespräch über Monate. Man habe gemeinsam überlegt, „what to do next“ und eine „new direction“ diskutiert. Laut Grohl sei die Entscheidung nicht über Nacht gefallen.

Entscheidend ist, wie Grohl die Kommunikation schildert: Die Band habe Freese als Gruppe angerufen, nicht als Einzelentscheidung. Sinngemäß lautet die Botschaft: +

Es war großartig, danke für die Zeit, aber wir machen mit einem anderen Drummer weiter.

Warum es keine große öffentliche Erklärung gab

Bemerkenswert ist auch, dass Grohl erklärt, warum die Band danach nicht sofort Statements und Interviews nachgeschoben hat. Man habe bewusst keinen großen öffentlichen Schritt daraus gemacht. Seitdem sei viel darüber geredet worden, aber Grohl verweist auf einen Punkt, den Freese selbst später formulierte: Dass die Musik der Foo Fighters bei ihm nicht so „resonated“ habe. Grohl macht klar, dass genau dieser persönliche Fit wichtig sei, gerade in einer Phase, in der die Band sich neu sortieren muss.

Ilan Rubin: der nächste Wechsel im Drummer-Karussell

Nach Freeses Abgang übernahm Ilan Rubin den Drum-Posten, der zuvor lange bei Nine Inch Nails spielte. Parallel kehrte Freese zu NIN zurück, was in der Szene schnell als „Drummer-Swap“ diskutiert wurde.

Einordnung: Vermächtnis, Übergang, neue Banddynamik

Grohls Aussagen wirken vor allem deshalb so nachvollziehbar, weil sie zwei Dinge gleichzeitig halten: Dankbarkeit für die Vergangenheit und die Notwendigkeit, Entscheidungen für die Gegenwart zu treffen. Taylor Hawkins bleibt emotional und künstlerisch Referenzpunkt. Gleichzeitig wird nicht so getan, als ließe sich dieses Kapitel einfach ersetzen. Die Foo Fighters stehen damit exemplarisch für eine Frage, die viele Bands irgendwann trifft, aber selten öffentlich so offen besprochen wird: Was passiert, wenn ein Bandmitglied nicht nur eine Rolle erfüllt hat, sondern Teil der Identität war.

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