Eine der tragischsten Musikergeschichten: Ausnahme-Drummer Jim Gordon

Jim Gordon

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Der Grammy-ausgezeichnete Schlagzeuger Jim Gordon gehörte zu den prägendsten Studiomusikern der Rockgeschichte. Er spielte mit Eric Clapton, George Harrison und Frank Zappa, schrieb am Klassiker Layla mit – und verschwand später nach einer schweren psychischen Erkrankung aus der Öffentlichkeit. Zum dritten Todestag erinnern wir an einen Musiker, dessen Spiel Generationen von Schlagzeugern geprägt hat.

Der Ausklang von „Layla“ – ein musikalisches Denkmal

Manchmal dauert es nur wenige Sekunden Musik, um sich ein Denkmal zu setzen. Bei Jim Gordon sind es die letzten Minuten von „Layla“. Ein Klaviermotiv, schlicht, fast schwebend, darunter ein Schlagzeug, das nicht antreibt, sondern trägt. Ein Ausklang, der längst zur Rockgeschichte gehört.

Frühe Jahre und Studiokarriere

Geboren am 14. Juli 1945 in Los Angeles, gehörte Gordon zu jener Generation von Studiomusikern, die in den 1960er- und 1970er-Jahren den Sound einer ganzen Epoche prägten. Seine Karriere begann früh: 1963 sprang er als Schlagzeuger bei den Everly Brothers ein. Was zunächst wie ein typischer Einstieg in das Tourgeschäft wirkte, entwickelte sich rasch zu einer außergewöhnlichen Laufbahn.

In den Studios von Los Angeles wurde Gordon bald zu einem der gefragtesten Drummer seiner Zeit. Produzenten schätzten seine Präzision, seine Musikalität – und vor allem seine Fähigkeit, Songs nicht nur rhythmisch zu stützen, sondern ihnen Charakter zu verleihen. Seine Handschrift ist auf einigen der bedeutendsten Pop- und Rockproduktionen jener Zeit zu hören, darunter „Pet Sounds“ von den Beach Boys und „Imagine“ von John Lennon.

Derek and the Dominos – der große Durchbruch

Der entscheidende Moment seiner Karriere kam um 1970. Jim Gordon spielte damals in der Band von Delaney & Bonnie, gemeinsam mit Bassist Carl Radle und Keyboarder Bobby Whitlock. Als Eric Clapton eine neue Band gründete, nahm er die komplette Rhythmusgruppe kurzerhand mit. So entstand Derek and the Dominos.

Das einzige Studioalbum der Band, „Layla and Other Assorted Love Songs“, gilt heute als Klassiker. Gordon war darauf nicht nur Schlagzeuger, sondern auch Co-Autor des Titelstücks. Besonders der berühmte Piano-Coda von „Layla“ wird häufig mit Clapton verbunden – tatsächlich stammt die musikalische Idee von Gordon selbst. Sein Schlagzeugspiel war kraftvoll, aber nie dominant. Er spielte nicht gegen den Song, sondern für ihn.

Vielseitiger Studiomusiker und Tourer

Nach dem kurzen Bestehen der Dominos blieb Gordon einer der gefragtesten Drummer der Szene. Er tourte mit Joe Cocker und arbeitete mit Frank Zappa, auf dessen Album „Apostrophe“, wo er sogar als Songwriter auftauchte. Zwischen 1973 und 1975 gehörte er zur Souther-Hillman-Furay Band.

Parallel dazu setzte sich seine Arbeit als Studiomusiker fort. Gordon spielte mit Künstlern wie Joan Baez, Freddie King, Tom Waits oder Larry Carlton. Seine Diskografie liest sich wie ein Querschnitt durch die amerikanische Musikgeschichte der 1970er-Jahre.

Tragische Wendung und Rückzug aus der Öffentlichkeit

Ende der 1970er-Jahre klagte Gordon zunehmend über Halluzinationen. Er berichtete von Stimmen in seinem Kopf, die ihn verfolgten und bedrohten. Sein Zustand verschlechterte sich, Auftritte wurden seltener, schließlich zog er sich 1981 vollständig aus der Öffentlichkeit zurück.

Die Tragödie erreichte 1983 ihren grausamen Höhepunkt: Gordon tötete seine Mutter mit einem Messer. Vor Gericht erklärte er später, Stimmen hätten ihm den Mord befohlen. 1984 wurde er zu mindestens 16 Jahren Haft verurteilt. Seine Anträge auf Entlassung wurden in den folgenden Jahrzehnten mehrfach abgelehnt.

Den Rest seines Lebens verbrachte Jim Gordon im California Medical Facility in Vacaville, einer Einrichtung für Häftlinge mit medizinischem und psychiatrischem Behandlungsbedarf. Dort starb er am 13. März 2023.

Vermächtnis und Einfluss

Sein musikalischer Einfluss jedoch blieb bestehen. 2016 setzte das Magazin Rolling Stone Jim Gordon auf Platz 59 der größten Schlagzeuger aller Zeiten. Für viele Kollegen war er längst zuvor eine Referenz gewesen. Jeff Porcaro, später selbst einer der bedeutendsten Studiotrommler der Popgeschichte, nannte Gordon eines seiner wichtigsten Vorbilder.

Vielleicht liegt Gordons Bedeutung genau in dieser Mischung aus technischer Perfektion und musikalischer Sensibilität. Er war kein Schlagzeuger, der sich in den Vordergrund spielte. Aber einer, der Songs größer machte.

Und manchmal genügt dafür ein einziges Motiv auf einem Klavier – und ein Schlagzeug, das weiß, wann es sprechen und wann es schweigen muss.

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