Wie wird man Drum Tech?

Drum Tech

Der Drum Tech ist einer dieser Berufe, die von außen oft kleiner wirken, als sie in Wahrheit sind. Man sieht jemanden kurz vor der Show am Riser stehen, eine Snare nachstimmen, den Teppich richten, ein Becken geraderücken. Danach geht das Licht aus und der Abend läuft. Genau in diesem unscheinbaren Moment steckt die eigentliche Qualität des Jobs. Ein guter Drum Tech sorgt dafür, dass der Drummer auf die Bühne geht und sich um sein Instrument keinen Gedanken mehr machen muss. Berklee College of Music beschreibt Instrument Techs als die Leute, die das Equipment vor der Show spielfertig machen, während der Performance begleiten und danach wieder reisefest verpacken. Jeff Diffner, seit Jahren Drum Tech von Rick Allen, fasst es noch schärfer. Sein eigentlicher Job besteht darin, Bedürfnisse vorauszusehen und Probleme zu lösen, bevor der Künstler sie überhaupt bemerkt.

Aus Sicht eines Drummers ist das sofort nachvollziehbar. Ein Set kann technisch vollkommen korrekt aufgebaut sein und sich trotzdem falsch anfühlen. Die Snare steht einen Tick zu hoch, die Toms kippen minimal weg, das Pedal reagiert anders als am Vorabend, die Stimmung trägt im Raum nicht. Wer nur nach Bauplan aufstellt, baut noch lange kein spielbares Set. Drum Tech sein heißt deshalb, den Unterschied zwischen richtig montiert und richtig spielbar zu kennen. Genau dort beginnt der Beruf.

Einen festen Ausbildungsweg gibt es kaum

Wer fragt, wie man Drum Tech wird, hofft oft auf eine klare Antwort mit festem Weg, Abschluss und Bewerbungsportal. So funktioniert diese Ecke der Musikbranche selten. In Deutschland gibt es mit der Fachkraft für Veranstaltungstechnik einen anerkannten Ausbildungsberuf, der den Umgang mit Bühnenabläufen, Technik, Sicherheit und Organisation vermittelt. Die IHK Köln weist ihn als dreijährige Ausbildung aus. Das ist eine sehr brauchbare Grundlage für alle, die in den Livebetrieb wollen. Der Beruf Drum Tech selbst entsteht aber meist in der Praxis und deutlich näher am Instrument als am Lehrplan.

MusicRadar beschreibt den Einstieg in die Tech Welt entsprechend unromantisch. Man lernt, indem man Instrumente zerlegt, repariert, wieder zusammensetzt, anderen über die Schulter schaut und sich in echten Produktionen nützlich macht. Gerade zu Beginn erwarten Teams oft, dass man mehr kann als nur Felle wechseln. Wer auf Tour oder im Festivalbetrieb anfängt, hilft häufig mit, wo Hilfe gebraucht wird. Backline Firmen sind laut MusicRadar für viele ein klassischer Einstieg, weil man dort professionelles Material in die Hände bekommt und gleichzeitig die Leute trifft, die später Tourjobs vergeben.

Das Gehör ist wichtiger als der Schraubenzieher

Natürlich muss ein Drum Tech schrauben können. Er muss Felle wechseln, Gewinde prüfen, Pedale warten, Memory Locks sinnvoll setzen, Schellen beurteilen und im Zweifel mit sehr wenig Zeit eine spielbare Lösung herstellen. Trotzdem wird der Job oft zu mechanisch gedacht. Der entscheidende Teil sitzt im Ohr. Ein guter Drum Tech hört, wann eine Snare im Saal zu lang steht, wann die Bassdrum am Mikrofon besser funktioniert als am Hocker und wann ein Tom im Raum kippt, obwohl es aus nächster Nähe noch okay wirkt. Jeff Diffner formuliert das treffend, wenn er schreibt, man solle für Mikrofon und Publikum stimmen und nicht bloß nach dem eigenen Höreindruck direkt vor dem Kessel.

Gerade Drummer unterschätzen das manchmal, weil man sich so sehr an sein eigenes Spielgefühl gewöhnt. Der Tech muss dieses Spielgefühl verstehen und zugleich einen Schritt weiterdenken. Er hört den Drummer, das Monitoring, die Bühne, die Mikrofone und im Idealfall sogar schon die Probleme des nächsten Abends. Auf größeren Produktionen kommen Trigger, Click, Playback und Timecode hinzu. Dann wird aus dem reinen Instrumentenprofi schnell eine Schaltstelle zwischen Drummer, Audioabteilung und Showablauf. Berklee beschreibt Instrument Techs deshalb auch als Teil jener Crew, die nicht nur instand hält, sondern den Einsatz des Equipments im laufenden Betrieb absichert. Diffner schildert das aus der Praxis mit Triggercheck, Line Check und der Überwachung elektronischer Komponenten während der Show.

Viele gute Drum Techs sind selbst tief im Instrument verankert

Wer einmal mit wirklich guten Drum Techs gesprochen hat, merkt schnell, wie selten diese Leute nur eine Sache gemacht haben. Modern Drummer beschrieb Don McAulay, langjähriger Tech von Charlie Watts, als Drummer, Restaurator, Studioinhaber, Sammler und Holzarbeiter. Solche Biografien wirken nur auf den ersten Blick zufällig. In Wahrheit passt das genau zum Berufsbild. Wer Trommeln restauriert, weiß etwas über Spannungsverhalten und Kessel. Wer selbst spielt, versteht Ergonomie und Timing. Wer im Studio gearbeitet hat, hört anders auf Obertöne und Dämpfung. Der Beruf zieht Leute an, die tief in der Materie stecken und sich mit dem Instrument auch dann beschäftigen, wenn gerade niemand zuschaut.

Deshalb hilft es enorm, selbst Drummer zu sein. Es ist nicht zwingend die Virtuosität, die den Ausschlag gibt. Viel wichtiger ist, dass man das Instrument von innen kennt. Man muss wissen, warum ein Drummer eine bestimmte Snarehöhe braucht, wie sich ein Pedal unter dem Fuß anfühlt und wann eine HiHat mechanisch sauber funktioniert, aber musikalisch tot wirkt. Diese Dinge lernt man nicht über Datenblätter.

Wer den Drummer lesen kann, hat den halben Job verstanden

Der schwierigste Teil des Berufs hat erstaunlich wenig mit Werkzeug zu tun. Diffner schätzt den rein technischen Anteil seines Jobs auf vielleicht zehn Prozent. Der große Rest sei der Umgang mit Menschen und das Verständnis für den Künstler. Genau hier trennt sich der belastbare Tech vom Hobbybastler. Ein Drum Tech arbeitet oft in den konzentriertesten Minuten des Tages direkt neben einer Person, deren gesamte Show an Timing, Körpergefühl und Vertrauen hängt. Wer in so einem Moment nervös redet, ungefragt umstellt oder seinen eigenen Geschmack wichtiger nimmt als die Gewohnheit des Drummers, ist sehr schnell wieder draußen.

Ein guter Drum Tech beobachtet. Er merkt, wenn ein Drummer an einem Abend härter tritt als sonst. Er sieht an der Spielweise, dass sich eine Halterung gelöst hat oder dass die linke Hand die Snare plötzlich anders trifft. Diffner beschreibt genau diese Form der Aufmerksamkeit als Kern des Jobs. Im besten Fall ist der Ersatz schon auf dem Weg, bevor sich der Musiker überhaupt umdreht. Für Drummer ist das Gold wert, weil Vertrauen am Set nicht erst mit dem ersten Downbeat entsteht, sondern schon beim Betreten der Bühne.

Der Alltag auf Tour ist härter als der Mythos

Wer Drum Tech werden will, sollte die romantische Vorstellung vom Leben hinter der Bühne früh aussortieren. Der Alltag ist lang, körperlich und oft unerquicklich. Diffner beschreibt seinen Showtag mit rund vierzehn Stunden Arbeit, beginnend am Morgen und endend nach Loadout und Nachbesprechung tief in der Nacht. Dazu kommen Aufbau, Wartung, Line Check, Soundcheck, Showbetrieb und Abbau. Er nennt den Drum Tech den Letzten am Start und den Ersten, der am Ende wieder fertig ist. Leicht ist das nur aus der Entfernung.

Gerade diese Härte erklärt auch, warum Verlässlichkeit in diesem Beruf höher bewertet wird als Coolness. Niemand bucht einen Tech, weil er auf Instagram gut aussieht. Gebucht wird, wer pünktlich ist, konzentriert bleibt, sauber dokumentiert, Ersatzteile im Griff hat und bei Stress nicht einfriert. Man muss in dunklen Wings, unter Zeitdruck und mit wenig Schlaf noch klar denken können. Wer das nicht mag, sollte lieber beim Stimmen im Proberaum bleiben.

Der Einstieg findet im echten Betrieb statt

Der sinnvollste Weg in den Beruf führt fast immer über echte Situationen. Das kann das lokale Clubumfeld sein, ein Proberaumkomplex, eine Backline Firma, ein Drumshop mit Serviceanteil, ein Festivalhelferjob oder der Einstieg in eine Venue Crew. MusicRadar rät dazu, fremdes Material nicht nur zu bestaunen, sondern daran zu arbeiten. Instrumente auseinandernehmen, verstehen, verbessern, wieder zusammensetzen. Dazu kommt der Rat, erfahrenen Leuten über die Schulter zu schauen. Genau so entsteht Praxis, die später zählt.

Für Drummer ist der Anfang sogar naheliegend. Wer sein eigenes Set wirklich gut kennt, Felle schnell und sauber wechselt, mehrere Snares sicher stimmen kann und bei Hardware nicht nur nach Gefühl, sondern mit System arbeitet, hat bereits einen Vorsprung. Der nächste Schritt besteht darin, diese Fähigkeit auf andere Spieler zu übertragen. Erst dann merkt man, ob man wirklich techen kann. Ein Drum Tech baut nämlich nicht das Set, das er selbst gern spielen würde. Er baut das Set, das der andere braucht.

Fazit

Drum Tech wird man nicht durch einen Titel und auch nicht durch einen besonders großen Werkzeugkoffer. Man wird es, wenn man Trommeln versteht, Menschen lesen kann und im Livebetrieb ruhig bleibt, während um einen herum alle auf Uhr und Nerven schauen. Die formale Seite des Wegs kann über Veranstaltungstechnik führen, die eigentliche Qualifikation entsteht aber am Instrument, auf Bühnen, in Backstage Gängen, bei Backline Firmen und in genau den Situationen, in denen eine kleine Unsauberkeit später eine große Störung wäre.

Aus Drummersicht ist ein wirklich guter Drum Tech so etwas wie ein unsichtbarer Mitspieler. Man hört ihn nicht, man sieht ihn kaum, und trotzdem hängt enorm viel von ihm ab. Wer in diesen Beruf will, braucht kein Heldensymbol und keine große Pose. Er braucht ein gutes Ohr, saubere Hände und die Bereitschaft, sich mit voller Präzision um ein Instrument zu kümmern, das im besten Fall so selbstverständlich funktioniert, dass am Ende niemand mehr darüber spricht.

 

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