50 Jahre Ramones Tribute Show: Wie die verschiedenen Ramones-Drummer die Band prägten

Ramones Tribute

Am 30. August 2026 wird in Los Angeles eine offizielle 50th Anniversary Tribute Show zu Ehren der Ramones stattfinden. Laut RockHard treten dort unter anderem Billie Joe Armstrong von Green Day, Travis Barker von Blink-182, Tim Armstrong von Rancid und CJ Ramone auf. Moderiert wird der Abend von John Travolta, später legt Shepard Fairey als DJ auf. Die Einnahmen sollen der Krebsforschung am Ellison Institute zugutekommen.

Dass Travis Barker Teil dieser Show ist, passt gut. Denn auch wenn die Ramones in der öffentlichen Wahrnehmung oft über Lederjacken, schnelle Songs, simple Riffs und den berühmten One, Two, Three, Four-Anzähler definiert werden, ist ihre Geschichte auch eine Drummer-Geschichte. Kaum eine Band hat so konsequent gezeigt, dass Schlagzeug nicht kompliziert sein muss, um eine Musikrichtung zu prägen.

Das Schlagzeugspiel war direkt, schnell, laut und funktional. Der Drummer bei den Ramones musste treiben und alles zusammenhalten. Wer selbst am Drumset versucht, den Ramones-Sound authentisch umzusetzen, merkt schnell, wie besonders die Band für Drummer*innen ist.

Ich möchte die Tribute Show zum Anlass nehmen, einen Überblick über die Geschichte der Ramones mit dem Fokus auf die Drummer zu geben.

Punkrock auf das Wesentliche reduziert

Die Ramones entstanden 1974 in New York und wurden später zu einer der wichtigsten Punkbands überhaupt. Der Rock and Roll Hall of Fame zufolge bündelten sie viele bereits vorhandene Elemente wie Energie, Härte und Haltung zu einer Bewegung. 2002 wurden sie in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.

Aus meiner Sicht ist es sehr interessant, wie stark die Band das Verständnis von Rockdrumming verändert hat. Die Ramones setzten auf kurze Songs, gerade Strukturen und einen Beat, der keine Umwege machte. Statt virtuoser Fill-Ins gab es Achtel-HiHats, Backbeat, Tempo und straighten Druck.

Dies ist durchaus eine Herausforderung. Einen Song wie Blitzkrieg Bop oder Sheena Is A Punk Rocker sauber und mit gleichbleibender Energie durchzuspielen, verlangt Kontrolle. Der Beat darf nicht eiern, die Snare muss sitzen, die HiHat muss treiben und die Bassdrum darf nicht schwerfällig werden. Wer einmal versucht hat, einen Ramones-Song wirklich überzeugend zu spielen, merkt schnell: Minimalismus verzeiht wenig.

Joey Ramone: Der erste Drummer, bevor er Sänger wurde

Bevor Joey Ramone zur ikonischen Stimme der Band wurde, saß er zunächst am Schlagzeug. In der Frühphase der Ramones bestand die Besetzung noch aus Dee Dee am Bass und Gesang, Johnny an der Gitarre und Joey am Schlagzeug. Erst als klar wurde, dass Dee Dee nicht dauerhaft Bass spielen und gleichzeitig singen konnte, wechselte Joey ans Mikrofon. Danach wurde Tommy Ramone der neue Drummer.

Dieser frühe Rollentausch ist mehr als nur eine biografische Fußnote. Er zeigt, wie unfertig und direkt die Ramones am Anfang waren.

Für Drummer ist dieser Punkt spannend, weil die Ramones nie wie eine Band klangen, bei der Schlagzeug und Gesang getrennte Welten waren. Der Gesang folgt oft der gleichen Energie wie der Beat. Alles arbeitet nach vorne.

Joey Ramone
Von Yves Lorson – https://www.flickr.com/photos/ylorson/180874411/, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4130857

Tommy Ramone: Der Erfinder des Ramones-Sounds

Tommy Ramone war der erste eigentliche Ramones-Drummer und spielte von 1974 bis 1978 in der Band. Er prägte die frühen Alben Ramones, Leave Home und Rocket to Russia und blieb der Band später auch als Produzent verbunden.

Sein Spiel war nicht spektakulär aber stilprägend. Der Beat musste schnell sein, aber nicht hektisch.

Gerade bei den frühen Songs hört man diese trockene, knappe Spielweise.. Die Snare sitzt, die Becken treiben, die Bassdrum hält den Song auf Kurs. Tommy war damit der Konstrukteur des Grundprinzips.

Aus heutiger Sicht ist das seine größte Leistung. Wer heute Punk, Hardcore, Pop-Punk oder Garage Rock spielt, greift auf diese Formel zurück.

Tommy Ramone
Von http://en.wikipedia.org/wiki/User:Deadblob93 – http://en.wikipedia.org/wiki/Image:Tommy_Ramone.JPG, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4796255

Marky Ramone: Der bekannteste Ramones-Drummer

Marky Ramone, bürgerlich Marc Bell, ersetzte Tommy 1978 und ist der am längsten aktive Drummer der Band. Er spielte mit Unterbrechung von 1978 bis 1983 und von 1987 bis zur Auflösung 1996 bei den Ramones.

Marky brachte eine andere körperliche Präsenz in die Band. Sein Spiel war härter, routinierter und in vielen Live-Mitschnitten stärker nach vorne gedrückt. Wo Tommy den ursprünglichen Ramones-Puls definierte, machte Marky daraus eine tourtaugliche Version. Die Band war live schneller und kompromisslose als zuvor.

Für viele ist Marky deshalb der Ramones-Drummer schlechthin. Das liegt daran, dass er über einen langen Zeitraum das Bild der Band auf der Bühne geprägt hat. Die Songs klingen simpel und das Set war schnell und ohne große Pausen. In meiner Wahrnehmung hat er allerdings die ursprüngliche Kantigkeit und Definition, die vor allem Achtel auf HiHat und Ride betreffen, immer etwas schwammiger umgesetzt als Tommy Ramone. Er ist bis heute mit einer eigenen Band Marky Ramone’s Blitzkrieg aktiv, mit der er Ramones Songs spielt.

Marky Ramone

Richie Ramone: Der unterschätzte Drummer

Richie Ramone, bürgerlich Richard Reinhardt, übernahm in den 1980er Jahren den Platz am Schlagzeug, als Marky die Band vorübergehend verlassen musste. Er spielte auf mehreren Alben und ist einer der wenigen Ramones-Drummer, die auch als Songwriter und Sänger innerhalb der Band stärker in Erscheinung traten.

Richie wird in der allgemeinen Ramones-Lore weniger prominent behandelt als Tommy oder Marky. Aber gerade bei ihm lohnt ein genauerer Blick. Sein Spiel hatte viel mehr Druck und eine modernere Rock-Schlagseite, die mir persönlich besser gefällt. Er brachte eine andere Energie in die Band und stand für eine Phase, in der die Ramones keine neue Underground-Sensation mehr waren, sondern eine hart arbeitende Tourband mit festem Soundbild.

In der Bandgeschichte war Richies Ausstieg 1987 auch deshalb auffällig, weil es Streit um finanzielle Beteiligungen gegeben haben soll. Danach spielte Clem Burke von Blondie kurzzeitig als Elvis Ramone bei den Ramones, bevor Marky zurückkehrte.

Richie_Ramone
Von Mabg1989 – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=122844858

Elvis Ramone: Der Blondie-Drummer bei den Ramones

Clem Burke ist unter anderem als Drummer von Blondie bekannt. Bei den Ramones spielte er 1987 für sehr kurze Zeit unter dem Namen Elvis Ramone. Es waren nur wenige Auftritte, trotzdem ist diese Episode bis heute Teil der Bandgeschichte.

Dass Burke als technisch starker und sehr vielseitiger New-Wave- und Rockdrummer bei den Ramones nur kurz blieb, sagt auch etwas über den speziellen Charakter dieser Band aus.

Elvis Ramone bleibt deshalb eher eine Randnotiz, aber eine interessante. Sie zeigt, dass der scheinbar einfache Ramones-Stil eine eigene Disziplin ist.

Von shiver_shi – https://www.flickr.com/photos/shiver_shi/2658661948/, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=146773862

Ramones-Drumming ist bis heute modern

Die Ramones klingen aus heutiger Sicht nicht gerade modern im Sinne von Produktion, Sounddesign oder technischer Komplexität. Ihr Prinzip ist aber moderner denn je. In einer Zeit, in der viele Drummer durch Social Media ständig zeigen müssen, was sie alles können, erinnern die Ramones an eine einfache Wahrheit: Ein guter Drumbeat muss zuerst den Song besser machen.

Wer Ramones spielt, trainiert grundlegende Dinge, die unterschätzt werden. Konstantes Tempo, gleichmäßige Achtel, saubere Snare-Backbeats, Ausdauer im rechten Arm, kontrollierte Bassdrum und die Fähigkeit, einen Song über zwei Minuten nach vorne zu bringen.

Der Einfluss auf spätere Drummer

Dass Travis Barker bei der 50th Anniversary Tribute Show dabei ist, wirkt absolut logisch. Blink-182, Green Day, Rancid und unzählige Pop-Punk-, Punkrock- und Hardcore-Bands stehen in direkter oder indirekter Verbindung zu dem, was die Ramones vorgemacht haben.

Barker selbst wird in der Ankündigung mit der Aussage zitiert, dass die Ramones das Vorbild seien und Punkrock ohne sie nicht das wäre, was er heute ist.

Natürlich spielt Barker technisch in einer völlig anderen Liga als die klassischen Ramones-Drummer. Seine Fills, Rudiments, schnellen Bassdrum-Figuren und sein Hybrid aus Punk, Hip-Hop und Marching-Einflüssen sind komplexer, aber die Grundidee bleibt!

Deshalb sind die Ramones für moderne Drummer und Drummerinnen eine Erinnerung daran, dass Haltung und Timing wichtiger sind als Komplexität.

Schlagzeug Üben mit Ramones Songs

Ramones-Songs eignen sich hervorragend als Übungsmaterial, weil sie Konzentration auf das Wesentliche verlangen. Wer zu unruhig spielt, zerstört den Song. Wer zu lasch spielt, verliert die Energie. Wer zu sehr hetzt, nimmt der Band den Druck.

Besonders hilfreich ist es, Ramones-Songs nicht einfach nur schnell durchzuspielen. Interessanter ist die Frage, wie gleichmäßig die Achtel bleiben, wie konstant die Snare klingt und ob der Groove auch nach zwei Minuten noch dieselbe Spannung hat wie am Anfang.

Auch die Soundfrage ist spannend. Ramones-Drums brauchen keinen überproduzierten Hochglanzklang. Ein trockener, direkter Snare-Sound, klare Becken (ich empfehle Paiste 2002), eine präsente Bassdrum und wenig Schnickschnack passen besser als ein riesiges Rocksetup.

Fazit

Die 50th Anniversary Tribute Show ist ein guter Anlass, die Ramones wieder einmal aus Drummer-Sicht zu betrachten. Denn hinter dem Image der schnell heruntergespielten Drei-Akkord-Songs steckt eine klare Idee. Tommy Ramone legte das Fundament, Marky Ramone machte daraus den bekanntesten Live-Motor der Band, Richie Ramone brachte eine eigene Phase mit mehr Druck und Elvis Ramone bleibt eine kurze, aber spannende Episode.

Die Ramones haben gezeigt, dass Schlagzeug nicht kompliziert sein muss, um eine Bewegung auszulösen

 

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