Anika Nilles bei Rush: Starker Einstand beim Juno-Auftritt mit Geddy Lee und Alex Lifeson

Anika Nilles Rush

Mit einem einzigen Song haben Rush bei den Juno Awards ein Ausrufezeichen gesetzt: Geddy Lee und Alex Lifeson standen erstmals seit Jahren wieder als Rush auf der Bühne – und im Mittelpunkt aus Drummer-Sicht stand ganz klar Anika Nilles. Die deutsche Schlagzeugerin überzeugte bei „Finding My Way“ mit Power, Übersicht und genau dem Gespür, das es für einen Moment dieser Größenordnung braucht.

Rush-Comeback bei den Juno Awards: Warum Drummer vor allem auf Anika Nilles schauen

Wenn Rush zurück auf die Bühne kommen, ist die Aufmerksamkeit garantiert. Doch für Schlagzeugerinnen und Schlagzeuger lag der Fokus bei diesem Überraschungsauftritt nicht zuerst auf Geddy Lee oder Alex Lifeson, sondern auf der Frau hinter dem Kit: Anika Nilles.

Bei den diesjährigen Juno Awards eröffnete die Band mit „Finding My Way“, dem Opener ihres Debütalbums Rush aus dem Jahr 1974. Ein spannender Griff in die Frühphase der Bandgeschichte, denn auf der Originalaufnahme ist noch John Rutsey zu hören. Gerade dadurch bekam der Auftritt eine besondere Dramaturgie: Statt sich direkt an der übergroßen Neil-Peart-Legacy abzuarbeiten, setzte die Band auf einen Song aus ihrer Anfangszeit.

Für Anika Nilles war das die perfekte Bühne, um genau das zu zeigen, was sie seit Jahren auszeichnet: Technische Klasse, hohe Musikalität und ein modernes Verständnis von Groove und Form.

Anika Nilles liefert bei „Finding My Way“ ein Drumming mit Haltung

Am großen Kit mit Rush-Logo auf der Bassdrum spielte Nilles nicht einfach nur mit, sie setzte Akzente. Ihre Fills waren präzise, druckvoll und sauber ins Gesamtbild eingebettet. Wer ihr Spiel kennt, weiß, dass Anika Nilles auch in komplexen musikalischen Situationen nie den roten Faden verliert. Genau das war hier hörbar. Sie gab der Performance Bewegung, ohne sie zu überfrachten, und hielt die Balance zwischen Respekt vor dem Material und eigener Handschrift.

Warum dieser Auftritt so gut funktionierte

Natürlich stand über allem auch die Erinnerung an Neil Peart, dessen Bilder im Hintergrund über die Leinwand liefen. Doch der Auftritt funktionierte gerade deshalb, weil er nicht versuchte, einen unersetzbaren Musiker zu kopieren oder einen bloßen Nostalgie-Moment zu erzeugen.

Vielmehr entstand der Eindruck eines würdevollen Weitergehens. Anika Nilles füllte dabei keine Lücke im klassischen Sinn, sondern brachte frische Energie in ein Bandgefüge, das nach langer Pause wieder sichtbar Lust auf Bühne hatte.

Auch Geddy Lee und Alex Lifeson wirkten hörbar aufgeladen. Lee präsentierte sich stimmlich erstaunlich präsent, Lifeson agierte mit jener Mischung aus Lockerheit und Präzision, die man mit seinem Spiel verbindet. Loren Gold an den Keyboards ergänzte das Line-up und verdichtete den Sound für den Live-Rahmen spürbar.

Erster Rush-Auftritt seit 2015

Der Abend in Hamilton, Ontario markierte einen echten Einschnitt. Seit dem Ende der R40-Tour am 1. August 2015 in Los Angeles hatten Lee und Lifeson nicht mehr unter dem Namen Rush gemeinsam auf der Bühne gestanden. Zwar gab es in den vergangenen Jahren vereinzelte gemeinsame Auftritte, etwa bei Tribute-Shows für Gordon Lightfoot oder Taylor Hawkins, doch dabei firmierten die beiden nicht als Rush.

Umso größer war die Signalwirkung dieses Juno-Auftritts. Er wirkte nicht wie ein einmaliger Gruß an die Vergangenheit, sondern wie der Beginn eines neuen Kapitels.

Geddy Lee und Alex Lifeson über die Songwahl

Auch die Wahl von „Finding My Way“ hatte ihren Reiz. Geddy Lee erklärte nach dem Auftritt sinngemäß, dass es praktisch unmöglich sei, aus dem Rush-Katalog nur einen einzigen Song auszuwählen. Also habe man das Management entscheiden lassen – mit dem Ergebnis: Erster Song, erstes Album.

Alex Lifeson kommentierte die Wahl trocken mit dem typisch lakonischen Rush-Humor:

Es sei außerdem der einzige Song, den sie spielen könnten.

Genau diese Mischung aus Selbstironie und musikalischem Ernst machte den Auftritt zusätzlich sympathisch. Nichts wirkte überhöht, nichts kalkuliert sentimental. Stattdessen stand ein kompakter, energischer Live-Moment im Raum,

Fifty Something Tour: Anika Nilles vor dem nächsten großen Kapitel

Der Auftritt gilt als Auftakt zur Fifty Something Tour, die am 7. Juni in Los Angeles starten soll, ausgerechnet an dem Ort, an dem Rush 2015 ihr letztes Konzert mit Neil Peart spielten. Was zunächst wie eine überschaubare Konzertreihe wirkte, ist inzwischen zu einer großen Tour durch die USA, Kanada und Europa angewachsen.

Geplant sind zweiteilige Abende mit einem rotierenden Repertoire von rund 35 Songs. Für Drummer ist das besonders spannend, denn genau hier wird sich zeigen, wie Anika Nilles unterschiedliche Rush-Epochen live interpretiert.

Fazit: Anika Nilles gibt Rush einen neuen Puls

Für die Drum-Community ist dieser Auftritt vor allem eines: ein Statement. Anika Nilles hat bei ihrem Rush-Debüt nicht nur bestanden, sondern den Moment entscheidend mitgeprägt. Ihr Spiel war kraftvoll, kontrolliert und musikalisch auf den Punkt.

Statt sich an Erwartungen aufzureiben, setzte sie auf genau die Qualitäten, die große Drummer auszeichnen: Timing, Ton, Formgefühl und Präsenz. Rush wirkten an diesem Abend nicht wie ein reines Erinnerungsprojekt. Sie wirkten lebendig. Und das lag ganz wesentlich auch an der Schlagzeugerin hinter dem Kit.

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