Drummer-Söhne zum Vatertag: Wie der Vater, so der Sohn!

Drummer Söhne

Zum Vatertag blicken wir auf Drummer-Söhne, die nicht nur berühmte Nachnamen tragen, sondern sich selbst an die vielleicht undankbarste Position im Bandgefüge gesetzt haben: hinter das Schlagzeug. Zwischen Genesis, Led Zeppelin, Foo Fighters, The Who und Slipknot geht es um Familienerbe, Erwartungsdruck, eigene Handschriften — und die Frage, ob Groove eigentlich vererbbar ist. Es gibt Geschenke, die man zum Vatertag kaufen kann. Und es gibt Geschenke, die stehen seit Jahren im Proberaum: eine Snare mit Gebrauchsspuren, ein Ride-Becken mit Geschichte, ein Drumhocker, der schon bessere Tage gesehen hat. Für manche Musiker beginnt die erste Unterrichtsstunde nicht in der Musikschule, sondern im Wohnzimmer, im Backstage-Bereich oder neben dem Tourbus. Wer als Sohn eines berühmten Drummers aufwächst, bekommt den Puls der Musik oft früher mit als andere. Aber ein großer Name ist im Schlagzeug-Kosmos kein Schonraum. Im Gegenteil. Wer Collins, Bonham, Starkey, Hawkins oder Weinberg heißt, spielt nie ganz allein. Im Raum stehen immer auch die alten Platten, die legendären Konzerte, die Fan-Erwartungen und die Frage: Kann er das wirklich — oder ist er nur „der Sohn von“? Für uns Drummer ist genau das spannend. Denn am Schlagzeug zählt am Ende wenig Glamour. Timing lügt nicht. Ein Groove trägt — oder eben nicht. Diese fünf Söhne haben sich trotzdem hinter das Kit gesetzt und auf ganz unterschiedliche Weise gezeigt, wie man mit einem musikalischen Erbe umgehen kann: mal respektvoll nah am Original, mal radikal in eine andere Richtung, mal als emotionaler Moment, der mehr sagt als jede Biografie.

Nic Collins: Der Genesis-Puls in zweiter Generation

Phil Collins ist für viele Pop-Hörer der Mann mit der Stimme, den großen Balladen und natürlich diesem einen Fill, das auch Menschen kennen, die noch nie einen Drumstick in der Hand hatten. Für Drummer ist er aber vor allem ein Musiker, der bei Genesis die Schnittstelle zwischen Prog, Pop und präziser Schlagzeugarbeit verkörperte. Komplexe Arrangements, markante Tom-Figuren, ein extrem songdienliches Gefühl für Dramaturgie — Phil Collins war nie nur Sänger, sondern immer auch ein Drummer mit eigener Handschrift. Sein Sohn Nicholas „Nic“ Collins, geboren am 21. April 2001 in Genf, wuchs also nicht irgendeinem musikalischen Schatten entgegen. Er kam als erstes gemeinsames Kind von Phil Collins und Orianne Cevey zur Welt. Sein jüngerer Bruder Mathew Collins wurde Fußballspieler, zu seinen Halbgeschwistern gehören unter anderem der Musiker Simon Collins und die Schauspielerin Lily Collins. Nic selbst fand früh zum Schlagzeug — sehr früh sogar: Schon im Alter von zwei Jahren begann er zu trommeln. Einem größeren Publikum fiel Nic Collins erstmals 2016 auf, als er seinen Vater bei einem Auftritt im Rahmen der US Open im Arthur Ashe Stadium in New York am Schlagzeug begleitete. Da war er gerade einmal 15 Jahre alt. Was im ersten Moment wie ein sympathischer Vater-Sohn-Auftritt wirkte, entwickelte sich schnell zu einem professionellen Job mit großer Verantwortung. Zwischen 2017 und 2019 spielte Nic auf Phil Collins’ „Not Dead Yet“-Tour.

Der eigentliche Ritterschlag kam aber mit Genesis. Zwischen September 2021 und März 2022 saß Nic Collins auf der „The Last Domino?“-Tour hinter dem Schlagzeug. Damit übernahm er live eine Rolle, die für viele Fans untrennbar mit Chester Thompson verbunden war, der seit den späten Siebzigern über Jahrzehnte mit Genesis und Phil Collins getourt hatte. Für einen jungen Drummer ist das kein normaler Gig. Genesis-Material verlangt nicht nur sauberes Timing, sondern ein tiefes Verständnis für Songarchitektur. Diese Musik lebt von Spannungsbögen, Dynamik, Breaks, ungeraden Akzenten und dem ständigen Wechsel zwischen filigraner Präzision und großer Pop-Geste. Wer hier einfach nur laut spielt, verliert. Wer zu brav spielt, ebenfalls. Nic Collins überzeugte, weil er die Balance fand. Er konnte bei Bedarf erstaunlich nah an den jungen Phil Collins heranrücken, ohne wie eine Kopie zu wirken. Tony Banks lobte ihn sinngemäß genau dafür: Nic sei ein großartiger Drummer und könne zugleich wie der junge Phil klingen. Für Banks und Mike Rutherford eröffnete das offenbar die Möglichkeit, Songs wieder live zu spielen, die lange nicht mehr in dieser Form auf der Bühne stattgefunden hatten. Aus Drummer-Sicht ist Nic Collins damit ein Paradebeispiel für musikalische Erbschaft mit Feingefühl. Er trat nicht einfach auf die Bühne, weil sein Nachname passte. Er musste Arrangements tragen, die tief in der DNA seines Vaters stecken — und dabei genug eigene Energie mitbringen, damit Genesis nicht wie ein Museum klangen.

 

Jason Bonham: Der Sohn des Donners

Wenn es einen Drummer gibt, dessen Name fast automatisch nach Bassdrum, Schweiß und Erdbeben klingt, dann ist es John Bonham. Der Led-Zeppelin-Schlagzeuger war kein gewöhnlicher Rockdrummer. Sein Spiel hatte Gewicht, Swing, rohe Kraft und eine geradezu animalische Eleganz. Bonham konnte ein einfaches Pattern so schwer machen, dass es wie ein Naturereignis wirkte. Gleichzeitig war sein Timing elastisch, sein Feel riesig und sein Sound bis heute eine Art Messlatte für Rockdrummer. Sein Sohn Jason John Bonham, geboren am 15. Juli 1966 in Dudley, Worcestershire, bekam diese Welt aus nächster Nähe mit. John Bonham brachte ihm früh das Schlagzeugspielen bei. Bereits mit vier Jahren begann Jason unter Anleitung seines Vaters zu trommeln. Das klingt nach Rock’n’Roll-Märchen, hatte aber eine harte Kehrseite: Wer Bonham heißt, wird am Schlagzeug nicht mit Samthandschuhen gemessen. Jason Bonham debütierte mit 17 in seiner ersten Band und stieg 1985 bei Virginia Wolf ein, mit denen er zwei Alben einspielte. 1987 nahm er mit Led-Zeppelin-Gitarrist Jimmy Page das Album „Outrider“ auf und ging anschließend mit ihm auf Tour. Ein Jahr später stand er mit den verbliebenen Led-Zeppelin-Musikern beim Atlantic-Records-Jubiläum auf der Bühne. 1989 veröffentlichte Jason Bonham sein erstes eigenes, hardrock-orientiertes Soloalbum „The Disregard of Timekeeping“. In den folgenden Jahren spielte er immer wieder in Projekten, die sich auf das Led-Zeppelin-Erbe bezogen, blieb aber keineswegs darauf beschränkt. Er arbeitete unter anderem mit UFO, Foreigner, Black Country Communion, California Breed und Sammy Hagar & The Circle.

Der Moment, an dem sich seine Familiengeschichte und die Rockhistorie endgültig kreuzten, war der 10. Dezember 2007. In der Londoner O2 Arena kamen Led Zeppelin für ein großes Reunion-Konzert zusammen — und Jason Bonham übernahm den Platz seines 1980 verstorbenen Vaters. Das ist aus Drummer-Perspektive kaum zu überschätzen. Led-Zeppelin-Songs sind keine bloßen Klassiker, die man korrekt herunterspielt. Sie leben von Mikroverschiebungen, Druck, Luft, Instinkt und diesem speziellen Bonham-Sog. Bei Stücken wie „Good Times Bad Times“, „Kashmir“ oder „Whole Lotta Love“ geht es nicht nur um Notenwerte. Es geht darum, eine Band mit einem massiven inneren Puls nach vorne zu schieben.Jason Bonham gelang genau das, ohne sich in einer reinen Imitation zu verlieren. Natürlich hörte man den Vater mit. Das musste man auch. Aber Jason brachte genug eigene Autorität mit, um den Abend nicht wie eine Gedenkveranstaltung wirken zu lassen, sondern wie ein echtes Rockkonzert. Seit 2009 widmete er sich mit Jason Bonham’s Led Zeppelin Experience zusätzlich einer eigenen Hommage an die Band seines Vaters. Doch sein Weg zeigt: Jason Bonham ist nicht nur Verwalter eines Mythos. Er ist ein Rockdrummer, der gelernt hat, mit einem der größten Schatten der Schlagzeuggeschichte zu leben — und trotzdem seinen eigenen Punch zu finden.

 

Shane Hawkins: Ein Backbeat gegen die Sprachlosigkeit

Manchmal reicht ein einziger Auftritt, um sich ins kollektive Gedächtnis der Rockwelt zu spielen. Bei Shane Hawkins, dem Sohn des verstorbenen Foo-Fighters-Drummers Taylor Hawkins, war genau das der Fall. Taylor Hawkins war mehr als „nur“ der Drummer der Foo Fighters. Er war ein Energiebündel, ein Showman, ein Rockfan mit offenem Visier und einer dieser Schlagzeuger, bei denen man sofort merkte: Hier spielt jemand nicht nur den Song, hier lebt jemand in jedem Crash. Sein Stil war groß, körperlich, direkt — irgendwo zwischen Classic-Rock-Verehrung, Punk-Power und Stadion-Attitüde.

Nach Taylors Tod wurde das Tribute-Konzert zu einem emotionalen Ausnahmezustand. Als Shane Hawkins dort am Schlagzeug Platz nahm und mit den Foo Fighters „My Hero“ spielte, passierte etwas, das man als Drummer zwar technisch beschreiben könnte, das aber eigentlich über Technik hinausging. Natürlich saßen die Schläge. Natürlich war da Druck. Aber entscheidend war die Haltung. Shane spielte mit einer Wucht, die zugleich traurig, wütend, stolz und unglaublich lebendig wirkte. Kein glattpolierter Nachwuchsauftritt, keine kalkulierte Social-Media-Szene, sondern ein Moment, in dem ein Sohn das musikalische Erbe seines Vaters für ein paar Minuten in die Hände nahm. Gerade für Drummer war das beeindruckend. Denn man hörte nicht nur einen jungen Musiker, der einen Foo-Fighters-Song spielt. Man hörte jemanden, der verstanden hatte, dass Schlagzeug bei dieser Band immer auch Energieübertragung ist. Der Groove muss die Gitarren schieben, die Refrains öffnen, die Bühne füllen. Shane tat genau das. Seine weitere musikalische Zukunft bleibt offen. Und vielleicht ist das auch gut so. Man sollte aus einem emotionalen Tribute-Moment nicht vorschnell eine Karriereerwartung bauen. Aber dieser Auftritt zeigte, dass Shane Hawkins mehr besitzt als einen berühmten Namen. Er hat Feuer. Und am Schlagzeug ist Feuer manchmal der Anfang von allem.

 

Zak Starkey: Ringo als Vater, Keith Moon als Kompass

Zak Richard Starkey, geboren am 13. September 1965 in London, ist der Sohn von Ringo Starr, dem Schlagzeuger der Beatles, und Maureen Tigrett. Damit hätte man erwarten können, dass seine musikalische Laufbahn automatisch im Schatten des Beatles-Backbeats steht. Doch Zak Starkeys Geschichte verläuft anders — und genau deshalb ist sie so interessant. Zum Schlagzeug kam er nicht nur durch seinen Vater, sondern auch durch Keith Moon, den legendären Drummer von The Who. Moon brachte Zak im Alter von zehn Jahren näher ans Schlagzeug heran und wurde für ihn zu einer wichtigen prägenden Figur. Das hört man später auch. Zak Starkey klingt nicht wie ein Ringo-Klon. Sein Spiel hat mehr Attacke, mehr Rock-Wucht, mehr kontrolliertes Chaos. In jungen Jahren spielte Starkey in Garage- und Punkbands, später machte er sich als Studiomusiker einen Namen. Er arbeitete unter anderem mit den Lightning Seeds und The Icicle Works. 1996 stieg er schließlich bei The Who ein und spielte erstmals live auf der „Quadrophenia“-Tour mit der Band. Das war eine besondere Rolle. Denn bei The Who sitzt der Geist von Keith Moon immer mit auf der Bühne. Moon war kein klassischer Timekeeper, sondern ein orchestraler Sprengsatz. Seine Drum-Parts wirbelten um die Songs herum, trieben sie an, kommentierten sie, zerlegten und befeuerten sie gleichzeitig. Wer bei The Who trommelt, muss diese Energie verstehen, darf aber nicht einfach Moon nachäffen. Zak Starkey fand dafür eine überzeugende Lösung. Er brachte genug Druck und Wildheit mit, um The-Who-Songs glaubwürdig zu spielen, aber auch genug Kontrolle, um die Band im modernen Live-Kontext zusammenzuhalten. Über viele Jahre wurde er dadurch zum wichtigsten The-Who-Drummer nach Keith Moon und Kenney Jones. Parallel dazu war Starkey auch bei Oasis aktiv. Von 2004 bis 2008 spielte er Schlagzeug bei Aufnahmen und Konzerten der Britpop-Band. Er war kein festes Mitglied, prägte aber in dieser Phase den Livesound der Gruppe mit. Bei Oasis war ein anderer Ansatz gefragt als bei The Who: weniger Explosion in alle Richtungen, mehr stoischer Druck, große Refrains, breite Gitarrenwände. Dass Starkey beides bedienen konnte, zeigt seine Vielseitigkeit. Zu seinen Vorbildern zählte er neben Keith Moon auch Kenney Jones, Bill Legend, Rat Scabies, Paul Cook, Topper Headon, Dave Ruffy und Al Jackson. Diese Liste sagt viel über seinen Geschmack: Punk, Mod, Soul, Rock’n’Roll — alles eher Straße als Hochglanz.

2008 gründete Starkey mit seiner Partnerin Sharna Liguz die Band Penguinsrising, ehemals Pengu!ns, in der er nicht am Schlagzeug, sondern an der Gitarre aktiv war. Auch seine Tochter Tatia Starkey ist musikalisch unterwegs und spielt unter dem Künstlernamen Veronica Avant Bass in der Londoner Band Belakiss. Die spätere Beziehung zu The Who verlief nicht ohne Turbulenzen. 2025 gab es zunächst Trennungsgerüchte, dann ein Dementi wegen eines angeblichen Kommunikationsproblems, später folgte schließlich doch die Entlassung. An Starkeys Stellenwert ändert das wenig. Er hat über viele Jahre bewiesen, dass man als Sohn von Ringo Starr nicht zwangsläufig im Beatles-Schatten bleiben muss. Man kann auch bei The Who landen — und dort eine ganz eigene Schneise schlagen.

 

Jay Weinberg: Vom E-Street-Backbeat in den Slipknot-Orkan

Bei Jay Weinberg wird die Vater-Sohn-Geschichte endgültig im modernen Metal angekommen. Sein Vater Max Weinberg ist seit 1974 Schlagzeuger der E Street Band und damit einer der wichtigsten Timekeeper im Kosmos von Bruce Springsteen. Max Weinbergs Spiel ist das Gegenteil von überladen: stabil, songdienlich, druckvoll, schnörkellos. Ein Drummer, der eine Band nicht überfährt, sondern sie wie ein gut geölter Motor nach vorne bringt. Sein Sohn Jay Weinberg, geboren am 8. September 1990 in Middletown Township, New Jersey, nahm diesen Sinn für Fundament offenbar mit — bog ihn aber in eine völlig andere Richtung. Statt Heartland-Rock und Springsteen-Hymnen landete er in Hardcore, Punkrock und schließlich in einer der körperlich forderndsten Metal-Bands der Welt: Slipknot. Jay Weinberg absolvierte eine Ausbildung am Stevens Institute of Technology in New Jersey, die er 2014 abschloss. Musikalisch war er zu diesem Zeitpunkt längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. Im Februar 2010 schloss er sich der New Yorker Hardcoreband Madball an und nahm mit ihr das Album „Empire“ auf. Im September desselben Jahres verließ er die Band wieder. Von 2010 bis 2012 spielte er bei der Punkrock-Band Against Me! und war am Album „Black Crosses“ beteiligt. Dann wurde Slipknot auf ihn aufmerksam. 2014 ersetzte Jay Weinberg den legendären Joey Jordison und wurde offizielles Mitglied der Band. Schon auf dem Album „.5: The Gray Chapter“ war er zu hören. Für jeden Metaldrummer ist diese Position eine echte Prüfung. Slipknot bedeutet nicht einfach „laut und schnell“. Es geht um Präzision unter Dauerfeuer, um Doublebass-Arbeit, abrupte Breaks, maschinelle Tightness, extreme Bühnenenergie und das Zusammenspiel mit einer vielköpfigen Band, in der Percussion, Samples, Gitarren, Bass und Vocals permanent Druck erzeugen.

Jay Weinberg brachte dafür eine beeindruckende Mischung mit: die Timekeeper-Schule seines Vaters im Fundament und die Brutalität eines modernen Metaldrummers in den Händen und Füßen. Bei Slipknot musste er den chaotischen Ausnahmezustand organisieren. Und das ist am Schlagzeug vielleicht eine der schwierigsten Aufgaben überhaupt: wild klingen, aber nie die Kontrolle verlieren. Von 2014 bis 2023 blieb Weinberg Schlagzeuger von Slipknot. Am 5. November 2023 trennte sich die Band von ihm. Als offizieller Grund wurde eine „kreative Entscheidung“ genannt. Für Fans war das ein großer Einschnitt, denn Jay hatte sich längst als feste Kraft im Slipknot-Sound etabliert. Seine Geschichte ist deshalb besonders spannend, weil sie zeigt, dass musikalische Vererbung nicht bedeuten muss, denselben Stil weiterzuspielen. Max Weinberg steht für klassischen amerikanischen Rock-Groove. Jay Weinberg steht für Masken, Metal, Hardcore-Wucht und Hochleistungsdrumming. Trotzdem gibt es eine Verbindung: Beide wissen, dass ein Drummer eine Band tragen muss. Nur trägt Jay seine Band eben durch einen ganz anderen Sturm.

Der Nachname öffnet Türen — das Schlagzeug entscheidet

Was all diese Geschichten verbindet, ist der Spagat zwischen Herkunft und Eigenständigkeit. Nic Collins musste Genesis-Material spielen, das sein Vater mitgeprägt hatte. Jason Bonham musste Led Zeppelin nicht nur kennen, sondern körperlich glaubwürdig machen. Shane Hawkins stand in einem Moment maximaler Emotion auf der Bühne. Zak Starkey trug den Beatles-Namen, wurde aber ausgerechnet bei The Who zu einer festen Größe. Und Jay Weinberg wuchs mit dem E-Street-Backbeat im Familienalbum auf, bevor er im maskierten Hochdruckkessel von Slipknot landete. Für Drummer ist diese Frage besonders gnadenlos. Ein berühmter Nachname kann Aufmerksamkeit bringen, vielleicht auch eine erste Chance. Aber am Drumset gibt es keine Verstecke. Die Bassdrum ist entweder tight oder sie schwimmt. Die Snare sitzt oder sie sitzt nicht. Ein Fill baut Spannung auf oder räumt den Song aus Versehen ab. Timing, Sound, Dynamik und musikalische Reife lassen sich nicht einfach erben.

Natürlich haben diese Söhne Vorteile gehabt. Sie wuchsen in musikalischen Haushalten auf, kamen früh mit professionellen Bühnen, Studios und Instrumenten in Berührung. Aber das ersetzt keine Arbeit. Es ersetzt nicht die Stunden allein am Pad, das Ringen mit Clicktracks, die ersten schlechten Gigs, die Suche nach einem eigenen Sound. Vielleicht liegt genau darin der eigentliche Reiz dieser Vater-Sohn-Geschichten. Sie erzählen nicht nur von berühmten Familien, sondern von der Frage, wie man mit einem Erbe umgeht. Man kann versuchen, es zu kopieren. Man kann davor weglaufen. Oder man kann es nehmen, zerlegen, verstehen und daraus etwas Eigenes bauen.

 

Fazit: Vererbt wird nicht der Groove, sondern die Haltung

„Wie der Vater, so der Sohn“ klingt nach Automatismus. Im Drummer-Leben stimmt das nur halb. Talent kann in der Familie liegen. Musikalische Prägung sowieso. Aber ein guter Schlagzeuger entsteht nicht durch Gene, sondern durch Arbeit, Ohren, Bandgefühl und den Mut, sich irgendwann vom Vergleich zu lösen. Nic Collins zeigt, wie man komplexes Genesis-Material mit Respekt und frischer Energie auf die Bühne bringt. Jason Bonham beweist, dass man selbst dem größten Rockdrum-Mythos standhalten kann, wenn man genug eigenen Punch besitzt. Shane Hawkins verwandelte Trauer in einen Backbeat, der weltweit Gänsehaut auslöste. Zak Starkey machte aus Beatles-Herkunft und The-Who-Wucht eine eigenständige Karriere. Und Jay Weinberg führte die Vater-Sohn-Linie in den modernen Metal, wo Präzision und Aggression auf höchstem Niveau zusammenfinden müssen.

Zum Vatertag bleibt für uns Drummer deshalb eine schöne Erkenntnis: Ein Vater kann den ersten Stick reichen. Er kann Platten auflegen, ein Set in den Keller stellen, den ersten Groove zeigen oder einfach vorleben, was musikalische Leidenschaft bedeutet. Aber spielen muss der Sohn selbst.

Foto-Credit: ©️Jason Bonham/ Facebook

 

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