Zum Tode von Frank Beard: Texas verliert einen seiner großen Söhne

Frank Beard Paiste

Frank Beard, der Mann hinter dem stoischen Groove von ZZ Top, ist tot. Der texanische Schlagzeuger starb am 17. August 2026 im Alter von 77 Jahren. Mehr als fünf Jahrzehnte lang bildete sein ebenso schnörkelloses wie druckvolles Spiel das rhythmische Fundament einer Band, die aus Blues, Boogie und Rock einen unverwechselbaren Sound schuf.

Frank Beard gehörte zu jenen Drummern, deren Bedeutung sich kaum an spektakulären Soli oder technischen Kabinettstückchen festmachen lässt. Sein Terrain war der Groove – und davon hatte ZZ Top reichlich. Über fünf Jahrzehnte lieferte Beard den schweren, trockenen Puls hinter Billy Gibbons’ Gitarrenriffs und Dusty Hills Basslinien.

Beard starb auf seiner Ranch in Richmond, Texas. Der langjährige ZZ-Top-Drummer befand sich dort in Hospizbetreuung und verbrachte seine letzten Stunden im Kreis seiner Familie. Eine genaue Todesursache wurde zunächst nicht bekannt gegeben.

Gesundheitliche Probleme zwangen Beard von der Bühne

Dass es um Beards Gesundheit nicht gut stand, war bereits kurz vor seinem Tod deutlich geworden. Anfang August hatte der Drummer die laufende „The Big One! Tour“ von ZZ Top aus gesundheitlichen Gründen verlassen. Michael Monahan übernahm seinen Platz am Schlagzeug.

Schon 2025 hatte Beard eine Tournee vorübergehend unterbrechen müssen. Damals waren Probleme mit Fuß und Knöchel der Grund für seine Auszeit.

Nach Beards Tod sagte ZZ Top die anstehenden Konzerte in Salt Lake City und Colorado Springs ab. Am 22. und 23. August soll die Tour in Austin fortgesetzt werden – einer Stadt, die für Beard zu einer Art zweiter Heimat geworden war. Das dortige ACL Live at The Moody Theater gehörte nach Angaben der Band zu seinen bevorzugten Venues.

Acht Stunden Jam als Bewerbungsgespräch

Obwohl Frank Beard praktisch untrennbar mit ZZ Top verbunden ist, war er nicht der erste Schlagzeuger der Bandgeschichte. In der frühen Phase saß zunächst Dan Mitchell am Schlagzeug. Beard stieß 1969 dazu und komplettierte wenig später gemeinsam mit Dusty Hill jene Besetzung, die den Sound von ZZ Top über Jahrzehnte prägen sollte.

Der am 11. Juni 1949 in Frankston, Texas, geborene Beard hatte zuvor bereits in verschiedenen Bands gespielt, darunter The Cellar Dwellers, The Warlocks und American Blues. Besonders wichtig für seine spätere Karriere: In mehreren dieser Formationen musizierte er bereits mit Dusty Hill.

Wie intensiv Beard Musik anging, zeigt eine Episode aus der Dokumentation ZZ Top: That Little Ol’ Band from Texas. Kurz nach seinem ersten Treffen mit Billy Gibbons ging es für die beiden in einen Proberaum – und dort wurde stundenlang gejammt.

Gibbons war schnell überzeugt. Er erinnerte sich später vor allem an die Vehemenz und Entschlossenheit, mit der Beard spielte. Der passende Drummer für ZZ Top war gefunden.

Der Groove hinter „La Grange“ und „Tush“

Mit Beard am Schlagzeug und Dusty Hill am Bass stand jene Rhythmusgruppe, die den ZZ-Top-Sound über Jahrzehnte definieren sollte. Beard ist bereits auf dem 1971 veröffentlichten Debüt ZZ Top’s First Album zu hören. Der große kommerzielle Durchbruch folgte 1973 mit Tres Hombres und „La Grange“.

Für Drummer lohnt sich gerade dieses frühe Material bis heute. Denn Beard spielte Bluesrock nicht wie einen sportlichen Wettkampf. Seine Parts lebten von Gewicht, Timing und einer fast störrischen Konsequenz. Wo andere Schlagzeuger noch ein Fill untergebracht hätten, ließ Beard lieber das Riff sprechen.

„La Grange“ ist dafür das Paradebeispiel. Der Song braucht keine rhythmische Akrobatik, weil der gesamte Reiz in seinem hypnotischen Shuffle steckt. Beard hält die Maschine am Laufen und lässt gleichzeitig genügend Luft zwischen den Schlägen, damit Gibbons’ Gitarre atmen kann.

Ähnlich funktioniert „Tush“: geradeaus, kompakt und ohne überflüssige Verzierungen schiebt die Rhythmusgruppe den Song nach vorne. Das klingt auf dem Papier einfach. Es überzeugend zu spielen, ist es nicht.

Weniger Noten, mehr Haltung

Beards Schlagzeugspiel war ein Lehrstück darüber, wie stark Zurückhaltung wirken kann. Sein Groove musste nicht permanent auf sich aufmerksam machen. Er saß tief im Song, hielt Bass und Gitarre zusammen und gab ZZ Top jene lässige Schwere, die sich kaum sinnvoll quantifizieren lässt.

Gerade für Drummer ist das ein wesentlicher Teil seines Vermächtnisses: Ein guter Rock-Groove entsteht nicht zwangsläufig dadurch, dass möglichst viel passiert. Entscheidend ist, wann etwas passiert – und mit welchem Gewicht.

Beard konnte hart spielen, ohne den Songs ihre Beweglichkeit zu nehmen. Sein Ansatz war eng mit Blues und Boogie verbunden, klang aber nie nach musealer Traditionspflege. Die Band konnte dadurch ihre musikalische Sprache verändern, ohne ihr rhythmisches Rückgrat zu verlieren.

Billy Gibbons hob nach Beards Tod besonders dessen charakteristischen Backbeat hervor und bezeichnete ihn als entscheidenden Bestandteil des ZZ-Top-Sounds. Für einen Drummer wie Beard dürfte es kaum ein passenderes Kompliment geben: Nicht die Anzahl der gespielten Noten machte ihn unverwechselbar, sondern das Gefühl dazwischen.

Vom texanischen Bluesrock zum MTV-Phänomen

In den Siebzigerjahren entwickelte das Trio aus Beard, Gibbons und Hill seinen charakteristischen Mix aus Texas Blues, Boogie und dreckigem Rock’n’Roll. Songs wie „La Grange“ und „Tush“ etablierten ZZ Top weit über die amerikanische Bluesrock-Szene hinaus.

In den Achtzigern veränderte sich der Sound deutlich. Die Songs wurden kompakter, die Produktion moderner und elektronische Elemente hielten Einzug. Mit Eliminator von 1983 erreichte diese Entwicklung ihren kommerziellen Höhepunkt. Synthesizer und Drum Machines trafen nun auf die bewährte Blues- und Boogie-DNA der Band.

„Gimme All Your Lovin’“, „Sharp Dressed Man“ und „Legs“ machten ZZ Top endgültig zu MTV-Stars. Mit Afterburner setzte die Band diesen Weg fort.

Für Beard bedeutete diese Phase auch eine Veränderung seiner Rolle. Elektronische Sounds und programmierte Elemente wurden zunehmend Bestandteil der Produktionen. Trotzdem blieb die grundlegende Idee dieselbe: Der Rhythmus musste unmittelbar funktionieren. ZZ Top konnten ihren Blues ins Maschinenzeitalter überführen, weil der Groove darunter simpel, körperlich und eindeutig blieb.

Der Mann ohne Vollbart

Zu den schönsten Ironien der Rockgeschichte gehört natürlich sein Name. Ausgerechnet Frank Beard war das Mitglied von ZZ Top, das nicht den monumentalen Vollbart trug, der Billy Gibbons und Dusty Hill zu zwei der bekanntesten Silhouetten der Rockmusik machte.

Doch während das visuelle Erscheinungsbild der Band zum Popkultur-Phänomen wurde, war Beards Position musikalisch alles andere als ein Gag. ZZ Top funktionierten über die Chemie dreier Musiker – und Beard war derjenige, der diese Chemie rhythmisch zusammenhielt.

2004 wurden ZZ Top in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Zu diesem Zeitpunkt hatte die klassische Besetzung aus Gibbons, Hill und Beard bereits mehr als drei Jahrzehnte gemeinsamer Bandgeschichte hinter sich.

Dusty Hill starb 2021 im Alter von 72 Jahren. Anschließend übernahm Elwood Francis den Bass. Mit Frank Beards Tod ist Billy Gibbons nun das letzte lebende Mitglied der klassischen ZZ-Top-Besetzung.

Fazit: Ein Groove, der keine Erklärung brauchte

Frank Beard war kein Drummer, der Songs als Plattform zur Selbstdarstellung behandelte. Genau darin lag seine Größe. Sein Spiel erinnerte daran, dass ein Schlagzeuger eine Band prägen kann, ohne sich permanent in den Vordergrund zu spielen.

Wer verstehen möchte, was Pocket im Rock-Kontext bedeutet, kann sich „La Grange“, „Tush“ oder die großen ZZ-Top-Produktionen der Achtziger anhören. Dann nicht auf die spektakulärste Stelle warten, sondern darauf achten, wie selbstverständlich alles sitzt.

Beard spielte mit Druck, aber ohne Hektik. Er ließ Riffs größer erscheinen, statt mit ihnen um Aufmerksamkeit zu konkurrieren. Und er verstand eine Lektion, die für Schlagzeuger schwieriger umzusetzen ist, als sie klingt: Wenn ein Groove funktioniert, muss man ihn nicht retten. Man muss ihn spielen.

Und wie sagt man bei uns in Köln so schön: „Niemals geht man so ganz.“ Bei Frank Beard bleiben ein unverwechselbarer Backbeat, unzählige Songs und dieser lässige Texas-Groove, den Generationen von Drummern noch lange hören – und spielen – werden.

Mach et joot, Frank!

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