Vorbei sind die Zeiten, in denen E-Drums zwangsläufig aus tristen Gummipads an einem blassen Drumrack bestanden. Große Kessel, Mesh Heads und ausgewachsene Cymbal-Pads bringen moderne elektronische Sets heute optisch und spielerisch erstaunlich nah an ihre akustischen Vorbilder.
Zwei Modelle, die genau diesen Ansatz verfolgen, sind das Fame DD-1000 MS und das Fame DD-ONE Akoustic. Auf den ersten Blick sind die Gemeinsamkeiten groß: Beide stehen wie ausgewachsene Drumsets im Raum und wollen dem Drummer ein möglichst vertrautes Spielgefühl vermitteln. Hinter den Kesseln steckt allerdings eine deutlich andere Philosophie.
Das DD-1000 MS will ein unkompliziertes, vollwertiges E-Drum für Zuhause, Proberaum und erste Recording-Anwendungen sein. Das DD-ONE Akoustic geht technisch wesentlich weiter und richtet sich mit PURE DRUM 2.0, Sample-Import und acht Einzelausgängen auch an ambitionierte Spieler, Studio-Drummer und Live-Musiker.
Akustik-Feeling statt Rack-Optik: Fame DD-ONE Akoustic vs. DD-1000 MS
Beide Sets setzen auf Holzkessel und Mesh Heads. Für Drummer, die normalerweise auf einem akustischen Set unterwegs sind, ist das ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Sitzposition, Abstände und das generelle Spielgefühl bleiben vertraut – man muss seine Bewegungsabläufe nicht erst auf ein kompaktes Pad-Setup übertragen.
Beim DD-1000 MS besteht die Trommelsektion aus einer 20″ x 12″ Bass Drum, zwei 10″ x 5″ Toms, einem 13″ x 13″ Floor-Tom und einer 13″ x 5″ Snare. Dazu kommen zwei 13″-Crash-Pads, ein großes 18″-Ride und eine 12″-HiHat.
Das DD-ONE Akoustic legt bei den Dimensionen noch einmal nach: 20″ x 16″ Kick, 14″ x 5,5″ Snare sowie Toms in 10″, 12″ und 14″. Dazu gesellen sich zwei 16″-Crashes, ein 18″-Ride und eine 14″-HiHat.
Damit wirkt das DD-ONE nicht nur wie ein ausgewachsenes akustisches Drumset, es beansprucht auch entsprechend Platz. Wer von einem kleinen E-Drum-Rack kommt, sollte das bei der Planung seines Übungsraums durchaus berücksichtigen.
DD-1000 MS: unkompliziert und praxisnah
Das DD-1000 MS verfolgt einen angenehm direkten Ansatz. Sein Modul bietet 644 Sounds, 25 Preset-Kits und zehn User-Kits. Dazu kommen Bluetooth Audio, Metronom, Fast Recording, USB-to-MIDI, USB Memory, Kopfhörerausgang und ein Stereo Line-In.
Für den täglichen Einsatz reicht das bereits erstaunlich weit. Smartphone koppeln, Song starten, Kopfhörer auf und losspielen – genau so unkompliziert sollte ein modernes Übeset funktionieren.

Auch die Cymbal-Sektion ist praxisgerecht aufgebaut. Die beiden Crashes arbeiten mit zwei Zonen und Choke-Funktion, das große 18″-Ride bietet drei Zonen. Damit lassen sich wichtige Spieltechniken wie Bell-Schläge oder das Abstoppen eines Crash-Beckens umsetzen.
Und genau solche Dinge sind beim E-Drum wichtiger, als eine möglichst beeindruckende Zahl auf dem Datenblatt vermuten lässt. Wenn Ride-Bell, Crash-Chokes und dynamische Abstufungen zuverlässig reagieren, spielt man automatisch natürlicher und musikalischer.
Zwei zusätzliche Pad-Eingänge sorgen außerdem dafür, dass sich das DD-1000 MS später beispielsweise um ein viertes Tom oder ein weiteres Crash erweitern lässt.
Mesh Heads: Entscheidend ist, was unter den Sticks passiert
Die akustische Optik ist schön – für den Drummer zählt am Ende aber vor allem das Spielgefühl.
Alle Trommeln beider Sets sind deshalb mit Mesh Heads ausgestattet. Gegenüber klassischen Gummipads vermitteln diese ein deutlich vertrauteres Rebound-Verhalten. Außerdem lässt sich die Fellspannung den eigenen Vorlieben entsprechend anpassen.
Gerade bei Ghost Notes, Doubles, schnellen Rudiments oder dynamischem Snare-Spiel macht sich das bemerkbar. Ein Full-Size-Pad mit Mesh Head fühlt sich unter den Sticks schlicht anders an als eine kleine Gummifläche.
Ganz geräuschlos wird daraus trotzdem kein Schlagzeug. Vor allem Kickdrum und Pedale übertragen weiterhin mechanische Geräusche und Körperschall. Wer in einer hellhörigen Mietwohnung übt, sollte diesen Punkt auch bei einem E-Drum nicht unterschätzen.
DD-ONE Akoustic: Jetzt wird es ernst
Beim DD-ONE Akoustic verschieben sich die Prioritäten deutlich. Das Set übernimmt die akustische Grundidee des DD-1000 MS, erweitert sie technisch aber an nahezu jeder entscheidenden Stelle.
Besonders interessant ist die 14″-Snare. Sie verfügt über eine Positionserkennung, sodass das Modul berücksichtigen kann, wo auf dem Fell gespielt wird. Anschläge in der Mitte oder weiter außen können dadurch unterschiedlich umgesetzt werden.
Gerade auf der Snare ist das relevant. Schließlich entsteht ein erheblicher Teil unserer Artikulation zwischen Fellmitte, Rand, Rimshot und Cross Stick. Je besser ein E-Drum diese Unterschiede abbildet, desto weniger muss der Drummer seine gewohnte Spielweise an die Elektronik anpassen.
Die HiHat macht den Unterschied
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die 14″-Real-HiHat des DD-ONE Akoustic. Sie wird wie bei einem akustischen Drumset auf einem separaten HiHat-Ständer gespielt.
Und genau hier trennt sich bei E-Drums häufig die Spreu vom Weizen.
Offen oder geschlossen bekommen die meisten Systeme problemlos hin. Spannend wird es bei den vielen Zwischenstufen. Gerade die Übergänge zwischen geschlossen, halb offen und offen sind entscheidend dafür, wie natürlich sich eine elektronische HiHat unter Fuß und Sticks anfühlt.
Für Rock mag das zunächst wie ein Detail erscheinen. Spätestens bei Funk, Fusion, Jazz oder fein abgestuften Grooves wird die HiHat jedoch zu einem der ausdrucksstärksten Instrumente des gesamten Sets. Wenn sie sich unnatürlich verhält, merkt man es als Drummer sofort.
PURE DRUM 2.0: Der eigentliche Generationssprung
Der größte Abstand zwischen beiden Sets entsteht beim Soundmodul.
Im DD-ONE Akoustic arbeitet die PURE DRUM 2.0 Soundengine. Insgesamt stehen 1.576 Preset-Sounds zur Verfügung. Daraus wurden 92 Preset-Kits zusammengestellt, weitere 50 Speicherplätze stehen für eigene User-Kits bereit.
Die bloße Anzahl der Sounds erzählt allerdings nur die halbe Geschichte. Interessanter sind die Möglichkeiten, sie zu bearbeiten.
Pitch, Decay, Resonanz, Snare Buzz, Sustain und weitere Parameter lassen sich anpassen. Hinzu kommen 13 Insert-Effekte sowie Kit-EQ und Kit-Kompressor.
Wer seine Snare kürzer und trockener haben möchte, ein Ride an den eigenen Mix anpassen oder für einzelne Songs komplette Kits vorbereiten will, bekommt damit deutlich mehr Werkzeug an die Hand als beim DD-1000 MS.
Simon Phillips unter den Sticks
Ein besonderes Highlight des DD-ONE Akoustic ist der exklusiv entwickelte Soundpool von Simon Phillips. Der ehemalige Toto-Drummer zählt seit Jahrzehnten zu den technisch und klanglich prägendsten Schlagzeugern seiner Generation.
Für das System wurden über 120 Drum- und Beckensounds auf Basis seines Tama Star Drumsets erstellt. Dahinter stehen rund 1.100 einzelne Samples, die von Simon Phillips persönlich eingespielt wurden.
Für uns Drummer ist dieser Ansatz interessanter als eine möglichst große Zahl unterschiedlicher Sounds. Ein überzeugendes E-Drum lebt schließlich nicht davon, dass irgendwo noch 50 weitere Snares im Menü schlummern. Entscheidend ist, was zwischen einem leisen Tap und einem kräftigen Schlag passiert.
Ein guter Multisample-Sound verändert nicht einfach nur seine Lautstärke, sondern auch seinen Charakter. Genau diese Dynamik entscheidet darüber, ob sich ein elektronisches Instrument lebendig oder statisch anfühlt.
Ergänzt wird die Library unter anderem durch 77 Percussion-Sounds, die in einem Kölner Tonstudio aufgenommen und anschließend für das Modul aufbereitet wurden.

Eigene Samples: Hier wird das DD-ONE kreativ
Ein entscheidender Unterschied zum DD-1000 MS ist die Möglichkeit, beim DD-ONE eigene WAV-Samples zu importieren.
Bis zu 99 User-Samples lassen sich über SD-Karte einbinden. Richtig interessant wird es durch die Layer-Funktion: Eigene Samples können mit den internen Sounds kombiniert werden.
Das eröffnet vor allem Live- und Coverdrummern interessante Möglichkeiten. Eine spezielle Snare aus einer Produktion, ein elektronischer Clap, ein Effekt-Sound oder ein zusätzliches Attack-Layer für die Kick können direkt ins eigene Kit integriert werden.
Damit ist das DD-ONE nicht nur ein elektronischer Ersatz für ein akustisches Schlagzeug. Es kann auch zum Bestandteil eines hybriden Setups werden.
Acht Einzelausgänge: Willkommen auf der Bühne
Spätestens auf der Rückseite des Moduls wird deutlich, dass das DD-ONE Akoustic professioneller ausgerichtet ist.
Neben den Stereo-Ausgängen stehen acht Individual Outputs zur Verfügung. Einzelne Instrumente oder Gruppen lassen sich damit separat an Mischpult oder Audio-Equipment schicken.
Für Live-Drummer ist das ein erheblicher Vorteil. Der FOH-Techniker muss nicht mit einem fertigen Stereo-Drum-Mix leben, sondern kann beispielsweise Kick, Snare und Toms getrennt bearbeiten.
Auch im Studio erhöht das die Flexibilität deutlich.
Dazu kommen USB Audio und USB MIDI, Bluetooth Audio und Bluetooth MIDI sowie Audio- und MIDI-Recording auf SD-Karte bis 64 GB.
Das DD-1000 MS ist in diesem Bereich wesentlich einfacher ausgestattet. USB-to-MIDI, Bluetooth Audio und Fast Recording decken jedoch genau das ab, was viele Drummer zuhause tatsächlich benötigen.
Üben, aufnehmen, besser werden
Beide Sets eignen sich hervorragend zum Üben mit Kopfhörer und zum Spielen zu Playbacks.
Das DD-1000 MS punktet mit Metronom, Demo-Songs, Bluetooth Audio und seiner unkomplizierten Fast-Recording-Funktion. Gerade das schnelle Mitschneiden des eigenen Spiels ist ein hervorragendes Übungswerkzeug. Was sich beim Spielen noch tight angefühlt hat, klingt beim anschließenden Anhören manchmal erstaunlich anders.
Beim DD-ONE kommen Coach-Funktionen, umfangreicheres Recording und USB Audio hinzu. Wer regelmäßig seine Takes kontrolliert, mit einer DAW arbeitet oder das Set direkt als Audioquelle einsetzen möchte, bekommt entsprechend mehr Möglichkeiten.
Und damit sind wir bei der eigentlich entscheidenden Frage dieses Vergleichs: Will ich hauptsächlich Schlagzeug spielen – oder soll mein E-Drum gleichzeitig Produktions-, Recording- und Live-Werkzeug sein?
DD-1000 MS vs. DD-ONE Akoustic – die wichtigsten Unterschiede
|
Fame DD-1000 MS |
Fame DD-ONE Akoustic |
|
|
Sounds |
644 |
1.576 + User-Samples |
|
Preset-Kits |
25 |
92 |
|
User-Kits |
10 |
50 |
|
Eigene Samples |
– |
bis zu 99 |
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Soundengine |
Standard |
PURE DRUM 2.0 |
|
Snare |
13″ |
14″, Positionserkennung |
|
Bass Drum |
20″ x 12″ |
20″ x 16″ |
|
Toms |
10″, 10″, 13″ |
10″, 12″, 14″ |
|
Crash |
2 x 13″ |
2 x 16″ |
|
Ride |
18″, 3 Zonen |
18″, 3 Zonen |
|
HiHat |
12″, zweiteilig |
14″, Real HiHat |
|
Bluetooth Audio |
Ja |
Ja |
|
Bluetooth MIDI |
– |
Ja |
|
USB MIDI |
Ja |
Ja |
|
USB Audio |
– |
Ja |
|
Sample–Import |
– |
Ja |
|
Recording |
Fast Recording |
Audio & MIDI auf SD |
|
Einzelausgänge |
– |
8 |
|
Effekte |
EQ, Chorus, Reverb |
13 Insert-FX, EQ, Kompressor |
|
Erweiterung |
2 freie Pad-Eingänge |
2 freie Pad-Eingänge |
Für wen ist das DD-1000 MS gedacht?
Das DD-1000 MS sollte man keinesfalls nur als abgespeckte Alternative zum DD-ONE betrachten. Für viele Drummer dürfte gerade seine unkomplizierte Ausrichtung attraktiv sein.
Wer zuhause üben, mit Kopfhörer spielen, Songs per Bluetooth streamen, schnelle Aufnahmen machen und dabei trotzdem hinter einem optisch ausgewachsenen Schlagzeug sitzen möchte, bekommt ein sehr komplettes Konzept.
Vor allem bezahlt man nicht zwangsläufig für Funktionen, die später ungenutzt bleiben. Wer keine eigenen Samples benötigt, keine acht Direct Outs braucht und sein Drumset nicht direkt per USB Audio aufnehmen möchte, kann mit dem DD-1000 MS bereits sehr weit kommen.
Seine größte Stärke könnte deshalb ausgerechnet darin liegen, nicht alles können zu wollen: einschalten, Kit auswählen und spielen.
Für wen lohnt sich das DD-ONE Akoustic?
Das DD-ONE Akoustic richtet sich dagegen an Drummer, die von ihrem elektronischen Set deutlich mehr erwarten.
Dabei sind die 1.576 Sounds fast schon Nebensache. Entscheidender sind die Real-HiHat, die Positionserkennung der Snare, die tiefergehende Soundbearbeitung, eigene Samples und Layer, USB Audio, Bluetooth MIDI und vor allem die acht Einzelausgänge.
Damit wird das Set besonders für Live-Drummer, Studios, ambitionierte Homerecorder und Musiker mit individuellen Soundanforderungen interessant.
Wer beim E-Drumming außerdem möglichst wenig das Gefühl haben möchte, vor einem elektronischen Instrument zu sitzen, bekommt mit der 14″-Snare, den großen Cymbals und den akustisch orientierten Kesseldimensionen einen Arbeitsplatz, der einem klassischen Drumset sehr nahekommt.
Fazit: Gleicher Ansatz, zwei verschiedene Drummer
Das Fame DD-1000 MS und das DD-ONE Akoustic zeigen ziemlich eindrucksvoll, wie weit sich moderne E-Drums von den grauen Gummipads vergangener Tage entfernt haben.
Das DD-1000 MS konzentriert sich auf das Wesentliche: Holzkessel, Mesh Heads, große Cymbal-Pads, Bluetooth und ein übersichtliches Modul mit 644 Sounds. Wer ein E-Drum zum Üben, Jammen und für gelegentliche Recording-Ausflüge sucht und dabei auf die Optik und Dimensionen eines klassischen Schlagzeugs nicht verzichten möchte, findet hier ein interessantes Gesamtpaket.
Das DD-ONE Akoustic setzt genau dort an und dreht nahezu jeden technischen Regler ein gutes Stück weiter auf. PURE DRUM 2.0, 1.576 Sounds, Simon-Phillips-Samples, eigene WAV-Dateien, Layering, Positionserkennung der Snare, Real-HiHat, USB Audio und acht Direct Outs machen daraus ein deutlich professioneller ausgerichtetes Instrument.
Der Unterschied lässt sich deshalb ziemlich einfach auf den Punkt bringen: Das DD-1000 MS ist in erster Linie ein E-Drum zum Schlagzeugspielen. Das DD-ONE Akoustic ist zusätzlich ein umfangreiches Sound-, Recording- und Live-Werkzeug.
Wer diese Möglichkeiten tatsächlich nutzt, findet im DD-ONE Akoustic das klar leistungsfähigere System. Wer dagegen ein großes, authentisch wirkendes E-Drum sucht, auf dem man sich hinsetzt und ohne große Menü-Akrobatik sofort loslegen kann, sollte das DD-1000 MS keinesfalls vorschnell als „kleinen Bruder“ abtun.
Denn am Ende braucht ein guter Drummer nicht 1.576 Sounds gleichzeitig – sondern ein Set, das jede seiner Ideen mitmacht.
