Positionserkennung am E-Drum: Was bringt mir das?

Fame DD ONE MAX Snare mit Positionserkennung

Wer sich mit besseren E-Drum-Sets beschäftigt, stößt früher oder später auf den Begriff Positionserkennung. Manchmal steht auch Positional Sensing im Datenblatt. Das klingt nach einem technischen Detail, das für Modul-Nerds und Datenblatt-Leser interessant ist. In der Praxis macht diese Funktion aber den Unterschied, ob sich ein E-Drum wie ein gut getriggertes Übungsgerät oder wie ein musikalisch reagierendes Instrument anfühlt.

Gerade bei der Snare ist die Sache schnell erklärt. Auf einer akustischen Snare klingt ein Schlag in der Mitte anders als ein Schlag weiter außen am Fell. In der Mitte ist der Ton fokussierter voller. Richtung Rand wird er offener und obertonreicher. Dazu kommen Rimshots, Cross-Sticks, Ghostnotes und verschiedene Anschlagswinkel. Genau diese Unterschiede gehören beim akustischen Spiel selbstverständlich dazu.

Ein einfaches E-Drum-Pad erkennt dagegen oft nur, dass es angeschlagen wurde und wie stark der Schlag war. Bessere Pads unterscheiden zusätzlich zwischen Head und Rim, haben also zwei Zonen. Positionserkennung geht noch einen Schritt weiter. Das System erkennt nicht nur die Zone, sondern auch, wo innerhalb dieser Fläche gespielt wurde. Dadurch kann das Modul den Sound entsprechend verändern. Der Schlag in der Fellmitte klingt dann anders als der Schlag am Rand.

Zone ist nicht gleich Position

Viele verwechseln Positionserkennung mit Mehrzonen-Pads. Das ist verständlich, weil beides im Alltag zusammen genannt wird.

Ein 2-Zonen-Snare-Pad unterscheidet in der Regel zwischen Fell und Rim. Ein 3-Zonen-Cymbal unterscheidet zum Beispiel zwischen Bow, Edge und Bell. Das sind feste Bereiche. Wenn man dort spielt, wird jeweils ein anderer Sound ausgelöst.

Positionserkennung arbeitet feiner. Hier wird innerhalb einer Spielfläche erkannt, wo der Stick landet. Bei der Snare bedeutet das: Mitte, Zwischenbereich, Randnähe. Bei einem Ride kann es je nach System darum gehen, wie sich die Ansprache über die Spielfläche verändert. Yamaha weist bei der DTX6-Serie zum Beispiel ausdrücklich auf eine Hit-Point-Detection am Ride hin. Die Snare- und Ride-Pads sind dabei nicht einfach nur Auslöser, sondern liefern dem Modul mehr Informationen über das eigentliche Spiel.

Bei Roland ist die Positionserkennung besonders stark mit den digitalen Pads verbunden. Das PD-14DSX Snare-Pad arbeitet mit mehreren Sensoren, digitaler Übertragung und detaillierter Positionserkennung über die gesamte Spielfläche. Roland nennt außerdem mehr als 16.000 Velocity-Abstufungen und automatische Handerkennung für Übergänge zwischen Headshot, Rimshot und Cross-Stick. Im Referenzhandbuch der V51 wird ebenfalls beschrieben, dass digital verbundene Pads die Schlagposition erkennen und dass sich der Snare-Sound je nach Treffpunkt verändert, etwa zwischen Fellmitte und Rand oder zwischen linker und rechter Seite.

Positionserkennung bei der Snare

Die Snare ist das ausdrucksstärkste Instrument im Drumset. Sie liefert Backbeats, Ghostnotes, Fills, Rimshots, Cross-Sticks, Wirbel und dynamische Übergänge. Gerade hier fällt es sofort auf, wenn ein E-Drum zu statisch reagiert. Oft spricht man hier vom sogenannten Maschinengewehr-Effekt, da jeder Schlag gleich klingt.

Natürlich verändert sich die Lautstärke über die Anschlagstärke, aber der Grundcharakter bleibt gleich. Musikalisch fühlt es sich flach an. Besonders Ghostnotes und dynamische Backbeats verlieren an Tiefe, wenn das Modul nur laut und leise kennt.

Mit Positionserkennung entsteht mehr Bewegung im Sound. Ein leiser Schlag nahe der Fellmitte kann anders reagieren als ein seitlicher Ghostnote-Schlag. Rimshots können natürlicher in den Gesamtsound eingebunden werden. Cross-Sticks werden nicht nur als zweiter Triggerbereich verstanden, sondern je nach System auch durch die Handposition sauber erkannt. Bei Rolands digitalen Snare-Pads wird die Handposition laut Hersteller automatisch erkannt, um zwischen Headshot, Rimshot und Cross-Stick zu wechseln.

Für den Drummer fühlt sich das weniger nach Elektronik an. Man muss nicht jeden Soundwechsel bewusst planen, sondern kann stärker so spielen, wie man es von einer akustischen Snare kennt.

Positionserkennung beim Ride

Beim Ride ist der Nutzen etwas anders gelagert. Ein akustisches Ride-Becken hat je nach Spielposition deutliche Klangunterschiede. Nahe der Bell klingt es definierter und heller, weiter außen breiter und washy. Dazu kommen Kuppe, Spielfläche und Rand. Ein einfaches 3-Zonen-Cymbal kann Bell, Bow und Edge unterscheiden. Das ist schon sehr hilfreich. Eine feinere Erkennung der Spielposition kann aber noch mehr Dynamik und Klangvariation liefern.

Roland hatte bereits beim TD-50KV die digitale 18-Zoll-Ride-Fläche CY-18DR mit genauer Positionserkennung und verbesserter Dynamik beschrieben. Yamaha nennt bei der DTX6-Serie ebenfalls eine Hit-Point-Detection für das Ride-Cymbal.

In der Praxis merkt man das vor allem bei Ride-Patterns, Jazz- und Fusion-Figuren, Crescendi und dynamischem Spiel. Wer nur gerade Achtel im Rockkontext spielt, wird den Unterschied weniger stark wahrnehmen. Wer aber viel mit Ride-Nuancen arbeitet, profitiert deutlich.

Der Unterschied beim Üben

Beim Üben zu Hause ist Positionserkennung nicht zwingend nötig. Wer nur Timing, Koordination, Double-Bass-Figuren oder Songstrukturen trainieren möchte, kommt auch mit einem guten normalen Mesh-Pad weit.

Der Grund ist einfach: Ein E-Drum beeinflusst die Spielweise. Wenn das Pad überall gleich klingt, gewöhnt man sich irgendwann daran, weniger mit Spielpositionen zu arbeiten. Auf dem akustischen Set merkt man dann plötzlich, dass der Backbeat nicht dort sitzt, wo er klanglich sitzen sollte, oder dass Ghostnotes zu gleichförmig wirken. Ein Pad mit Positionserkennung erinnert den Spieler stärker daran, dass der Ort des Anschlags Teil des Sounds ist.

Das ist für Drummer wichtig, die hauptsächlich auf dem E-Drum üben und nur gelegentlich auf einem akustischen Set spielen. Je mehr das elektronische Instrument auf Nuancen reagiert, desto geringer ist die Umstellung.

Im Live-Einsatz?

In einer lauten Rockband mit In-Ear-Monitoring, festen Samples und klarer FOH-Abnahme ist Positionserkennung ein echter Vorteil. Die Snare reagiert natürlich, Rimshots wirken weniger künstlich und das Spiel fühlt sich lebendiger an.

Für das Publikum ist der Unterschied nicht immer bewusst hörbar. Niemand im Club sagt nach dem Konzert: Die Positionserkennung der Snare war aber sehr gelungen. Trotzdem spürt man den Unterschied im Gesamteindruck. Ein dynamischerer Snare-Sound wirkt musikalischer, besonders bei leiseren Parts, Breaks, Ghostnotes und Übergängen.

Auf großen Bühnen oder in professionellen Produktionen ist diese Detailtiefe noch wichtiger. Dort wird ein E-Drum nicht nur als leise Übungslösung verwendet, sondern als ernsthaftes Instrument im Mix. Je natürlicher die Triggerdaten sind, desto besser kann das Modul oder die angeschlossene Software reagieren.

Positionserkennung beim E-Drum hat Grenzen

Positionserkennung ist kein Zaubertrick. Sie macht aus einem schlechten Modul kein gutes Modul und aus schwachen Samples keinen lebendigen Drumsound. Wenn die Sounds im Modul künstlich wirken, wenn die Dynamik schlecht abgestimmt ist oder wenn die Trigger-Einstellungen nicht passen, hilft auch Positional Sensing nur begrenzt.

Außerdem funktioniert Positionserkennung nicht bei jedem Pad und nicht mit jedem Modul. Oft sind bestimmte Pads nur mit bestimmten Modulen vollständig kompatibel. Bei Roland sind die digitalen Pads wie PD-14DSX oder PD-140DS auf Module mit Digital-Trigger-Eingang angewiesen. Das PD-14DSX ist laut Roland für V71, V51 und V31 ausgelegt und arbeitet auch mit dem TD-50X, dort aber nicht mit allen Funktionen.

Auch die Einstellung bleibt wichtig. Trigger-Sensibilität, Threshold, Scan Time, Crosstalk und Dynamikkurve müssen sauber abgestimmt sein. Ein schlecht eingestelltes Top-Pad kann sich schlechter anfühlen als ein einfacheres Pad, das gut konfiguriert ist. Gerade bei E-Drums wird dieser Punkt oft unterschätzt.

Dazu kommt der Preis. Positionserkennung findet man vor allem in besseren Sets und bei höherwertigen Pads. Für absolute Einsteiger ist sie deshalb nicht immer das entscheidende Kaufargument. Wer erstmal nur üben möchte, sollte eher auf gutes Spielgefühl, stabile Hardware, ordentliche Sounds und eine brauchbare HiHat achten. Wer aber langfristig auf einem E-Drum arbeiten will, sollte das Thema ernst nehmen.

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Braucht man Positionserkennung als Anfänger?

Nicht unbedingt. Ein Anfänger muss zuerst Timing, Koordination, Groove, Dynamik und Songgefühl entwickeln. Dafür braucht man kein High-End-Pad mit mehreren Sensoren. Ein solides Mesh-Pad, ein verlässliches Modul und gute Kopfhörer bringen am Anfang oft mehr.

Aber: Wer von Anfang an auf einem besseren E-Drum lernt, profitiert von einer natürlicheren Rückmeldung. Besonders bei der Snare kann das sinnvoll sein. Man lernt eher, dass verschiedene Anschlagsbereiche verschiedene Sounds erzeugen. Das ist musikalisch wertvoll.

Für reine Einsteiger ist Positionserkennung also kein Muss. Für ambitionierte Spieler, fortgeschrittene Drummer und alle, die ihr E-Drum nicht nur als Übungsgerät, sondern als ernsthaftes Instrument nutzen möchten, ist sie ein klarer Pluspunkt.

Meine Einschätzung

Ich halte Positionserkennung für eine der Funktionen, die man erst dann richtig schätzt, wenn man sie im direkten Vergleich spielt. Auf dem Papier wirkt sie unscheinbar. Beim Spielen merkt man aber schnell, dass die Snare weniger statisch reagiert. Ghostnotes wirken natürlicher, Rimshots sitzen glaubwürdiger und der Übergang zwischen verschiedenen Spieltechniken fühlt sich organischer an.

Besonders bei hochwertigen Snare-Pads ist diese Funktion für mich mehr als ein Datenblatt-Feature. Sie verbessert nicht nur den Sound, sondern auch die Spielweise. Man spielt bewusster, weil das Instrument feiner reagiert. Trotzdem würde ich Positionserkennung nicht isoliert bewerten. Ein gutes E-Drum besteht aus mehreren Faktoren: Pad-Größe, Rebound, Latenz, Sounds, Dynamik, HiHat, Ride, Hardware, Bedienung und Erweiterbarkeit. Positionserkennung ist ein wichtiger Baustein, aber nicht der einzige.

 


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E-Drum Sets

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