Als ich zum ersten Mal die TV-Serie Fargo geschaut habe, ist mir der omnipräsente Groove bis heute im Kopf geblieben. „Wrench and Numbers“ ist ein Stück, bei dem das Schlagzeug die komplette Persönlichkeit übernimmt. Ein treibendes Pattern, das gleichzeitig lässig, bedrohlich und cool wirkt.
Komponiert wurde der Track von Jeff Russo für die erste Staffel von Fargo. Das Spannende für uns Drummer: Russo ist nicht nur Filmkomponist und Gitarrist, sondern begann selbst am Schlagzeug und spielte den ursprünglichen Drum-Part von „Wrench and Numbers“ nach eigener Aussage sogar selbst ein.
Kurzinfo auf einen Blick
„Wrench and Numbers“ stammt aus dem Soundtrack zur ersten Staffel der FX-Serie Fargo und ist den beiden Auftragskillern Mr. Wrench und Mr. Numbers zugeordnet. Komponist Jeff Russo bezeichnet das Stück selbst als eine Art musikalisches „Bad Guy Theme“, das den Gang beziehungsweise die Haltung der Figuren transportieren sollte. Der ursprüngliche Drum-Part wurde von Russo selbst gespielt und später in weiteren Fargo-Staffeln immer wieder neu interpretiert. Aus dem kleinen Drumkit-Motiv wurde dabei unter anderem eine Marching-Band-, Small-Kit- und Jazz-Version. Gerade diese Mischung aus Einfachheit, Groove und sofortigem Wiedererkennungswert macht „Wrench and Numbers“ für mich zu einem der coolsten Drum-Parts, die je für eine TV-Serie geschrieben wurden.
Zwei Killer bekommen ihren eigenen Drumbeat
In der ersten Fargo-Staffel tauchen Mr. Wrench und Mr. Numbers als professionelles Killer-Duo auf. Gespielt werden die beiden von Russell Harvard und Adam Goldberg. Wo andere Figuren ein klassisches melodisches Thema bekommen könnten, erhalten Wrench und Numbers etwas viel Passenderes: Einen Drumbeat.
Das Stück heißt entsprechend schlicht „Wrench and Numbers“ und erschien 2014 auf dem offiziellen Soundtrack der Serie. Die veröffentlichte Aufnahme führt Jeff Russo als Komponisten und Performer; außerdem ist die Prague FILMharmonic Orchestra beteiligt, dirigiert von Adam Klemens.
Der besondere Reiz liegt darin, dass der Rhythmus nicht nur Hintergrundmusik ist. Sobald dieser Beat auftaucht, verändert sich die Szene. Die Figuren bekommen einen eigenen Gang, eine eigene Geschwindigkeit und eine bedrohliche Präsenz.
Russo beschreibt die Funktion selbst ziemlich treffend: Er wollte damit eine Art „Bad Guy Strut“ erzeugen.
Jeff Russo spielte den Beat für Wrench and Numbers selbst ein
Das ist für mich die schönste Information an der ganzen Geschichte. Russo bestätigte später, dass das „Wrench and Numbers“-Thema ursprünglich mit ihm selbst am Drumset entstand. In einem Interview über die musikalische Entwicklung von Fargo bezeichnet er es als das „drum theme“ der Bösewichte und erklärt, dass es in Staffel eins mit ihm am Schlagzeug begann. Auch die Album-Credits passen dazu: Für den 2014 veröffentlichten Fargo-Soundtrack wird Russo neben Komposition und Produktion unter anderem an Drums, Percussion, Gitarre und Piano geführt.
Der Komponist entwickelt die Figur selbst am Instrument und entsprechend unmittelbar klingt das Ergebnis.
Ein Drumbeat wandert durch Fargo
Normalerweise verfolgt Russo bei Fargo eine ziemlich konsequente Strategie. Neue Staffel, neue Geschichte, neue Charaktere, also auch neue musikalische Themen. Im Gespräch über seine Arbeitsweise erklärt er, dass thematisches Material aus früheren Staffeln grundsätzlich kaum wiederverwendet wird.
„Wrench and Numbers“ ist eine der auffälligen Ausnahmen. In Staffel eins hören wir die ursprüngliche Drumset-Version. In Staffel zwei wird die Figur laut Russo in Richtung Marching Band übertragen. In Staffel drei kehrt sie auf ein kleineres Drumkit zurück – passend dazu, dass einer der zugehörigen Charaktere wieder auftaucht. Und in Staffel vier landet dasselbe rhythmische Motiv schließlich in einem Jazz-Kontext. Der eigentliche Rhythmus besitzt so viel Identität, dass er seine Instrumentierung verändern kann und trotzdem wiedererkennbar bleibt. Genau das zeichnet ein starkes musikalisches Motiv aus.
Bei Drummern reden wir häufig über Signature-Fills oder Signature-Grooves. „Wrench and Numbers“ funktioniert ähnlich, nur eben als Filmmusik.
Selbst ausprobieren: Erst Groove, dann Geschwindigkeit
Wer „Wrench and Numbers“ nachspielen möchte, sollte meiner Meinung nach (wie so oft) nicht mit dem Originaltempo starten. Erst einmal langsam herausfinden, wo die Akzente liegen und wie sich die Figur anfühlt. Wenn der Beat nur korrekt ausgezählt ist, aber nicht diesen leicht schleppenden Vorwärtsdrang entwickelt, fehlt das Wichtigste. Interessant ist außerdem, das Grundmotiv einmal selbst zu orchestrieren. Ein Teil auf der Snare, dann auf den Toms, anschließend vielleicht mit Floor Tom und HiHat. Genau das hat Russo innerhalb der Serie letztlich ebenfalls gemacht: Die rhythmische Identität bleibt bestehen, während sich die Klangwelt verändert.

Ein Drumset reicht aus
Russo versteht Filmmusik nach eigener Aussage stark als Unterstützung von Figuren und Handlung. Seine Musik soll nicht einfach zusätzlich über einer Szene liegen, sondern die Charakterentwicklung verstärken. Television Academy Bei Wrench und Numbers wird dieses Prinzip besonders greifbar. Wir hören den Rhythmus – und wissen sofort, wer gleich um die Ecke kommen könnte.
Fazit: Vielleicht wirklich der coolste Beat überhaupt
Natürlich ist „der coolste Drumbeat überhaupt“ keine wissenschaftliche Kategorie. Aber wenn ich einen Part auswählen müsste, bei dem Groove, Sound, Charakter und erzählerische Funktion perfekt zusammenpassen, würde „Wrench and Numbers“ ganzweit oben landen. Jeff Russo braucht dafür keine halsbrecherische Technik. Er braucht einen charakteristischen Rhythmus und die richtige Attitüde. Dass ausgerechnet der Filmkomponist selbst hinter dem Schlagzeug saß und dieses Motiv später über mehrere Staffeln immer wieder in neue musikalische Welten übertragen hat, macht die Geschichte nur noch besser.
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