Am 30. Oktober 2026 erscheint „Perfecth“, das neue Album von Queens of the Stone Age mit neun Songs. Hinter den Aufnahmen steht für die Band eine Phase des Wiederanfangs. Wie Jon Theodore im Interview erzählt, hatten Josh Hommes gesundheitliche Probleme die Gruppe zu einer langen Pause gezwungen. Bei den ersten gemeinsamen Sessions überwog deshalb die Freude, wieder miteinander spielen zu können. Diese Haltung prägte auch Theodores Arbeit am Schlagzeug: Die Songs entstanden schnell, und viele Entscheidungen fielen erst während der Aufnahme.
Jon Theodore und das neue Album Perfecth
Theodore gehört seit 2013 zu Queens of the Stone Age. Zuvor spielte er bei The Mars Volta und gründete mit Zack de la Rocha, dem Sänger von Rage Against the Machine, das Projekt One Day as a Lion. Im Gespräch mit Drums und Percussion gibt er Einblicke in die Entstehung von „Perfecth“, erzählt von Aufnahmen in Josh Hommes Garage und der Feierlaune in New Orleans. Dabei geht es ebenso um konkrete Soundentscheidungen wie um das Zuhören innerhalb der Band. Auch seine Vorbereitung auf Konzerte und sein Umgang mit den Schlagzeugparts seiner Vorgänger kommen zur Sprache.
Kurzinfo auf einen Blick
Queens of the Stone Age veröffentlichen am 30. Oktober 2026 ihr neues Album „Perfecth“. Jon Theodore spricht im Interview über die Aufnahmen in New Orleans und Los Angeles sowie den Einfluss der Studios auf sein Schlagzeugspiel. Er erklärt, weshalb spontane Takes und hörbare Unvollkommenheiten für die Band ihren Platz auf dem Album haben. Außerdem geht es um wechselnde Drumsets, seine neue Ludwig Revelation Snare und die Vorbereitung auf Livekonzerte. Zum Abschluss erzählt er, wie er Dave Grohls legendäres Intro zu „Song for the Dead“ auf der Bühne spielt.

Spontanität und der Sound von Perfecth
„Perfecth“ beschäftigt sich mit Brüchen, Unvollkommenheit und unterschiedlichen Formen der Liebe. Wie hast du diese Themen in dein Schlagzeugspiel übersetzt?
Jon Theodore: Wir haben mit diesem Album nach einem kompletten Zusammenbruch angefangen. Josh wäre beinahe gestorben, und wir hatten die Tourtermine eines ganzen Jahres abgesagt. Als wir schließlich wieder zusammenkamen, waren wir einfach froh, wieder gemeinsam spielen zu können. Die Musik, die wir machten, war eine freudige Feier des Lebens. Wir haben uns nicht darum gekümmert, uns selbst zu korrigieren oder in irgendeiner Form perfekt zu sein. Wir wollten einfach erkunden, was ganz natürlich zwischen uns entstand.
Die Songs kamen schnell zusammen, und wir nahmen sie alle in nur wenigen Takes auf, um ihren Geist einzufangen, ohne zu lange an den Ideen herumzufeilen. Überall auf dem Album gibt es Unvollkommenheiten. Entscheidend sind aber die Stimmung zwischen uns und die Songs. Ich konzentrierte mich deshalb einfach darauf, im Moment zu bleiben und dem Wesen der Songs gerecht zu werden, während sie entstanden.
Originalantwort auf Englisch
Well we started this record in the aftermath of a full meltdown. Josh almost died and we cancelled a year of touring so when we eventually came back together we were just happy to have the chance to play together again. The music we made was a joyous celebration of life. We weren’t concerned with editing ourselves or perfection of any kind- only exploring what came up naturally between us.
The songs came together quickly and were all recorded in just a few takes to capture the spirit without overcooking the ideas. There are imperfections all over the record but the vibe between us and the songs are the most important thing so I just focused on staying present in the moment and honoring the essence of the songs as they came down.

Josh Homme hat die neun Songs des Albums als Stücke beschrieben, die jeweils aus einer anderen Welt stammen. Musstest du dafür bei jedem Song eine eigene rhythmische Sprache und einen eigenen Drumsound entwickeln?
Jon Theodore: Ja, es ist wie ein Mixtape unseres musikalischen Unterbewusstseins. Jeder Song ist einzigartig und hat seinen eigenen Vibe und sein eigenes Feel. Dadurch brachte jeder seine eigenen Bedingungen mit, die jedes Mal einen frischen Ansatz erforderten. Am Ende haben wir ständig alles verändert. Andere Trommeln, Becken, Felle, Mikrofone, Räume, Studios …
Originalantwort auf Englisch
Yeah it’s like a mixtape of our musical subconscious. Each song is unique with its own vibe and feel so they each presented their own set of circumstances that required a fresh start every time. We ended up changing everything all the time. Different drums, cymbals, heads, mics, rooms, studios….
Das Album entstand bei Sessions in New Orleans und Los Angeles. Wie haben die Studios und die Atmosphäre dieser beiden Städte dein Spiel beeinflusst?
Jon Theodore: Eine Session fand in Joshs Garage statt. Das war das erste Mal, dass wir nach seiner Genesung wieder zusammenkamen. Deshalb sind die Songs und Sounds roh, drängend und locker. Das Spiel war sensibel und dynamisch, der Vibe ist heavy.
Die Session in New Orleans war eine einzige Vollgasparty. Die Marigny Studios liegen mitten in der Stadt, und überall stand Mardi Gras vor der Tür. Die Freude und die Feierlaune waren deshalb allerorts kaum zu überbieten. Wir haben die Stimmung der Stadt vollkommen in uns aufgenommen, und die Songs sind wild. Völlig schräger, ausschweifender Rock, der den Körper in Bewegung bringt.
Und Sound City ist einfach ein klassisches Studio. Wir waren begeistert, in diesem legendären Raum mit seinem makellosen Sound aufnehmen zu dürfen. Deshalb klingen diese Songs groß, klar und offen. Wir haben unser Bestes gegeben, um die Musik so schön wie möglich zu gestalten und damit all die historischen Platten zu würdigen, die dort entstanden sind.
Originalantwort auf Englisch
Well there was a session in Josh’s garage which was the first time we got together after his recovery so the songs and the sounds are raw, urgent, and loose. The playing was sensitive and dynamic and the vibe is heavy. The session in New Orleans was full tilt party time. Marigny studios is right in the heart of the city and the whole town was on the verge of Mardi Gras so the joy and revelry were off the charts everywhere. We were fully inhabited by the vibes in town and the songs are wild. Full on weirdo bacchanalian body rock.
And sound city is just such a classic studio. We were thrilled to have the chance to record in that legendary room with pristine sound so those songs are big, clear, and open. We did our best to be as beautiful as we could in honor of all the historic records made there.
Deine bemerkenswerte Hi-Hat-Arbeit auf „Insignificant Other“ ist uns sofort aufgefallen. Wie viel deines Schlagzeugparts stand vorher fest, und wie viel entstand spontan während der Aufnahme?
Jon Theodore: Danke! Das war der am wenigsten vorab ausgearbeitete Song des ganzen Albums. Wir hatten einen langen, frustrierenden Tag hinter uns, ohne den richtigen Take für den Song hinzubekommen, an dem wir gerade arbeiteten. Es war spät, wir waren völlig durch und haben getrunken. Als wir gerade für die Nacht Schluss machen wollten, sagte Josh: „Hey, ich habe diese Riffs. Lasst sie uns noch aufnehmen, bevor wir abhauen.“ Die Lichter waren aus, und wir hatten tatsächlich schon unsere Jacken an, um zu gehen. Trotzdem setzten wir uns wieder hin und fingen an zu spielen.
Schon beim zweiten Durchlauf ließen wir das Band mitlaufen, während Josh uns bei der Aufnahme die Wechsel zurief. Ich glaube, wir haben es zweimal versucht, und der zweite Take ist auf dem Album. Den Hauptgroove des Refrains hatte ich, aber ich hatte keine Ahnung, was ich während der Aufnahme spielen würde.
Für mich macht das den Song zum Kernstück des Albums. Er zeigt uns in unserer rohesten, ungefiltertsten Form: gemeinsam im Moment, einander sehr genau zuhörend, unseren Instinkten folgend und verdammt noch mal das spielend, worauf wir gerade Lust hatten. Ich bin stolz auf den Song, weil er zu 100 Prozent spontan war und sich uns erst während der Aufnahme erschlossen hat.
Originalantwort auf Englisch
Thank you! That was the least composed tune of the whole record. We’d finished a long frustrating day without getting the take of whatever we were working on. It was late, we were smoked, and we were drinking. As we were getting ready to leave for the night, Josh said hey I’ve got these riffs, let’s try to get them down before we split. The lights were off and we literally had our jackets on to leave but we sat down and started playing. By the 2nd time we played though it we rolled the tape while he called out the changes as we tracked. I think we tried it twice and the second take is what’s on the record. I had the main chorus beat but I had no idea what I was gonna do while we recorded. I think that makes it the essential song on the record because it’s really the rawest most unfiltered version of us there together in the moment, listening to each other very carefully, relying on our instincts, and doing whatever the fuck we felt in the moment. I’m proud of that one because it was 100% spontaneous and revealed itself to us as it was recorded.
Groove und Instrumente
Queens of the Stone Age verbinden schwere Riffs oft mit einem beinahe tanzbaren Groove. Wie hast du auf „Perfecth“ die Balance zwischen Kraft, Bewegung und Zurückhaltung gefunden?
Jon Theodore: Es muss sich immer gut anfühlen. Das ist eigentlich die einzige Voraussetzung. Ansonsten ist alles offen. Jeder Song zeigt dir sein Wesen, und daraus kannst du ableiten, wie er klingen muss. Wenn du Herz und Kopf öffnest und genau zuhörst, scheinen sich die Entscheidungen zwischen Kraft, Finesse, dichtem Spiel und Zurückhaltung von selbst zu ergeben.
Originalantwort auf Englisch
Well it’s always gotta feel good but that’s really the only prerequisite. Other than that, all bets are off. Each song shows you its essence so you can start to figure out how it needs to sound. If you can open your heart and mind and listen carefully, the choices between power, finesse, business, and restraint seem to make themselves for you.
Gab es auf dem neuen Album einen Song, bei dem du deinen ursprünglichen Ansatz verwerfen und den Schlagzeugpart komplett neu denken musstest?
Jon Theodore: Ja, „Illiterate on Purpose“ war eine echte Odyssee. Wir hatten schon eine Weile eine Version davon gespielt, aber als wir in New Orleans ankamen, fühlte sie sich für uns nicht mehr richtig an. Deshalb haben wir im Studio einen Großteil des Schlagzeugparts von Grund auf neu aufgebaut. Es gab eine große psychedelische Bridge und einen Schlussteil, die wir nach der Aufnahme komplett herausgenommen haben. So endet der Song heute einfach an der Stelle, an der wir ihn abgeschnitten haben. Ich vermisse diese Bridge, aber ich finde, dass der Song in seiner jetzigen Form großartig funktioniert.
Originalantwort auf Englisch
Yeah illiterate on purpose was a real odyssey. We’d been playing a version of it for a while but once we got to New Orleans we really weren’t feeling it anymore so we set about rebuilding most of the drum part from scratch in the studio. There was a big psychedelic bridge and an ending section that we decided to leave out entirely after we tracked it so we just ended up cutting it off where it ends now. I miss that bridge but I think the song works great the way it is now.
Welche Trommeln, Snares und Becken waren besonders wichtig für den Sound von „Perfecth“? Hast du mit einem festen Grundsetup gearbeitet oder dein Set für jeden Song angepasst?
Jon Theodore: Das Einzige, das ich bei allen Songs benutzt habe, ist meine neue Snare von Ludwig, die Revelation. Sie ist ein echtes Arbeitstier und klingt in den unterschiedlichsten Stimmungen großartig: von hoch und straff gestimmt bis zum abgeschalteten Snareteppich mit einem Geschirrtuch auf dem Fell. Bei den meisten Songs habe ich außerdem meine Ludwig Trommeln aus Ahorn und meine bewährten Zildjian Becken gespielt. Wenn ein Song andere Sounds verlangte, habe ich aber auch andere Instrumente dazugenommen, die zum Vibe passten. Ich habe es auch geschafft, einen Gong auf dem Album unterzubringen. Das betrachte ich als eine große Leistung.
Originalantwort auf Englisch
The only thing I used on everything is my new snare from Ludwig, the revelation. It’s a workhorse and it sounds great in all the different tunings from high and tite to snares off with a tea towel on it. I used my Ludwig maple tubs and my trusty Zildjian cymbals for the majority of the tunes too. There were times when the song called for different sounds where I brought in different things to fit the vibe though. I did manage to get a gong on the record, which I consider to be a great accomplishment.

Vorbereitung und Liveinterpretation
Wie sieht deine Aufwärmroutine vor einem Konzert mit Queens of the Stone Age aus? Konzentrierst du dich auf bestimmte Rudiments und Übungen, oder geht es hauptsächlich darum, Hände, Füße und Körper auf die körperlichen Anforderungen der Show vorzubereiten?
Jon Theodore: Bis vor Kurzem bestand mein Warm-up einfach aus etwas Tequila und der Hoffnung, dass schon alles gutgehen würde. Gelegentlich habe ich mich auf einem Sofakissen locker gespielt. Seit dem jüngsten Album haben wir den Luxus eines Raums zum Aufwärmen mit kleinen Verstärkern und V-Drums. Ich mag es, vor dem Auftritt ins Schwitzen zu kommen und mich zu lockern, damit wir direkt von Anfang an loslegen können.
Wir verändern unser Set jeden Abend. Deshalb gehen wir Songs durch, die wir nicht regelmäßig spielen. Wir spielen ein paar Stücke zusammen, um den Kreislauf in Schwung zu bringen und die richtige Stimmung zu schaffen. Wenn ich dort allein bin, spiele ich mich einfach locker und versuche, den Kopf freizubekommen. Ich spiele frei und verbinde Ideen miteinander, um mich zu lockern und möglichst in den Flow zu kommen.
Originalantwort auf Englisch
Until recently it was just some tequila and hoping for the best with the occasional loosening up on a couch cushion. Since this last record we’ve had the luxury of a warm up room with small amps and vdrums to tune up. I love to break a sweat and get loose before we hit the stage so we can tear into it right from the start.
We change the set up every night so we run through tunes we don’t regularly play. We’ll play a few tunes together to get the blood flowing and set the vibe but if I’m in there alone, I just get loose and try to free my mind. Playing freely and stringing ideas together to loosen up and try to access the flow state.
Dave Grohls Studioaufnahme von „Song for the Dead“ beginnt mit einem der bekanntesten Drumintros im modernen Rock. Auch deine Liveinterpretation gehört zu den Favoriten unserer Redaktion und vieler Drummer in unserer Community. Kannst du erklären, wie du den Part technisch angehst, wie du ihn auf dem Set verteilst und an welchen Stellen du ihm bewusst deine eigene Note gibst?
Jon Theodore: Ja, dieses Intro ist legendär. Es ist eine Ehre, es jeden Abend zu spielen. Das gilt auch für all die anderen legendären Parts, die die Schlagzeuger vor mir aufgenommen haben! Ich habe die Platten schon geliebt, bevor ich zur Band kam. Deshalb ist es mir wichtig, die Parts so zu spielen, wie sie geschrieben wurden. Genauso wichtig ist es, die Vergangenheit zu würdigen. Ich versuche also nicht, mir die ikonischen Parts zu eigen zu machen. Jeder ist allerdings anders. Deshalb wird es wohl immer nach mir klingen, wenn ich sie spiele.
Originalantwort auf Englisch
Oh yeah that intro is legendary. It’s an honor to play that every night- and all the other legendary parts the other drummers before me put down! I’ve loved the records since before i joined the band so playing the parts as they’re written is important to me. It’s also important to honor the past so I don’t try to make the iconic parts my own. Everyone is different though so I suppose it will always sound like me playing.
