Zildjian vs. Sabian: Wie ein Familienkrieg die Beckenwelt für immer veränderte

Rivalitäten in der Firmenwelt gibt es wie Sand am Meer. Adidas gegen Puma ist ein Paradebeispiel. In der Welt der Drums trägt dieses Duell seit Jahrzehnten die Namen Zildjian und Sabian. Was heute wie der Konkurrenzkampf zweier Traditionsmarken wirkt, begann als familiäres Zerwürfnis mit weitreichenden Folgen. Aus einem erbitterten Streit entstanden zwei der bedeutendsten Beckenhersteller der Welt. Bis heute diskutieren Drummer leidenschaftlich darüber, welche Marke den besseren Sound liefert.

Alles begann mit einer geheimen Bronzelegierung

Die Geschichte reicht mehr als 400 Jahre zurück. Bereits 1618 entdeckte der armenische Alchemist Avedis im Osmanischen Reich eine Bronzelegierung, die außergewöhnlich musikalisch klang und gleichzeitig stabil genug war, um auch unter starker Belastung nicht zu reißen. Die heute legendäre B20Bronze bildet noch immer die Basis vieler hochwertiger Becken.

Für seine Entdeckung erhielt Avedis im Jahr 1623 vom Sultan den Namen Zildjian, was übersetzt so viel wie „Beckenmacher“ bedeutet. Gleichzeitig bekam er die Erlaubnis, seine Instrumente kommerziell herzustellen. Damit war der Grundstein für eine der traditionsreichsten Firmen der Musikgeschichte gelegt.

Ein Familiengeheimnis über Generationen

Über Jahrhunderte blieb die Herstellung der Becken Familiensache. Das Wissen um die Legierung und die Fertigung wurde streng gehütet und traditionell nur an den ältesten Sohn weitergegeben.

Im 20. Jahrhundert verlagerte Avedis III. Zildjian die Produktion schließlich in die USA und machte Zildjian endgültig zu einer weltweit bekannten Marke. Hinter den Kulissen bahnte sich jedoch bereits ein Konflikt an, der die Geschichte des Unternehmens grundlegend verändern sollte.

Der Bruch, der die Beckenwelt veränderte

Als Avedis Armand Zildjian im Februar 1979 starb und nur wenige Monate später auch sein Cousin Mikhail Zilcan verstarb, geriet das Familienunternehmen in eine schwierige Phase. Dabei schien die Zukunft zunächst gesichert: Erst kurz zuvor war es gelungen, die amerikanische und die kanadische Produktion wieder enger zusammenzuführen.

Doch die Einigkeit hielt nicht lange. Die Brüder Armand und Robert Zildjian kannten beide das streng gehütete Herstellungsverfahren der Familie, vertraten jedoch völlig unterschiedliche Vorstellungen davon, wie sich das Unternehmen weiterentwickeln sollte. Aus internen Differenzen wurde ein erbitterter Machtkampf, der schließlich auch vor Gericht ausgetragen wurde.

Nach rund zwei Jahren juristischer Auseinandersetzungen wurden die Karten neu gemischt: Armand Zildjian übernahm die Kontrolle über die Avedis Zildjian Company inklusive aller Markenrechte. Robert Zildjian blieb gemeinsam mit seiner Frau Willie, den Kindern Sally, Billy und Andy sowie den Familienmitgliedern Kerope und Gabriel Zilcan im kanadischen AZCO-Werk in Meductic.

Die Geburt von Sabian

1981 gründete Robert Zildjian dort sein eigenes Unternehmen – Sabian.

Der Name entstand aus den ersten beiden Buchstaben der Vornamen seiner drei Kinder: Sally, Billy und Andy. Obwohl Robert weiterhin nach der über Generationen überlieferten Familientradition Becken fertigte, durfte er öffentlich keinerlei Verbindung zum Namen Zildjian herstellen.

Damit war eine der größten Rivalitäten der Drum-Welt geboren. Zwei Hersteller mit derselben DNA, derselben Familientradition und denselben handwerklichen Wurzeln – aber unterschiedlichen Visionen für die Zukunft.

Gleiche Bronze – zwei Klangphilosophien

Besonders spannend: Beide Unternehmen setzen bis heute auf dieselbe Grundlegierung aus Kupfer, Zinn und geringen Silberanteilen, besser bekannt als B20Bronze. Trotzdem haben sich die beiden Marken über Jahrzehnte klanglich deutlich auseinanderentwickelt.

Zildjian – der Klassiker

Wer den traditionellen, musikalisch komplexen Beckensound sucht, landet oft bei Zildjian. Viele Serien zeichnen sich durch warme Mitten, dunklere Obertöne und eine feine Dynamik aus. Gerade im Studio oder in Genres wie Jazz, Pop, Fusion und Singer-Songwriter spielen diese Eigenschaften ihre Stärken aus. Die Becken fügen sich harmonisch ins Gesamtbild ein, ohne sich ständig in den Vordergrund zu drängen.


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Sabian – modern und durchsetzungsstark

Sabian verfolgt dagegen häufig einen direkteren Ansatz. Viele Modelle liefern mehr Attack, höhere Projektion und setzen sich auch in lauten Bands souverän durch. Deshalb greifen zahlreiche Rock-, Metal- und Hardrock-Drummer gerne zu Sabian, wenn maximale Präsenz auf der Bühne gefragt ist.

Natürlich gilt diese Einordnung nur als grundsätzliche Tendenz. Beide Hersteller bieten mittlerweile ein riesiges Portfolio mit Serien für nahezu jedes Genre und jeden Geschmack. Wer heute ein dunkles Rock-Crash oder ein brillantes Jazz-Ride sucht, wird bei beiden Marken fündig.


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Mehr als nur ein Markenlogo

Für viele Schlagzeuger ist die Entscheidung zwischen Zildjian und Sabian längst mehr als eine reine Klangfrage. Beide Unternehmen stehen für unterschiedliche Philosophien, unterschiedliche Künstler und eine Geschichte, die kaum ein anderer Hersteller vorweisen kann.

Dass ausgerechnet ein Familienkonflikt zur Entstehung zweier Weltmarken führte, macht diese Rivalität bis heute einzigartig. Während andere Firmen ihre Konkurrenz auf dem Markt fanden, entstand sie hier am Esstisch einer Familie.

Fazit

Ob Zildjian oder Sabian – qualitativ bewegen sich beide Hersteller seit Jahrzehnten auf höchstem Niveau. Der eigentliche Unterschied liegt weniger in der Qualität als im individuellen Sound und Spielgefühl. Wer warme, komplexe und eher traditionelle Klangfarben bevorzugt, wird häufig bei Zildjian fündig. Wer auf moderne Sounds mit viel Durchsetzungskraft und Projektion setzt, findet bei Sabian oft genau das passende Werkzeug.

Am Ende profitiert vor allem die DrummerCommunity. Denn aus einer familiären Spaltung entstand nicht nur eine der spannendsten Geschichten der Musikindustrie, sondern auch ein Wettbewerb, der beide Marken seit über 40 Jahren zu immer neuen Innovationen antreibt. Und genau deshalb ist die Frage „Zildjian oder Sabian?“ bis heute eine der meistdiskutierten überhaupt – wahrscheinlich genauso leidenschaftlich wie die ewige Debatte um Maple oder Birke, Kette oder Direct Drive oder die perfekte Größe fürs Ride-Becken.

📸 by John B. Sanromá – Digital Commonwealth, Public Domain, Link

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