Eine 10-Zoll-Snare ist normalerweise schnell erklärt. Klein, hoch gestimmt, knackig und als Effektinstrument irgendwo links neben der HiHat platziert. Mit der neuen TAMA PE1045M Peter Erskine Jazz 10 funktioniert diese Einordnung allerdings nur bedingt. Denn TAMA behandelt die kompakte 10″ x 4,5″ Snare nicht als günstigen Zusatz für ein paar Spezialeffekte, sondern überträgt das aufwendige Kesselkonzept von Peter Erskines großer 14″ x 4,5″ Signature Jazz Snare auf das kleine Format.
Mit aktuell 549 Euro ist die Jazz 10 entsprechend selbstbewusst positioniert. Dafür gibt es einen Fichte-Ahorn-Hybridkessel, einen nur auf der Schlagfellseite eingesetzten Sound Focus Ring, Gussreifen, Star-Cast-Aufhängung und einen handschriftlich signierten Peter-Erskine-Sticker im Kessel.
Die entscheidende Frage lautet deshalb: Braucht man wirklich eine Premium-Side-Snare für mehr als 500 Euro oder ist die Jazz 10 tatsächlich eigenständig genug, um diesen Anspruch zu rechtfertigen?
Kurzinfo auf einen Blick
Die TAMA PE1045M Peter Erskine Jazz 10 ist keine gewöhnliche Effekt-Snare, sondern eine hochwertig konstruierte Side-Snare mit eigenständigem Klangkonzept. Der 10″ x 4,5″ große Fichte-Ahorn-Hybridkessel, einseitiger Sound Focus Ring, Gussreifen und Star-Cast-Aufhängung sorgen für viel Attack, klare Ansprache und überraschend viel Körper. Besonders spannend ist die flexible Einbindung ins Set, da die Snare ohne klassischen Snare-Ständer montiert werden kann. Mit einem Preis von rund 549 Euro richtet sie sich allerdings klar an Drummer, die eine Side-Snare wirklich als zusätzliche musikalische Stimme nutzen möchten. Für reine Effekt-Sounds ist sie teuer, für Jazz, Fusion, Funk und moderne Hybrid-Setups aber ein außergewöhnlich interessantes Instrument.
Peter Erskine und die Idee hinter der Jazz 10
Peter Erskine gehört zu den Drummern, bei denen Dynamik und Klanggestaltung wichtiger sind als reine Lautstärke. Seine lange Karriere reicht von Weather Report über Steps Ahead bis zu zahlreichen Jazz-, Fusion- und Studio-Projekten. Bei TAMA nutzt er bereits eine 14″ x 4,5″ Signature Jazz Snare, deren ungewöhnliches Kesselkonzept nun die Grundlage für die neue Jazz 10 bildet.
TAMA spricht ausdrücklich davon, dass die kleine Snare dieselbe Grundidee übernimmt. Es geht also nicht darum, einfach eine vorhandene 10-Zoll-Trommel mit einem Signature-Badge zu versehen. Die Jazz 10 soll trotz des kleinen Durchmessers genügend Ton und Tiefe besitzen, gleichzeitig aber die Artikulation und Direktheit einer Piccolo-Snare liefern.
Das ist zunächst einmal ein interessanter Ansatz, denn genau hier liegt bei kleinen Side-Snares häufig das Problem. Viele Modelle können hervorragend „Pock“ oder „Crack“, danach wird das Klangangebot aber schnell überschaubar.
Die wichtigsten Besonderheiten TAMA PE1045M Peter Erskine Jazz 10
- 10″ x 4,5″ Signature-Snare
- 6 mm Fichte-Ahorn-Hybridkessel
- Vier Lagen Fichte plus zwei Innenlagen Ahorn
- Sound Focus Ring nur auf der Schlagfellseite
- Star-Cast-Aufhängung für flexible Montage
- Sechs Spannschrauben pro Seite
- Zink-Die-Cast-Hoops
- Remo Ambassador Felle ab Werk
- 20-spiraliger Starclassic Carbon Steel Snareteppich
- Handsignierter Peter-Erskine-Sticker im Kessel
10″x4,5″ und trotzdem kein Spielzeug
Die PE1045M misst 10″ x 4,5″ und besitzt einen 6 mm starken Hybridkessel. Vier Lagen Fichte werden mit zwei innenliegenden Lagen Ahorn kombiniert. Laut TAMA soll die Konstruktion satte Mitten mit klaren Höhen verbinden. Fichte ist bei Snaredrums deutlich seltener anzutreffen als Ahorn, Birke oder Mahagoni. Gerade deshalb macht die Kombination neugierig. Ein 10-Zoll-Kessel besitzt naturgemäß weniger Luftvolumen als eine klassische 14-Zoll-Snare. Der Klang wird schneller, kompakter und höher wahrgenommen. Ein zu aggressiver Kessel würde diesen Effekt noch verstärken.

Die Fichte-Ahorn-Kombination scheint dagegen bewusst darauf ausgelegt zu sein, dem kleinen Durchmesser etwas Körper entgegenzusetzen. Das macht die Jazz 10 auf dem Papier bereits interessanter als eine reine Effekt-Snare, die nur möglichst hoch und kurz klingen soll.
Sound Focus Ring
Das ungewöhnlichste Detail sitzt im Inneren des Kessels. Die Jazz 10 besitzt einen Sound Focus Ring ausschließlich auf der Schlagfellseite. Diese Konstruktion geht laut TAMA auf eine Idee von Peter Erskine zurück. Normalerweise werden Verstärkungsringe entweder auf beiden Seiten eines Kessels eingesetzt oder gar nicht. Hier ist die Konstruktion bewusst asymmetrisch. Die Idee dahinter ist ziemlich clever: Der obere Bereich des Kessels wird stärker fokussiert, wodurch Attack und Definition unterstützt werden. Die Resonanzfellseite bleibt dagegen freier und soll dem kleinen Kessel möglichst viel Offenheit und Resonanz lassen. TAMA beschreibt das Ergebnis als knackigen Attack mit klarer Definition, ohne den offenen Grundcharakter zu verlieren.
Für mich ist genau das das spannendste Detail der Trommel. Eine 10-Zoll-Snare braucht normalerweise keine zusätzliche Hilfe, um einen klaren Attack zu erzeugen. Schwieriger ist es, gleichzeitig genug Körper und Sustain zu erhalten. Der einseitige Ring versucht also nicht, die ohnehin vorhandene Eigenschaft des kleinen Kessels noch weiter zu übertreiben, sondern beide Seiten auszubalancieren.

Sechs Stimmschrauben und Gussreifen
Pro Fellseite kommen sechs Stimmschrauben und Die-Cast Hoops aus Zink zum Einsatz. TAMA verbindet die Gussreifen mit einem sehr fokussierten und kräftigen Rimshot.
Auch das passt gut zum Konzept. Gussreifen kontrollieren das Fell stärker als leichte Triple-Flanged Hoops und bündeln den Anschlag. Gerade auf einer kleinen Snare kann das für sehr präzise Rimshots und klare Akzente sorgen. Die sechs Stimmpunkte sind ebenfalls interessant. Mehr Spannschrauben würden zwar noch feinere Justierungen ermöglichen, könnten die ohnehin kleine Trommel aber schnell sehr starr wirken lassen. Sechs Lugs geben dem Fell etwas mehr Raum zwischen den Stimmpunkten und passen damit zur Idee eines offenen Sounds.
Ab Werk montiert TAMA ein Remo Coated Ambassador als Schlagfell und ein Ambassador auf der Resonanzseite. Damit startet die Snare erfreulicherweise mit einer sehr offenen und neutralen Fellkombination.
Star-Cast Mount statt zusätzlichem Snare-Ständer
Eine weitere Besonderheit ist das Star-Cast Mounting System, das man normalerweise aus der Starclassic-Serie kennt. Dadurch kann die Jazz 10 über einen geeigneten Tomarm oder eine Multiklammer montiert werden. Ein zusätzlicher Snare-Ständer ist also nicht zwingend erforderlich. Bei einer Side-Snare ist das ein echtes Praxisargument.
Wer bereits HiHat, Hauptsnare, mehrere Toms, Effektbecken und vielleicht noch ein Sample-Pad rund um sich verteilt hat, kennt das Problem: Irgendwann besteht der Platz unterhalb der Gürtellinie nur noch aus Stativbeinen. Eine 10-Zoll-Snare einfach an einem vorhandenen Ständer oder Rack zu befestigen, spart Platz und eröffnet deutlich mehr Positionierungsmöglichkeiten. Links neben der HiHat, zwischen zwei Toms oder sogar rechts neben dem Floor Tom lässt sich die kleine Trommel wesentlich flexibler integrieren.
Gleichzeitig soll die freischwingende Star-Cast-Aufhängung verhindern, dass der kompakte Kessel unnötig abgewürgt wird. TAMA spricht trotz der geringen Abmessungen von überraschender Tiefe und Sustain.

Der Snareteppich: TAMA PE1045M Peter Erskine Jazz 10
Auf der Unterseite arbeitet ein 20-spiraliger Starclassic Carbon Steel Snare Wire. TAMA hat bei diesem Teppich unter anderem den Winkel der Endplatten angepasst, damit die Spiralen möglichst gleichmäßig am Resonanzfell anliegen und auch feine Anschläge sauber übertragen werden. Das ist gerade bei dieser Snare wichtig. Eine 10-Zoll-Side-Snare nur für laute Backbeats hinzustellen, wäre bei diesem Preis ziemlich sinnlos. Interessant wird die Jazz 10 erst dann, wenn sie auch Ghostnotes, leise Figuren und unterschiedliche Artikulationen sauber umsetzt.
Und genau hier dürfte der Peter-Erskine-Einfluss am stärksten durchkommen. Die Trommel soll nicht nur ein zweiter Backbeat-Sound sein, sondern ein zusätzliches Instrument mit eigener Dynamik.
Wie würde ich die TAMA PE1045M Peter Erskine Jazz 10 einsetzen?
Für mich wäre die PE1045M weniger eine typische Rock-Side-Snare, die einmal pro Song für den kurzen „kleine Snare, großer Effekt“-Moment ausgepackt wird.
Spannender finde ich sie in Fusion, Funk, Jazz, Neo-Soul, elektronisch erweiterten Sets und Percussion-Setups. Durch die kompakte Größe kann sie wie eine zusätzliche musikalische Stimme behandelt werden.
Man könnte beispielsweise den Hauptgroove auf einer 14-Zoll-Snare spielen und einzelne Backbeats auf die Jazz 10 verschieben. Auch Kombinationen aus Ghostnotes auf der Hauptsnare und Akzenten auf der kleinen Trommel dürften interessant sein. In Verbindung mit Toms eröffnet sich noch einmal eine andere Perspektive: Die 10-Zoll-Snare kann fast wie ein zusätzliches hoch gestimmtes Tom funktionieren, nur eben mit Teppichansprache.
Das ist für mich der entscheidende Punkt. Eine gute Side-Snare sollte nicht einfach nur „kleiner“ klingen. Sie sollte Ideen erzeugen.
Über 500 Euro für eine Side-Snare?
Und damit kommen wir zum offensichtlichen Thema. Zum Zeitpunkt unserer Recherche kostet die Jazz 10 bei Music Store 549 Euro. Das ist viel Geld für eine 10-Zoll-Trommel. Wer lediglich einen knackigen Zweitsnare-Sound für zwei Songs im Set braucht, benötigt dieses Instrument meiner Meinung nach nicht. Dafür gibt es wesentlich günstigere Side-Snares, die den Job problemlos erledigen.
Bei der PE1045M bezahlt man für ein anderes Konzept. Hybridkessel, einseitiger Sound Focus Ring, Gussreifen, Star-Cast-Aufhängung, Starclassic-Teppich und die komplette Signature-Ausführung machen aus ihr eben keine einfache Zusatzsnare.
Hinzu kommt ein kleines Sammlerdetail: Im Inneren jeder Signature-Snare befindet sich ein Sticker, der laut TAMA von Peter Erskine persönlich von Hand signiert wird. Nett, aber für mich definitiv kein Kaufgrund. Entscheidend muss am Ende der Klang sein.
Persönliche Einschätzung: Lohnt sich die Jazz 10?
Für mich ist die TAMA Peter Erskine Jazz 10 eines dieser Instrumente, bei denen der Preis zunächst schlucken lässt, das Konzept danach aber immer mehr Sinn ergibt.
Die entscheidende Besonderheit ist nicht das Peter-Erskine-Logo und auch nicht der kleine Durchmesser. Es ist die Konsequenz, mit der TAMA versucht, aus einer 10-Zoll-Snare ein vollwertiges musikalisches Instrument zu machen. Der ungewöhnliche Fichte-Ahorn-Kessel, der nur oben eingesetzte Sound Focus Ring und die freischwingende Montage sind echte konstruktive Besonderheiten und keine reine Kosmetik.
Gerade das Star-Cast-System finde ich für eine Side-Snare hervorragend. Eine zusätzliche Trommel, die keinen eigenen Ständer benötigt und nahezu überall im Setup platziert werden kann, ist im echten Musikeralltag deutlich interessanter als irgendein weiteres Signature-Badge.
Ob die Snare ihren Preis wert ist, hängt deshalb stark vom Einsatz ab. Als gelegentlicher Effekt ist sie meiner Meinung nach zu teuer. Als ernsthafte zweite Stimme im Drumset wird sie dagegen sehr spannend. Wer Fusion, Jazz, Funk oder moderne Hybrid-Setups spielt und eine kleine Snare wirklich musikalisch einsetzt, bekommt hier ein ungewöhnlich durchdachtes Instrument. Wer lediglich einen hohen, trockenen Side-Snare-Knall für den Refrain braucht, kann deutlich günstiger glücklich werden.
Fazit
Die TAMA PE1045M Peter Erskine Jazz 10 ist eine Premium-Side-Snare, die diesen Anspruch nicht allein über Namen und Optik begründet. Besonders der asymmetrische Kesselaufbau mit Sound Focus Ring, der ungewöhnliche Fichte-Ahorn-Mix und die Star-Cast-Aufhängung heben sie von klassischen 10-Zoll-Effektsnares ab.
Für 549 Euro ist sie trotzdem ein Spezialinstrument. Wer nur gelegentlich einen zusätzlichen Snare-Sound braucht, findet günstigere Lösungen. Wer dagegen eine kompakte zweite Snare sucht, die dynamisch gespielt und als vollwertige zusätzliche Stimme ins Drumset integriert werden soll, sollte die Jazz 10 unbedingt antesten.
Kurz gesagt: Für den Effekt allein zu teuer. Für Drummer, die mit einer Side-Snare wirklich Musik machen wollen, ziemlich spannend.
