Jay Weinberg hat mit Drown Fountain eine neue Single veröffentlicht und dafür mit dem kanadischen Grungegaze-Duo Softcult zusammengearbeitet. Der Song ist die dritte Veröffentlichung aus seinem laufenden Kollaborationsprojekt und markiert einen interessanten Punkt in Weinbergs Entwicklung nach Slipknot und Suicidal Tendencies. Drown Fountain zeigt eine andere Seite. Leiser, atmosphärischer und persönlicher.
Weinberg war viele Jahre vor allem über seine physische Wucht am Schlagzeug definiert. Bei Slipknot musste er den wohl härtesten Drumjob im modernen Metal übernehmen. Danach folgten u.a. Suicidal Tendencies und weitere Projekte, die ebenfalls eher für Energie und Druck stehen. Nun steht er plötzlich in einem Song, der sich stärker über Gitarrenflächen, Shoegaze–Texturen und verletzlichere Stimmung trägt.
Vom Metal-Schlagzeuger zum eigenständigen Künstler
Nach seinem Aus bei Slipknot im Jahr 2023 war zunächst naheliegend, dass Jay Weinberg weiterhin vor allem als Schlagzeuger großer harter Bands funktionieren würde. Das tat er auch. Im März 2024 stieg er bei Suicidal Tendencies ein, nachdem er bereits mit Infectious Grooves gearbeitet hatte. Anfang 2026 gab er seinen Ausstieg bei Suicidal Tendencies bekannt, um sich stärker anderen Projekten, seiner Familie und einer wachsenden Reihe an Kooperationen zu widmen.
Rückblickend wirkt dieser Schritt konsequent. Schon Anfang 2025 hatte Weinberg öffentlich gemacht, dass er eigenes Material aufnehmen wolle, an dem er teilweise seit seinen frühen Zwanzigern gearbeitet habe. Dabei ging es nicht nur um Schlagzeugparts. Weinberg sprach auch davon, wieder Gitarre zu spielen und eigene Songs fertigzustellen.
Drown Fountain ist nun das vorläufige Ergebnis dieser Entwicklung.
Zusammenarbeit mit Softcult
Softcult sind für diesen Schritt eine interessante Wahl. Das Duo um Mercedes und Phoenix Arn-Horn verbindet Grungegaze, Alternative und Shoegaze. In Weinbergs eigener Ankündigung beschreibt er Softcult nicht nur musikalisch, sondern auch in Bezug auf Haltung, Texte und visuelle Ausrichtung als passenden Partner für den Song. Drown Fountain sei die dritte Single seines Kollaborationsprojekts und genau durch diese Zusammenarbeit in die Form gekommen, die der Song offenbar lange gesucht hatte.
Jay Weinberg singt
Der auffälligste Punkt an Drown Fountain ist nicht einmal die Stilrichtung, sondern Weinbergs Stimme. Der Song markiert sein Gesangsdebüt. Er übernimmt Gesangsparts gemeinsam mit Mercedes Arn-Horn von Softcult. In seiner eigenen Ankündigung beschreibt Weinberg diesen Schritt als neues Terrain und spricht davon, dass er früher seine lauten Drums und Becken gewissermaßen als Schutz vor sich hatte.
Das ist ein bemerkenswerter Satz, weil er viel über die Rolle des Schlagzeugs verrät. Drummer stehen körperlich im Zentrum einer Band, sind aber emotional hinter dem Kit versteckt. Er ist unmittelbarer, weniger geschützt und stärker mit der eigenen Person verbunden.
