Fünf Alben mit herausragendem Drumsound

Wie gut ein Drumsound auf einer Aufnahme klingt, hängt nicht allein von Mikrofonen, Mischpulten und Kompressoren ab. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Musiker, Instrument, Raum und Produktion. Diese fünf Alben zeigen, wie unterschiedlich ein überzeugender Drumsound ausfallen kann.

Welches Album besitzt den besten Drumsound? Eine eindeutige Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Zu unterschiedlich sind die klanglichen Vorstellungen verschiedener Genres und Jahrzehnte. Ein Jazztrio verlangt nach einem anderen Schlagzeugklang als eine Rockband. Auch ein trockener Studiosound kann ebenso überzeugend sein wie ein weit geöffneter Raumklang.

Für diese Auswahl zählen daher mehrere Kriterien. Wie gut lässt sich das Schlagzeug im Mix erkennen? Unterstützt der Klang die Spielweise? Besitzt das Set eine eigene Identität? Und hat die Aufnahme andere Produktionen beeinflusst? Die folgenden fünf Alben habe ich ausgewählt, weil sie jeweils für ein eigenes Klangideal stehen.

Led Zeppelin IV

Kaum eine Schlagzeugaufnahme hat den Rocksound so stark geprägt wie John Bonhams Performance auf When the Levee Breaks. Der Song erschien 1971 auf dem vierten Album von Led Zeppelin. Bassdrum, Snare und HiHat wirken groß und bleiben klar voneinander getrennt. Gleichzeitig ist der natürliche Nachhall ein fester Bestandteil des Grooves.

Das Schlagzeug wurde im Eingangsbereich von Headley Grange aufgebaut, einem ehemaligen viktorianischen Arbeitshaus mit hohen Decken und einem markanten Treppenhaus. Zwei Beyerdynamic M 160 Mikrofone befanden sich oberhalb des Sets an der Treppe. Der Raumklang wurde anschließend mit Helios Kompressoren und einem Binson Echorec bearbeitet. Dadurch entstand das rhythmische Echo, das den Beat größer erscheinen lässt und ihm seine atmende Bewegung gibt. MusicRadar hat die Entstehung der Aufnahme ausführlich dokumentiert.

Der Klang funktioniert jedoch nicht allein aufgrund der Aufnahmetechnik. Bonham spielt einen einfachen Beat mit großer Kontrolle über Anschlag und Platzierung. Seine Bassdrum klingt schwer, die Snare öffnet den Raum und die HiHat gibt dem Groove eine leicht tänzelnde Bewegung. Diese Verbindung aus Spielweise und Raum macht die Aufnahme zeitlos.

Hörtipp: When the Levee Breaks

Toto IV

Toto IV aus dem Jahr 1982 steht für eine andere Vorstellung von gutem Drumsound. Statt eines dominanten Raumklangs hört man hier ein kontrolliertes Set, das vollständig in die Arrangements eingebunden ist. Jeff Porcaro musste sich nicht gegen den Mix durchsetzen. Sein Schlagzeug bildet das rhythmische Fundament, ohne die anderen Instrumente zu verdecken.

Das beste Beispiel ist Rosanna. Die Snare besitzt einen klaren Attack und genügend Körper, während die Ghost Notes trotz der dichten Produktion deutlich hörbar bleiben. Die Bassdrum liefert ein stabiles Fundament, ohne viel Platz im unteren Frequenzbereich einzunehmen. Toms und Becken fügen sich organisch in den Gesamtsound ein. Toningenieur Al Schmitt erläuterte später in einem Interview über die Aufnahme von Rosanna, wie der Klang im Studio entstand.

Auch Africa zeigt den experimentellen Umgang mit Rhythmus. Die Grundlage des Songs entstand aus aufgenommenen Schlagzeug- und Percussionelementen, die auf analogem Band zu einer Schleife zusammengesetzt wurden. Damit verbindet das Album klassische Studioarbeit mit einer für die damalige Zeit aufwendigen Form der Rhythmusproduktion.

Für mich ist Toto IV eines der besten Beispiele dafür, wie ein Schlagzeug präsent klingen kann, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Porcaros Sound lebt nicht von übertriebener Größe, sondern von Balance und Dynamik.

Hörtipps: Rosanna und Africa

Steely Dan Aja

Auf Aja gibt es nicht den einen Drumsound. Steely Dan arbeiteten für das 1977 veröffentlichte Album mit mehreren der besten Studiomusiker ihrer Zeit. Steve Gadd, Bernard Purdie, Rick Marotta, Jim Keltner und weitere Drummer wurden gezielt für einzelne Stücke eingesetzt. Jeder Song erhielt dadurch eine eigene rhythmische und klangliche Handschrift.

Besonders eindrucksvoll ist das Titelstück mit Steve Gadd. Sein Schlagzeug klingt offen und natürlich, gleichzeitig ist jedes Detail klar zu erkennen. Die Snare besitzt Präsenz, die Toms haben Ton und die Becken behalten ihre Dynamik. Selbst während der komplexen Fills am Ende des Stücks bleibt das gesamte Set transparent.

Auf Home at Last prägt Bernard Purdies Shuffle das Stück. Hier wirkt der Drumsound kompakter und stärker auf den Groove konzentriert. Rick Marottas Spiel auf Peg klingt dagegen trocken und direkt. Diese Unterschiede machen deutlich, dass ein Album keinen einheitlichen Schlagzeugsound benötigt, um geschlossen zu wirken. Entscheidend ist, dass jeder Klang zum jeweiligen Song passt. Die Produktionsgeschichte des Titelstücks wurde unter anderem von Sound On Sound rekonstruiert.

Aja ist deshalb eine wichtige Referenz für alle, die sich mit Studioarbeit beschäftigen.

Hörtipps: Aja, Home at Last und Peg

 Nirvana Nevermind

Mit Nevermind veränderte sich 1991 nicht nur die Rockmusik. Auch der Schlagzeugsound des Albums wurde zu einer Vorlage für zahlreiche Produktionen der folgenden Jahre. Dave Grohls kraftvolle Spielweise trifft hier auf einen Raum, der jeden Schlag vergrößert.

Produzent Butch Vig nahm die Drums im Studio A von Sound City auf. Der Raum war für seinen Schlagzeugklang bekannt und besaß mit der Neve Konsole einen weiteren wichtigen Bestandteil der Produktion. Vig setzte neben den direkten Mikrofonen auch Raummikrofone ein. Andy Wallace übernahm später den Mix und sorgte dafür, dass die Drums selbst neben mehreren Gitarrenspuren klar und druckvoll blieben. Butch Vig sprach mit Sound On Sound über die Produktion des Albums.

Bei Smells Like Teen Spirit steht die Snare deutlich im Mittelpunkt. Sie klingt breit und aggressiv, besitzt aber weiterhin einen klaren Anschlag. Auf In Bloom zeigt sich besonders gut, wie Bassdrum, Snare und Toms gemeinsam eine massive rhythmische Fläche bilden. Grohls konsequente Anschlagstärke trägt wesentlich zu diesem Klang bei. Das Album erinnert daran, dass eine Produktion nur das verstärken kann, was der Drummer bereits im Raum liefert.

Das Schlagzeug behält seine Ecken und Kanten und vermittelt noch immer das Gefühl einer Band, die gemeinsam in einem Raum spielt.

Hörtipps: Smells Like Teen Spirit, In Bloom und Breed

Tool 10,000 Days

Ein großes Drumset mit zahlreichen Toms, Becken und elektronischen Elementen sauber abzubilden, ist eine schwierige Aufgabe. Auf 10,000 Days von Tool gelingt genau das. Danny Careys Spiel bleibt trotz der dichten Arrangements verständlich. Gleichzeitig besitzt das Schlagzeug genügend Tiefe und Gewicht, um die Musik zu tragen.

Die Drums wurden im O’Henry Studio in Burbank über eine große API Konsole aufgenommen. Toningenieur Joe Barresi verwendete drei Overheads sowie zusätzliche Mikrofone für einzelne Becken. Die Toms wurden von oben und unten mikrofoniert. Hinzu kamen mehrere Gruppen von Raummikrofonen in unterschiedlichen Entfernungen. Barresi setzte bei der Aufnahme nur wenig Klangbearbeitung ein und wechselte stattdessen Mikrofone, wenn mehr Höhen oder Tiefen benötigt wurden. Die Signale wurden zunächst auf einer Studer Bandmaschine aufgenommen und anschließend in Pro Tools übertragen. Joe Barresi beschrieb das Vorgehen ausführlich im Magazin Mix.

Das Ergebnis ist ein moderner Heavy-Sound, der nicht nur aus Attack und Lautstärke besteht. Die Toms besitzen einen klaren Ton, die Bassdrum bleibt auch in komplexen Passagen definiert und die Becken bilden einen räumlichen Rahmen um das Set. Elektronische Percussion und akustische Trommeln lassen sich unterscheiden, wirken aber trotzdem wie Bestandteile desselben Instruments.

Besonders auf Jambi und The Pot wird hörbar, wie viel Platz der Mix dem Schlagzeug lässt. Careys komplexe Figuren bleiben nachvollziehbar, ohne dass einzelne Trommeln unnatürlich weit nach vorne gemischt werden.

Hörtipps: Jambi, The Pot und Right in Two

Was macht einen guten Drumsound aus?

Diese fünf Alben zeigen, dass es keinen allgemeingültigen perfekten Drumsound gibt. Led Zeppelin nutzen den Raum als klanglichen Verstärker. Toto setzen auf Balance und Kontrolle. Steely Dan passen den Sound an den jeweiligen Musiker und Song an. Nirvana verbinden rohe Energie mit präziser Studiotechnik. Tool zeigen, wie sich ein großes akustisches und elektronisches Setup transparent aufnehmen lässt.

Meine persönliche Nummer eins ist Toto IV. Kaum ein anderes Album verbindet Groove, Klang und Songdienlichkeit so konsequent. Der eindrucksvollste einzelne Schlagzeugsound bleibt jedoch John Bonhams Performance auf When the Levee Breaks. Sie beweist, dass wenige Mikrofone, ein geeigneter Raum und ein unverwechselbarer Drummer ausreichen können, um Musikgeschichte zu schreiben.

©️Photo by Denise Marie Luko – http://www.stevelukather.net, CC BY-SA 3.0, Link

 

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