Eine Golfrunde mit Donald Trump? Nicko McBrain winkt entschieden ab. Der langjährige Iron-Maiden-Drummer hat im Interview mit „The Telegraph“ deutliche Worte für den US-Präsidenten gefunden. Was die Schlagzeuglegende beschäftigt, erzählt sie inzwischen auch auf der Bühne: Mit seiner Autobiografie „Hello Boys And Girls!“ kommt Nicko im Oktober nach Deutschland.
Keine gemeinsame Runde: Nicko sagt ab
Ein Freund, ein Golfplatz und die Aussicht auf eine Partie mit dem Präsidenten: Was andere als Gelegenheit zum exklusiven Händeschütteln betrachten würden, sorgte bei Nicko McBrain offenbar vor allem für ungläubiges Kopfschütteln. Wie der 74-Jährige im Gespräch mit „The Telegraph“ erzählte, habe ein befreundeter Anhänger der Republikaner ihn zum Golfspielen eingeladen – gemeinsam mit Donald Trump. McBrains Antwort fiel knapp aus: „No. No, mate.“ Frei übersetzt: Nein, Kumpel. Daraus wird nichts.
Wer Nicko aus Interviews und Drumclinics kennt, kennt auch seine direkte Art. Diesmal ging es allerdings weder um seine Fußtechnik noch um das nächste Tom-Fill. Hier zog der Musiker eine persönliche Grenze.
Trump-Kritik statt Smalltalk auf dem Fairway
Als besonders politisch interessiert beschreibt sich McBrain selbst eigentlich nicht. Eine klare Meinung zum US-Präsidenten hat er trotzdem. Im Interview kritisiert er dessen aus seiner Sicht ausgeprägten Narzissmus, den Umgang mit den Epstein-Akten und Trumps militärisches Vorgehen gegen den Iran. Auch die räumliche Nähe sorgt offenbar nicht für nachbarschaftliche Gefühle: Sein Haus in Florida liege ihm bereits viel zu dicht an Trumps Anwesen Mar-a-Lago.
Zum Abschluss seiner Ausführungen wird McBrain unmissverständlich. Trump und dessen Umfeld gehörten seiner Ansicht nach ins Gefängnis. Eine drastische politische Wortmeldung des Drummers – und eine ziemlich eindeutige Erklärung dafür, weshalb die gemeinsame Golfrunde ausfiel.
Der Mann, der Maiden zum Rollen brachte
Für uns Schlagzeuger bleibt McBrain vor allem der Musiker, der dem Maiden-Sound über Jahrzehnte seinen unverwechselbaren Schwung verliehen hat. Seit seinem Einstieg 1982 entwickelte er mit Steve Harris eine Rhythmusarbeit, die weit mehr bietet als Tempo und Durchschlagskraft.
Nickos Spiel lebt von Bewegung: federnde Grooves, markante Beckenakzente und Tom-Figuren, die durch die Songs führen. Seine Parts begleiten die Gitarren nicht bloß, sie kommentieren und strukturieren sie. Trotz aller Wucht bleibt dabei oft eine Lockerheit hörbar, die seine Arbeit für Drummer so spannend macht.
Gerade das Zusammenspiel mit Harris lohnt das genaue Hinhören. Zwischen Bass und Schlagzeug entsteht dieser permanente Vorwärtsdrang, der Maiden auch durch lange, verschachtelte Arrangements trägt. Nicko schafft Platz für Melodien und setzt seine Ausrufezeichen dort, wo der Song sie braucht.
Tourabschied nach dem Schlaganfall
Ein wesentlich einschneidenderes Thema als jede politische Kontroverse war für McBrain seine Gesundheit. Im Januar 2023 erlitt er einen Schlaganfall, der nach seiner damaligen Schilderung zunächst seine rechte Körperseite lähmte. Mit Therapie und Unterstützung seiner Familie sowie der Band kämpfte er sich ans Instrument zurück. Für einen Drummer, dessen Alltag von Koordination, Ausdauer und fein dosierten Bewegungen lebt, eine enorme Herausforderung. Seine Rückkehr auf die Bühne war entsprechend weit mehr als die Wiederaufnahme eines Jobs.
Am 7. Dezember 2024 spielte McBrain in São Paulo schließlich sein letztes reguläres Tourkonzert mit Iron Maiden. Damit verabschiedete er sich vom anstrengenden Tourleben. Teil der Maiden-Familie bleibt er weiterhin – und eigene Projekte halten ihn auch nach diesem Einschnitt auf Trab.
„Hello Boys And Girls!“: Nicko bringt seine Geschichte nach Deutschland
Wer Nicko McBrain persönlich erleben möchte, bekommt dazu jetzt auch hierzulande Gelegenheit: Mit seiner Spoken-Word-Show „An Evening With Nicko McBrain“ kommt die Maiden-Legende im Oktober 2026 für vier Termine nach Deutschland. Anlass ist seine veröffentlichte Autobiografie „Hello Boys And Girls!“ – und nach mehr als vier Jahrzehnten mit Iron Maiden dürfte es an erzählenswertem Stoff kaum mangeln.
Diesmal steht Nicko mit Geschichten aus seinem Musikerleben im Mittelpunkt. Angekündigt sind humorvolle Anekdoten, persönliche Erinnerungen und Gespräche mit dem Publikum. Neben den großen Bühnen und den Jahren mit Maiden sollen auch seine musikalischen Anfänge, persönliche Herausforderungen und das Leben nach dem Touralltag zur Sprache kommen. Dazu gehören seine Begeisterung für Oldtimer und seine Aktivitäten in der Gastronomie.
Für Drummer ist das eine Gelegenheit, den Menschen hinter den legendären Parts näher kennenzulernen. Wie erlebt jemand die Bandgeschichte, der jahrzehntelang vom Drumhocker aus den Laden mit angetrieben hat? Genau diese Perspektive macht den Abend spannend – zumal Nickos britischer Humor auch längere Geschichten zuverlässig auf Betriebstemperatur bringen dürfte.
Die Deutschlandtermine im Überblick:
- 26. Oktober 2026 – Frankfurt am Main: Alte Oper – Mozart Saal, 20:00 Uhr
- 27. Oktober 2026 – Köln: Theater am Tanzbrunnen, 20:00 Uhr
- 29. Oktober 2026 – Berlin: Passionskirche, 20:00 Uhr
- 30. Oktober 2026 – München: Backstage Arena, 20:00 Uhr
Fazit: Nicko hat noch einiges zu erzählen
Nicko McBrain hat die großen Maiden-Tourneen hinter sich gelassen. Seine direkte Art ist geblieben. Die abgelehnte Golfeinladung und seine scharfen Aussagen über Trump zeigen einen Musiker, der seine Gesellschaft bewusst auswählt und seine Meinung deutlich formuliert. Für die Drumwelt liegt seine größte Bedeutung weiterhin in seinem Spiel: in diesem eigenwilligen Zusammenspiel aus Wucht, Beweglichkeit und musikalischem Instinkt. Mit seiner Autobiografie und den Spoken-Word-Abenden bietet sich nun die Gelegenheit, seine Geschichte aus erster Hand zu hören. Der Mann, der jahrzehntelang Maiden vorangetrieben hat, hat offenbar noch reichlich Gesprächsstoff.
